Produktion ab August
Großraum-Airbus startet in schwieriger Zeit

Der Großraum-Airbus A380 rollt an den Start. Auf dem Airbus-Werksgelände in Hamburg-Finkenwerder wird an diesem Mittwoch (21.5.) die erste von drei großen Produktionshallen für den Super-Flieger offiziell übergeben.

HB/dpa HAMBURG. Bundeskanzler Gerhard Schröder reist eigens an, um einige Worte zur Eröffnung der Fabrikhalle zu sprechen - schließlich ist das Milliardenprojekt eine der wenigen größeren industriellen Investitionen in Deutschland. Der große Bahnhof kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der A380 in schwieriger Zeit startet.

Die internationale Luftfahrtindustrie wird durch Terroranschläge, Tourismuskrise, schwache Konjunktur und die Lungenkrankheit SARS gebeutelt. "Wir stehen am Anfang einer tiefen Krise", sagt der deutsche Airbus-Chef Gerhard Puttfarcken. Zwar sind die Airbus - Auftragsbücher noch gut gefüllt, aber die Auslieferungen gehen zurück. Nach einer Airbus-Prognose werden in diesem Jahr weltweit nur 600 Flugzeuge ausgeliefert, während es im Jahr 1999 noch mehr als 900 waren. Vorsorglich hat die Airbus-Geschäftsführung mit Betriebsrat und IG Metall ausgefeilte Arbeitszeit-Modelle ausgetüftelt, um ihr qualifiziertes Personal in der Krise nicht entlassen zu müssen.

Den Fahrplan für den A380 mit seinen 555 Sitzplätzen will Airbus dennoch ohne Abstriche einhalten. "Das Projekt ist so groß, dass wir es nicht je nach Konjunkturlage stoppen und wieder anschieben können", sagt Puttfarcken. Für das nach Airbus-Eigenwerbung "fortschrittlichste, geräumigste und effizienteste Flugzeug aller Zeiten" liegen bislang 103 Bestellungen von zehn Fluglinien vor. Im Jahr 2005 soll der A380 zu seinem Jungfernflug abheben und im Jahr 2006 im kommerziellen Verkehr fliegen. Jedes Jahr will Airbus 48 Flugzeugriesen bauen, die teils in Hamburg und teils im französischen Toulouse an die Kunden übergeben werden.

"Wenn die Entscheidung für den A380 vor dem Hintergrund der heutigen Situation zu treffen wäre, würde sie vielleicht genauso ausfallen, aber nur mit erheblichen Bauchschmerzen", meint der Luftfahrt-Analyst Ulrich Horstmann von der Bayerischen Landesbank in München. Der A380 ist besonders für den Asien-Verkehr ausgelegt, und der hat wegen SARS mit den stärksten Einbrüchen zu kämpfen.

Rein juristisch ist das umstrittene Projekt noch nicht in trockenen Tüchern. Nach einem erstinstanzlichen Urteil des Hamburger Verwaltungsgerichts gibt es keine gültige Planungsgrundlage. Niemand in der Hansestadt rechnet jedoch damit, dass ein Gericht den Abriss der Produktionshallen anordnen könnte. Um Platz für die Fabrikhallen zu schaffen, legte die Stadt Hamburg 140 Hektar der Elbbucht Mühlenberger Loch trocken. Für das gigantische Projekt wurden elf Millionen Kubikmeter Sand eingebracht, 1200 Meter Stahlspundwand gebaut und ein neuer Deich von 2,5 Kilometern Länge errichtet.

Die Gegner des A380 bezweifeln nach wie vor, dass sich die Airbus - Erweiterung angesichts der hohen Kosten für die öffentliche Hand überhaupt rechnet und nach Recht und Gesetz abgewickelt wurde.

Dagegen stehen 2000 neue Arbeitsplätze bei Airbus und 2000 weitere bei Zulieferern und Dienstleistern sowie die Hoffnung, dass sich der Großraum Hamburg zu einem weltweit bedeutenden Standort der Luftfahrt-Industrie weiterentwickelt. Die eigentliche Produktion soll zwar erst im August beginnen, doch habe der A380 schon heute 800 neue Jobs geschaffen, heißt es bei Airbus.

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