Problemfall Pevenage
Team Telekom buhlt kräftig um Ullrich

Olympiasieger Jan Ullrich stehen nach seinem zweiten Platz bei der Tour de France die Türen bei drei Radprofiteams offen. Die besten Chancen hat aber offenbar sein ehemaliger Arbeitgeber, das Team Telekom. Beide Seiten haben bereits über einen Neuanfang des Olympiasiegers bei seinem langjährigen Arbeitgeber (1995 bis 2002) verhandelt. Das bestätigte Teamchef Walter Godefroot

HB BERLIN. "Es stimmt. Die Tür für eine Rückkehr von Jan bleibt immer offen", erklärte Godefroot am Mittwoch. Zu Einzelheiten einer möglichen Verpflichtung wollte er allerdings nichts sagen: "Wenn wir so weit sind, wird es auch Details geben."

"Jans Manager Wolfgang Strohband hat seine Forderung auf den Tisch gelegt, und unser Sponsor T-Mobile hat ein Gegenangebot gemacht. Die Gespräche laufen", sagte der Belgier am Mittwoch. "Ich kann mir eine Zusammenarbeit mit Jan immer noch vorstellen. Einen Fahrer wie ihn möchte jedes Team gerne haben", erklärte Godefroot.

Das Management von Jan Ullrich bestätigte ebenfalls ein "offizielles Telekom-Angebot" und zwei ausländische Offerten. Eine davon soll vom derzeitigen Rennstall Bianchi kommen. Ullrich hielt sich am Mittwoch bedeckt, beschäftigte sich auf seiner Homepage lieber mit einem Rückblick auf den Besuch des Formel-1-Rennes in Monza. Zuvor hatte er ebenfalls von drei Angeboten gesprochen und Telekom als Interessenten verkündet. Entschieden sei aber noch nichts. Mit seinem Manager Wolfgang Strohband wolle er alles gründlich prüfen.

Der 29-Jährige, der am Sonntag in Wangen (Allgäu) sein letztes Saisonrennen bestreitet und dann Urlaub mit Freundin Gaby und Tochter Sarah Maria macht, will ab November mit der Vorbereitung auf die Saison 2004 beginnen. "Ich will im nächsten Jahr um den Sieg bei der Tour und meinen Olympiasieg verteidigen", sagte Ullrich.

Ullrich hatte bereits am Wochenanfang angedeutet, dass er sich eine Rückkehr zu Telekom vorstellen könne: "Ich schließe derzeit nichts aus. Es geht dabei nicht allein ums Geld. Bei mir steht der Sport immer noch an erster Stelle", so der Tour-Sieger von 1997, der in diesem Jahr zum fünften Mal Platz 2 bei der Frankreich-Rundfahrt belegt hatte.

Godefroot hatte nie ein Hehl daraus gemacht, dass er die Rückkehr des "verlorenen Sohnes" begrüßen würde: "Die Mannschaft würde extra für ihn zusammengestellt." Die personelle Besetzung des Teams ist für Ullrich von großer Bedeutung. Außerdem schwebt ihm ein Drei-Jahres- Vertrag vor, an den er weitere Bedingungen knüpft. Dazu gehört, dass er seinen Bruder Stefan als Mechaniker, Birgit Krohme als Physiotherapeutin und Freund Tobias Steinhauser als Fahrer um sich haben will. Mit im Boot soll vor allem auch Rudy Pevenage bleiben, der Ullrich nach Ablauf der Dopingsperre zu Coast folgte und kurz vor der Tour auch mitverantwortlich für den Wechsel zu Bianchi war.

Bei einem Telekom-Comeback dürfte gerade Pevenage zum Problemfall werden, denn sein langjähriger Weggefährte Godefroot hat ihm diesen Wechsel nicht verziehen. "Ich habe meine Meinung über Rudy nicht geändert. Eine Zusammenarbeit mit ihm kann ich mir in diesem Moment nicht vorstellen", bekräftigte Godefroot. "Wie soll eine Zusammenarbeit klappen, wenn man sich nicht 100-prozentig auf jemanden verlassen kann, weil das Vertrauen einmal missbraucht wurde?", so Godefroot. Pevenage hatte Telekom Ende vergangenen Jahres urplötzlich verlassen und sich Ullrich angeschlossen, was ihm Godefroot bis heute nachträgt.

Dennoch scheint auch eine Rückkehr des Belgiers ins Team seines Landsmanns nicht ausgeschlossen. Godefroot räumt ein, dass dies nicht allein seine Entscheidung sei: "Ich habe einen Vertrag mit T-Mobile. Letztlich liegt die Entscheidung auch bei denen." Wann sie fällt, ist offen. Godefroot: "Es ist nichts perfekt, also kann ich auch keinen Zeitrahmen benennen."

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