Produkte ohne Gütesiegel gelten als nur schwer verkäuflich
Könner gefragt

Fonds-Bewertungen helfen Anlegern bei der Auswahl, sollten aber erst am Ende der Investitionsentscheidung zu Rate gezogen werden.

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nallharte Fragen statt Scampis und Cocktails: Wenn Unternehmenschefs zu Grillpartys eingeladen werden, geht es nicht um kulinarische Genüsse. Analysten und Fondsmanager nehmen die Vorstände in die Mangel, um Aufschluss über Chancen und Risiken der jeweiligen Aktie der Gesellschaft zu erhalten - im Branchenjargon heißt es, die Vorstände werden "gegrillt". Zurzeit müssen sich auch immer mehr Fondsmanager selbst einem solchen Prozedere unterziehen. Die Bewertungsagentur Standard & Poor?s (S&P) versucht dabei in Erfahrung zu bringen, wie gut ein Investmentfonds gemanagt ist. Das Ergebnis des Gesprächs ist dann eins von mehreren Elementen, die schließlich in einer Note für den betreffenden Fonds münden.

In den angelsächsischen Ländern ist das "Rating" von Fonds schon lange üblich. Analysegesellschaften wollen mit unterschiedlichen Konzepten seit kurzem auch hier zu Lande Klarheit in das mittlerweile unübersichtliche Angebot der über 5 000 in Deutschland zugelassenen Investmentfonds bringen. Die Fondsgesellschaften stehen dem positiv gegenüber. Eine Auszeichnung durch unabhängige Agenturen ist für sie ein Wettbewerbsvorteil - gerade in Zeiten, in denen die Branche erstmals unter Mittelabflüssen leidet. Doch bringt der Notenkult auch etwas für den Privatanleger?

Zunächst ist es wichtig zu wissen, wie die Ratings zu Stande kommen. Die drei großen in Deutschland tätigen Ratingagenturen Standard & Poor?s, Feri Trust und Morningstar konzentrieren sich bei ihrer Bewertung vor allem auf vorhandenes Datenmaterial: Wie hat der Fonds in der Vergangenheit abgeschnitten? Wie groß waren die Wertschwankungen? Kern dieses so genannten quantitativen Ansatzes: Je größer die kontinuierlichen Wertzuwächse und je kleiner die Abweichungen von der durchschnittlich, über einen längeren Zeitraum erzielten Rendite, umso besser das Ergebnis. Dabei muss sich jeder Investor klar sein: Daten aus der Vergangenheit liefern keine Aussage über die zukünftige Entwicklung des Fonds. Außerdem sind die Bewertungen in der Regel relativ zu verstehen: Sie treffen eine Aussage über den getesteten Fonds im Vergleich zu Produkten, die denselben Anlageschwerpunkt haben. Ein Fonds kann daher gut abschneiden, auch wenn er absolut gesehen im Minus liegt - die Konkurrenz hat eben noch mehr Verluste eingefahren. Das ist wie bei Noten in der Schule: Wenn die ganze Klasse eine Klausur in den Sand setzt, wird eine weniger miese Arbeit vergleichsweise gut bewertet.

Neben dem vorwiegend auf der statistischen Analyse basierenden Ansatz hat Standard & Poor?s noch ein zweites Ratingkonzept eingeführt. Dabei spielen auch die eingangs beschriebenen Interviews eine wichtige Rolle. Die S&P-Experten bilden sich dabei eine Meinung über die Fähigkeit des Fondsmanagements, die neben den reinen Perfomance-Daten in das Urteil einfließt. Ergebnis des Analyseprozesses sind die Ratingnoten AAA bis A und ein zweiseitiger Bericht, der auch im Internet veröffentlicht wird. Dieses Rating muss die bewertete Investmentgesellschaft allerdings selbst bezahlen. Kritiker hegen dabei den Zweifel, dass durch dieses Verfahren die Unabhängigkeit in Gefahr geraten kann. Schließlich würden viele negative Urteile letztlich nicht unbedingt neue Aufträge nach sich ziehen.

Doch bei der qualitativen Analyse bestreitet S&P potenzielle Interessenskonflikte und verweist auf den messbaren Erfolg der Tätigkeit: "70 Prozent der gerateten Fonds haben in den Folgejahren überdurchschnittliche Ergebnisse in ihrer Anlageklasse erzielt", sagt James Tew, Analyse-Chef für Europa.

Die Konkurrenz verdient ihr Geld mit anderen Geschäftsmodellen: Feri Trust betreibt Vermögensverwaltung. Ebenso wie Morningstar verkauft die Gesellschaft ihre Datenbanken und Inhalte dazu noch an andere Kunden. Die Ratings der Fonds werden unabhängig von Aufträgen durch die Fondsgesellschaften vorgenommen. Dies ist bei der rein quantitativen Analyse auch bei S&P der Fall.

Allein auf Ratings sollte sich allerdings kein Anleger verlassen, sagt Hans-Theo Burtscheidt, Produktmanager der Dresdner Bank. Denn zu 80 Prozent werde die Performance von der richtigen Wahl der Anlageklassen bestimmt, also der grundsätzlichen Überlegung, ob man zum Beispiel in Renten investiert oder sich auf dem Aktienmarkt engagiert. Erst in einem zweiten Schritt seien Rating-Kennziffern eine Ergänzung. "Die Noten bieten eine interessante Zusatzinformation, die auch Profis nutzen", sagt Iris Albrecht von der fondsbasierten Vermögensverwaltung PEH Fonds AG. -Kapital

Die wachsende Konkurrenz auf dem Ratingmarkt hat dabei ihre Vorteile: Versehen gleich mehrere Gesellschaften einen Fonds mit guten Noten, kann das einen wertvollen Hinweis darauf geben, dass der Fonds sein Geld auch wert ist. Doch auch bei Fonds, die von mehreren Analysehäusern mit vielen Sternchen geschmückt werden, sollten sich Anleger darüber klar sein, dass dies keinen Aufschluss darüber gibt, wie aussichtsreich es gerade jetzt ist, mit Hilfe des Fonds in den zu Grunde liegenden Markt zu investieren. "Ratings bieten eine Orientierung im Fondsdschungel - sind jedoch keine unmittelbare Kaufempfehlung", sagt Experte Jens Kummer von der SEB.

Ratings erfassen normalerweise auch nur Produkte, die schon eine bestimmte Zeit am Markt sind.Trotzdem wird die Bedeutung der Testergebnisse in Zukunft wachsen. In den USA orientieren sich die Anleger schon heute bei ihren Käufen weitgehend an den "Top-Listen" und Sternchen der Rating-Agenturen. Produkte ohne Gütesiegel gelten als nur schwer verkäuflich.

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