Produkte "Made in China" überfluten die Welt
China-Aktien sind recht günstig bewertet

Die Volksrepublik ist kein sicherer Hafen für Anleger. Ineffizienz, Ertragsschwäche, Regulierungsrisiken und zweifelhafte Bilanzen setzen dem Kurspotenzial vieler Aktien Grenzen. Nur von sorgsam ausgewählten Einzelwerten erwarten Analysten Gewinne.

HONGKONG. Von den Konjunktursorgen, unter denen die Börsen weltweit leiden, ist in China wenig zu spüren: Ein Exportboom und milliardenschwere Investitionsprogramme ließen die Wirtschaft dort im 1. Halbjahr um 7,8 % expandieren. Damit dürfte das Land 2002 erneut Wachstumsweltmeister werden.

Das Grundproblem für Anleger, die an dem Wachstum Chinas teilhaben wollen: Zwischen der Palette börsennotierter Unternehmen und der Wirtschaftsstruktur gibt es eine erhebliche Diskrepanz. Von Telefonen bis Farbfernsehern überfluten Produkte "Made in China" die Welt. Die Ausfuhren explodierten im Juli trotz lahmender Weltkonjunktur um 28 %. Seit Januar stieg die Industrieproduktion um 12 %. Doch kaum eine der Firmen erscheint auf einem Kurszettel. Beide lässt die herrschende Kommunistische Partei nicht an die Börse.

Diese Kapitaltankstelle ist Staatkonzernen vorbehalten. Und deren Gewinnwachstum hinkt seit Jahren hinter dem Wirtschaftswachstum her. Jeannie Cheung macht dafür hohe Kostenstrukturen und Managementfehler verantwortlich, "oft fehlt auch der strategische Fokus", sagt die HSBC-Analystin. Relativ gesehen mache die robuste Konjunktur China-Werte zwar zu einem defensiven Investment. "Doch absolut gesehen dürfte die Kursentwicklung für den Rest des Jahres nicht berauschend sein", glaubt Cheung.

Über den richtigen Einstiegszeitpunkt sind Experten noch uneinig

UBS Warburg-Analyst Vincent Chan rät dagegen Anlegern zum Aufstocken. Nach der Kursrally Anfang 2002 sind viele Aktien eingebrochen. "Diese Verkaufswelle war unberechtigt", sagt Chan, "die Bewertungen sind sehr günstig". Sollte die Konjunktur bei dem wichtigen Exportkunden USA erlahmen, bekäme China dies zwar zu spüren. Doch würden die erheblichen Kostenvorteile China vor harten Absatzeinbußen schützen. "Die Kurse von 80 % aller China-Werte preisen derzeit langfristige Gewinnrückgänge ein", rechnet Chan vor. Doch sei das Ausmaß der Kursabschläge übertrieben; vielen Aktien gibt er ein Kurspotenzial von 20 bis 30 %.

Lawrence Ang sieht hingegen keine Kaufkurse. "Defensiv bleiben", rät der Analyst der Deutschen Bank, "der Markt wird weiter fallen". An einen breiten Einstieg würde er erst denken, wenn die Kurse um weitere 10 bis 15 % abgerutscht sind. Ang sieht keine Schnäppchen, aber viele Risiken. Dazu zählt er die US-Konjunktur, deren Abflauen China durchaus belasten könne, die neuerlichen Spannungen zwischen der Volksrepublik und Taiwan und die andauernde Unsicherheit über den Wechsel in der Staats- und Parteiführung, der im November ansteht. "Da können eine Reihe von Überraschungen passieren", warnt Ang.

Analyst: Exportwerte bevorzugen

Einzelnen Aktien traut er dennoch viel zu. Wer Exportwerte sucht, dem rät er zur Reederei Cosco. Am besten gefallen ihm jedoch Konsumtitel wie Chinas größter Brauer, Tsingtao, oder der Lebensmittelkonzern Tingyi. Das größte Kurspotenzial traut Ang Autoaktien wie Denway und Qingling Motors zu. Deren Absatz boomt, doch die Kurse sind aus Furcht vor einem Preiskrieg und einer Flut von Importen nach Chinas WTO-Beitritt in die Knie gegangen. Doch Ang glaubt, dass die erzielten Effizienzsteigerungen vom Markt bald honoriert werden. Kostenkontrolle ist auch für HSBC-Analystin Cheung ein zentrales Auswahlkriterium. Das größte Kurspotenzial sieht sie bei Tsingtao, dem Versorger Huaneng Power und dem Öl-Riesen CNOOC. Außerdem empfiehlt sie zwei Nebenwerte, mit denen sich Anleger in Chinas Exportboom einkaufen können: Den Monitor-Hersteller TPV und den TV-Geräte-Produzenten Skyworth.

Quelle: Handelsblatt
Oliver Müller
Handelsblatt / Korrespondent
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