Produkte aus China kommen wie eine Springflut über den Weltmarkt
Manager, produzierst du in China...

China soll seine Währung aufwerten, schimpfen die USA. Doch dass die Wirtschaft im Reich der Mitte boomt hat ganz andere Gründe, zeigt ein Besuch am Jangtse-Delta.

PEKING. Terukatsu Hayashi wirkt wie aus dem Ei gepellt. Der japanische Manager sitzt kerzengerade am langen dunklen Holztisch im runden Sitzungssaal des Handy-Komponentenherstellers Murata. Penibel ist sein schwarzes Haar nach hinten gekämmt, blütenweiß sein Hemd, streng seine Miene. Die knappe, militärisch-präzise Ausdrucksweise des etwa 50-Jährigen verrät, wie der Mann wohl die ganze Fabrik mit 1 300 chinesischen Beschäftigten führt: wie ein General im Belagerungszustand.

So kommt sich Hayashi auch vor. Der Mann ist gehetzt: "Wir haben seit 2001 Produktion und Umsatz zwar verdreifacht. Doch die Preise sinken jedes Jahr um 20 Prozent." Und so wird Murata seine Herstellungskapazitäten in den kommenden zwei Jahren nochmal um 150 Prozent erweitern. Hayashi kommt sich vor wie jemand, der hinter einem fahrenden Bus herrennt. So wie ihm geht es vielen in Wuxi, dem Sitz der Murata-Zentrale. Denn die Stadt mit ihren 4,3 Millionen Einwohnern im Jangtse- Delta ist das Epizentrum von Chinas viel bestauntem Boom.

150 Kilometer westlich von Schanghai fertigt Murata Keramikfilter für Autoradios, Schaltungen für Kühlschränke und Bauteile für Handys. Hier schrauben in fleckenfreie Blaumänner gehüllte Frauen Kühlschrankgehäuse zusammen, löten Bleche, stecken Silikonplättchen auf grüne Karten mit goldenen Streifen. Arbeitsame Stille. Nicht mal Blicke werden gewechselt. Die Augen sind auf den blank geputzten Boden gerichtet.

Weniger aufgeräumt wirkt Hayashi bei seinem Reizthema: Preisen. Sie bewegen sich wie ein Erdrutsch nach heftigem Regen, denn die großen Handyhersteller des Landes erzeugen eine massive Überproduktion. Hayashis Problem: Die Produzenten geben zwei Drittel des Preisverfalls an Zulieferer wie Murata weiter. Und da das Unternehmen mehr als zwei Drittel des Weltmarktes für einige Handy-Teile beherrscht, hat der Murata-Chef keine ruhige Minute mehr.

Bislang hat er ausreichend Spiel für die Senkung seiner Kosten: Die Arbeiter hier kommen aus inneren Provinzen Chinas, sie verdienen etwa 80 Euro im Monat. Ein Fabrikarbeiter mit der gleichen Aufgabe in Deutschland oder den USA würde das Dreißigfache bekommen oder mehr. "In Japan machen die Lohnkosten bei der Herstellung von Keramikfiltern 30 Prozent aus, hier sind es drei", sagt Hayashi trocken: "Das ist nicht zu schlagen."

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