Procter & Gamble hält offenbar am Einstieg bei der Darmstädter Kosmetikgruppe Wella fest: Henkel fährt Amerikanern in die Parade

Procter & Gamble hält offenbar am Einstieg bei der Darmstädter Kosmetikgruppe Wella fest
Henkel fährt Amerikanern in die Parade

Die Schlacht ist eröffnet: Henkel hat sich an Wella beteiligt. Damit will der Düsseldorfer Konzern die Übernahme des Konkurrenten durch Procter & Gamble stören. Ziel ist, die Amerikaner in Deutschland auszubremsen.

HAMBURG. Um die Darmstädter Wella AG bahnt sich ein Machtkampf an. Nach Informationen aus den Verhandlungskreisen versucht der Düsseldorfer Henkel-Konzern mit seinem überraschenden Einstieg bei Wella ein erwartetes Übernahmeangebot durch Procter & Gamble zu verhindern. Der US-Konzern liebäugelt bereits seit Wochen mit Wella, um stärker in Europa Fuß zu fassen. P&G war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Am Dienstag hatte die Henkel KGaA bekannt gegeben, sich mit 4,99 % am Stammkapital und mit 10,38 % an den Vorzugsaktien beim Haarpflegespezialisten Wella beteiligt zu haben. An der Börse legte der Wella-Kurs daraufhin deutlich zu. Die Vorzüge kletterten um 3,3 % auf 63,00 Euro, die Stämme um 4,3 % auf 76,20 Euro. Federn lassen musste hingegen Henkel. Die Notierung rutschte sehr kräftig um 9,2 % auf 44,40 Euro.

Wella ist nach der französischen L?Oreal-Gruppe weltweit zweitgrößter Hersteller von Haarpflegeprodukten. Das Unternehmen hat mit 6 000 Mitarbeitern im vergangenen Jahr mehr als 3,4 Mrd. Euro umgesetzt. Henkel erzielte hingegen mit konsumnaher Spezialchemie, wie Waschmitteln (Persil), Klebstoffen sowie Körperpflegeprodukten einen Umsatz von knapp 9,7 Mrd. Euro.

Ob sich Henkel langfristig beim Wettbewerber Wella engagiert, oder es sich nur um eine reine Finanztransaktion handelt, ist hingegen unklar. "Henkel will möglicherweise eine Übernahme nur stören und den Preis in die Höhe treiben," sagt Gunnar Cohrs von der Hamburger Privatbank Berenberg. Auch andere Analysten bezweifeln, ob Henkel zu den gegenwärtigen Wella-Kursen wirklich an einer substanziellen Position bei Wella interessiert ist. Denn an der Börse sind die Darmstädter Haarpflege-Spezialisten so teuer geworden, dass sich der Persil-Konzern eine Menge Goodwill für immaterielle Unternehmenswerte (so etwa auf Markenrechte) in die Bilanz holen würde. Dieser vergleichsweise hohe Goodwill müsste dann zumindest zu einem Teil abgeschrieben werden.

Burkhard Schmidt, Geschäftsführer der Jahr-Vermögensverwaltung, die mit 6,1 % an Henkel beteiligt ist, wollte sich zur Wella-Strategie nicht äußern. "Wir mussten den Einstieg melden, um juristisch auf Nummer sicher zu gehen," sagte Schmidt dem Handelsblatt. Der Einstieg sei aber von der Henkel Gesellschafterversammlung abgesegnet worden. Hinter der Jahr-Vermögensverwaltung steht die Verlegerdynastie Jahr (Gruner+Jahr).

Der Düsseldorfer Markenkonzern selbst hielt sich gestern zu den Motiven des Einstiegs bei Wella bedeckt. "Wir verfügen nun über ein Investment mit interessanten strategischen Optionen", sagte ein Henkel Henkel-Sprecher. habe stets versucht, mit Akquisitionen, die langfristig zum Unternehmen passten, das Wachstum aus eigener Kraft zu stützen. Die Wella-Aktien seien Henkel angeboten worden, betonte er. Doch gab es keine Auskunft zur Frage, ob das Paket von den Wella-Eigentümerfamilien stammt oder aus den 22 % der Aktien, die an der Börse gehandelt werden. Henkel habe die Aktien über einen längeren Zeitraum hinweg gekauft, hieß es bloß. Zum Preis wollte der Sprecher nichts sagen.

Henkel hatte Wella schon im vergangenen Jahr Avancen gemacht. Der Düsseldorfer Konzern war aber bei den Wella-Anteilseignern erfolglos geblieben. Der kolportierte Kaufpreis von 4 bis 5 Mrd. Euro war den Aktionären zu wenig. Nach Einschätzung von Analysten könnte Henkel aber mehr zahlen. "Dem Unternehmen stehen bis zu 7 Mrd. Euro für eine mögliche Großakquisition zur Verfügung", meint Sven Dopke, Analyst bei der Hamburger Warburg Bank. Inzwischen ist die Marktkapitalisierung von Wella auf 4,72 Mrd. Euro gestiegen.

An der Wella AG halten die vier Familienstämme Ströher, Sander, Pohl und Ebert 78 %. Hatten sie sich bislang geweigert, Anteile zu verkaufen, sollen sie jetzt abgabebereit sein. "Wir halten eine generelle Verkaufsbereitschaft der Wella-Familienstämme für unwahrscheinlich", entgegnet Analyst Dopke. Der Grund: Es müssten sich für die vier Familienzweige jeweils einzeln oder wieder zusammen eine besseres Investment mit mittel- und langfristigen Perspektiven eröffnen, als es das Wella selbst bietet. Der Darmstädter Shampoohersteller gilt als sehr gut aufgestellt. Wella-Chef Heiner Gürtler hat deshalb die Eigenständigkeit des Konzerns stets verteidigt.

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