Produktion im ersten Halbjahr gestiegen
Chemieindustrie spürt leichte Konjunkturbelebung

Die deutsche Chemieindustrie sieht wieder erste Zeichen einer zaghaften Konjunkturbelebung. Nach Einschätzung ihres Dachverbandes rechnet die Chemie für dieses Jahr nun mit besseren Umsatz- und Produktionszahlen als noch vor Monaten, wartet aber noch auf die durchgreifende Wende.

rtr FRANKFURT. Für 2002 sei nunmehr mit einem Umsatz auf Vorjahresniveau und einem Produktionsanstieg von zwei Prozent zu rechnen, teilte der Verband der Chemischen Industrie (VCI) hat am Mittwoch in Frankfurt mit. Noch im März wurde von einem zweiprozentigen Umsatzrückgang und einem geringeren Produktionsanstieg von einem halben Prozent ausgegangen. "Diese Prognose ist zwar deutlich optimistischer als vor einem halben Jahr, aber die chemische Industrie würde damit immer noch unter dem Produktionsniveau des Jahres 2000 liegen", sagte VCI-Präsident Wilhelm Simson. Der Aufschwung komme wohl zu spät und mit zu schwacher Dynamik, um noch in diesem Jahr hohe Wachstumsraten zu ermöglichen.

Stimmung hellt sich auf

Seit einigen Monaten würden die Zahlen und auch die Stimmung besser, sagte der Verbandspräsident. "Aber nach dem starken Einbruch im vergangenen Jahr läuft das Geschäft in weiten Teilen unserer Branche noch längst nicht gut", schränkte er ein. Die Chemieindustrie warte wie andere Industriezweige noch auf eine kräftige Belebung der Weltwirtschaft. Die Unternehmen lebten derzeit überwiegend vom Prinzip Hoffnung. Gleichwohl sei von einer Erholung der Konjunktur im zweiten Halbjahr auszugehen. Bei den Erzeugerpreisen rechne der Dachverband nunmehr mit einem Rückgang von einem Prozent. Zuvor hatte der VCI im März ein Minus von zwei Prozent für 2002 prognostiziert.

Seit März stiegen die Erzeugerpreise wieder, vor allem wegen anziehender Ölpreise, sagte Simson. Im Halbjahr hätten sie aber noch um 2,5 % unter Vorjahresniveau gelegen. Niedrige Erzeugerpreise und steigende Rohstoffkosten setzten die Gewinnmargen der Unternehmen in der Branche unter Druck.

Starker Euro mit unterschiedlichen Auswirkungen

Die Erholung des Euro komme eigentlich zu einem etwas ungünstigen Zeitpunkt, sagte der VCI-Chef. "Die sich abzeichnende Parität zwischen Euro und Dollar beeinträchtigt die Preiskomponente unserer Wettbewerbsfähigkeit", begründete er. Im Gegensatz zu anderen Branche profitiere die Chemie aber auch von der Euro-Kurserholung, da ein großer Teil der Vorleistungsgüter - vor allem das Rohöl - in Dollar fakturiert würden. Zudem habe die Mehrheit der Firmen mit einer Kurserholung gerechnet und sich auch zum Teil entsprechend abgesichert. "Längerfristig könnte eine höherer Euro-Kurs die Investitionen in Europa stärken und auch die Binnennachfrage etwas ankurbeln."

Produktion im ersten Halbjahr gestiegen

Im ersten Halbjahr konnte die Chemiebranche ihre Produktion im Vorjahresvergleich um ein Prozent erhöhen. Kunden aus den weiterverarbeitenden Industriezweigen hätten unter dem Eindruck des schlechten Konjunkturausblicks Ende 2001 ihre Lager weitgehend abgebaut, teilte der VCI mit. Vorprodukte hätten wieder zugekauft werden müssen. Über die Auffüllung der Lager hinaus sei die Nachfrage nach Chemieerzeugnissen aber gering geblieben. Im ersten Halbjahr setzte die Chemiebranche 4,5 % weniger um als im Vorjahreszeitraum. Allerdings seien die Umsätze in den vergangenen Monaten wieder etwas gestiegen. "Das Auslandsgeschäft entwickelte sich besser als die Binnennachfrage und das bei steigendem Euro-Kurs", sagte Simson. Insgesamt lag der Auslandsumsatz aber noch um 3,0 % unter dem Vorjahresniveau, der Inlandsumsatz sank um 6,5 %.

Analysten warten auf das dritte Quartal

Zwar seien die Erzeugerpreise weiter rückläufig, aber die Margen hätten sich im zweiten Quartal etwas verbessert, merkte Ludger Mues von der Investmentbank Sal Oppenheim an. Für die kommende Berichtssaison der Unternehmen sei jedoch noch nicht mit höheren Ergebnissen zu rechnen. "Wir gehen davon aus, dass im zweiten Quartal die Ergebnisse noch weiter unter Vorjahresniveau liegen werden," schätzte er. Ab dem dritten Quartal gehe Mues dann aber von Ergebnissen über Vorjahr aus.

Die Aktien großer deutscher Chemieunternehmen zeigten bis zum Mittwochnachmittag unterschiedliche Kursverläufe. Die BASF-Aktie büßte rund 0,3 % auf 45,90 ? ein, Bayer zogen dagegen um 0,25 % auf 32,55 ? an, Degussa tendierten nahezu unverändert bei rund 36,90 ?. Unterdessen lag der Dow Jones-Chemieindex für die europäischen Chemiewerte 0,14 % im Minus bei 284 Punkten.

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