Produkte, die in spezielle Anleihen mit höherer Rendite investieren
Fonds locken Anleger mit neuen Angeboten

Bislang ist der Markt für mit Forderungen unterlegten Anleihen ausschließlich für professionelle Investoren zugänglich. Privatanleger profitieren nur via Fonds von den höheren Renditen der Asset Backed Securities (ABS). Einige Investmenthäuser denken nun über lupenreine ABS-Fonds für Private nach.

FRANKFURT/M. Was für viele professionelle Anleger zum Alltag gehört, bleibt für die meisten Privaten unerreichbar: der lukrative Markt für mit Forderungen unterlegte Anleihen (ABS, s. Kasten), der gegenüber vergleichbaren Anlagen Extra-Renditen von 0,2 bis 2 Prozentpunkten hergibt - je nach Laufzeit und Risiko. Direkt haben private Anleger geringe Chancen, einen Anteil an verbrieften Kredit- oder Vermögensportfolios aus Immobilien (MBS), Autokrediten oder etwa Wertpapieren (CDO) zu erwerben. Zum einen betragen die Stückelungen oft mindestens hunderttausend Euro. Zum anderen sind Kundenberater in Banken in der Regel nicht auf ABS ausgerichtet. Privaten bleibt daher nur die Möglichkeit, indirekt über Fonds vom boomenden Verbriefungsmarkt zu profitieren. Meist werden diese Titel in kurzfristigen Geldmarktfonds eingesetzt, denn rund 90 % der ABS-Titel kommen variabel verzinst auf den Markt. Einige Fondshäuser wie Frankfurt Trust bieten auch Rentenfonds an, die einen Teil in ABS investieren.

Viele Geldmarktfonds mischen ihrem Portfolio verbriefte Forderungen bis zu 10 % des Fondsvermögens bei. Einige setzen sogar nahezu ausschließlich auf ABS: Der Euro-Geldmarkt Plus der Hypo-Vereinsbank - Tochter Activest etwa hat derzeit zu 90 % forderungsverbriefte Titel im Portfolio. Fondsmanager Ralph Ziefle kauft für den Fonds nur Titel mit Spitzenrating "AAA" aus breit diversifizierten Pools von Hypothekenkrediten oder Leasing- und Autokrediten. "ABS in Geldmarktfonds sind etwas für Kunden, die einen stabilen Ertrag bei wenig Volatilität wünschen", begründet Ziefle seine Wahl. In dieser Klasse niedrigen Risikos sei ein Renditeplus von bis zu 0,4 Prozentpunkten drin, sagt Markus Hammes von der Deutsche-Bank-Tochter DWS. Das Risiko-Rendite-Verhältnis der ABS im Vergleich zu variabel verzinsten Anleihen, Pfandbriefen oder Commercial Papers hält er für "sehr gut".

Die Rendite von Geldmarktfonds schießt aber durch ABS nicht zwingend in die Höhe: Der Euro-Geldmarkt-Plus von Activest liegt zwar mit 3,2 % Plus in den zwölf Monaten bis März 2003 im oberen Fünftel deutscher Geldmarktfonds. Mancher Fonds mit gewichtigem ABS-Anteil blieb sogar unterdurchschnittlich. Denn renditebestimmend für Geldmarktfonds sind auch die Restlaufzeiten der Fonds-Papiere.

Wer als Privater im langfristigen Bereich auf größere Renditesprünge durch ABS als Alternative zu Anleihefonds spekuliert, muss sich noch gedulden. Bislang bieten viele Fondshäuser in diesem Sektor reine ABS-Fonds nur für institutionelle Investoren an. Einige Fondsanbieter, wie die Commerzbank-Tochter Cominvest oder die Allianz-Dresdner-Tochter DIT, diskutieren die Auflage reiner ABS-Fonds für Private.

Zum einen böten ABS bessere Renditen gegenüber Rentenprodukten, sagt Stefan Lachhammer, Produktspezialist bei Cominvest. Bei noch passablen Bonitäten von "BBB" können bis zu 1,8 Prozentpunkte mehr als am Geldmarkt erreicht werden. Er sieht einen ABS-Fonds auch als Alternative zu den derzeit beliebten Immobilienfonds, deren Renditen geringer und Wertschwankungen höher seien. Auch sei das Ausfallrisiko gegenüber Firmenbonds geringer.

Doch es gibt einige Probleme zu lösen: ABS sind besonders unterhalb der "AAA-Tranchen" wenig liquide Papiere. Bei Publikumsfonds für Private kommt es aber zu unvorhergesehenen Zu- oder Abflüssen. Daher müssten solche ABS-Fonds einen ausreichenden Liquiditätspuffer haben. Gerlinde Schwab vom DIT stellt sich einen Anteil von mindestens 20 % liquiden Produkten im Fonds vor. Anleger müssten Verständnis dafür haben, dass das Geld eine Zeit lang im Fonds bleibe.

Ferner wollen manche die meist variabel verzinsten ABS-Titel bei längerfristig ausgerichteten Fonds über den Derivatemarkt in Festzinspapiere umwandeln (swappen), um einen festen Zinsertrag zu erhalten. Andere halten dies für schwierig. DWS-Mann Hammes sieht ABS eher als für Geldmarkt nahe Fonds geeignet: Das Swappen von Titeln, die mitunter unregelmäßig getilgt werden, könne schwierig und teuer werden, meint er. Außerdem sei der Markt in den schlechter bewerteten Tranchen noch zu illiquide, auch wenn der europäische ABS-Markt durch gutes zweistelliges Wachstum 2002 ein Volumen von knapp 350 Mrd. erreicht habe. Die DWS konzipiert laut Hammes gerade einen offenen geldmarktorientierten ABS-Fonds für professionelle Kunden.

Auszuloten bleibe ferner, ob der Privatanleger Interesse an einem so komplizierten Produkt habe, meint Rolf Drees, Sprecher von Union Investment. Fonds, die nur die sehr überwachungsintensiven ABS enthalten, dürften außerdem relativ teuer sein. Einig sind sich die Fondsexperten darüber, dass für ein derartiges Produkt gute Beratung nötig wäre.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%