Produktion von Kraftfahrzeugen geht im März um 17 Prozent zurück
Autofrühling lässt auf sich warten

Der von den meisten Herstellern erhoffte Autofrühling ist im März ausgeblieben. Die Zahl der Neuzulassungen in Deutschland schrumpft, selbst im bislang stabilen Auslandsgeschäft lässt die Nachfrage nach. VDA-Präsident Gottschalk bekräftigt dennoch die Jahresprognose und rechnet vorerst mit konstanter Beschäftigung.

zel MÜNCHEN. Die Manager der deutschen Automobilkonzerne können noch nicht aufatmen. "Es gibt keine durchgreifende Belebung des Marktes", sagte Bernd Gottschalk, Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), gestern in München auf einer Automobil-Fachtagung des Handelsblatts. Potenzielle Autokäufer sind nach Einschätzung Gottschalks sehr verunsichert. Dies sei zuletzt durch den Konflikt im Nahen Osten und damit verbundene mögliche Auswirkungen auf die Ölversorgung zusätzlich verstärkt worden.

Anlass für die Zurückhaltung beim VDA sind die jüngsten Zulassungszahlen für den deutschen Markt: Im März ist die Gesamtzahl neuer Kraftfahrzeuge auf Deutschlands Straßen im Vergleich zum Vorjahresmonat um gut 8 % geschrumpft. Gottschalks einziger Trost: Wegen der frühen Osterfeiertage und den damit verbundenen Arbeitspausen musste der März-Absatz im Vergleich zum Vorjahr zwangsläufig zurückgehen. Jetzt setzt der Verband der Automobilindustrie darauf, dass der Monat April ein besseres Verkaufsergebnis zeigen wird.

Unerfreulich ist aus VDA-Sicht zudem die Lage im Ausland. In den vergangenen zwei Jahren war die Ausfuhr stets ein Ausgleich für die schon damals schwache Nachfrage. Nach Angaben Gottschalks ist der Export insgesamt im März um 16 % gefallen - ein extremer Wert für die im Ausland erfolgsverwöhnten deutschen Hersteller. Besonders problematisch zeigte sich der Verkauf auf der europäischen Südschiene: Sowohl in Spanien als auch in Italien sind die Verkaufszahlen dramatisch gefallen.

Da sowohl der Inlands- als auch der Auslandsabsatz stark geschrumpft ist, mussten die deutschen Automobilhersteller im März ihre Produktionszahlen deutlich herunterfahren. Um gut 17 % ist die Fertigung von Pkw und Nutzfahrzeugen im vergangenen Monat zurückgegangen.

Gottschalk verbreitet trotzdem Optimismus in Sachen Stellenabbau: Nur arg gebeutelte Lkw-Produzenten wie MAN und Daimler-Chrysler kämen wohl nicht darum herum, Jobs einzusparen. In der Pkw-Fertigung sei nicht mit ähnlich drastischen Schritten zu rechnen. "Die Autoindustrie hat frühzeitig gelernt", sagte Gottschalk. Mit flexiblen Arbeitszeitkorridoren sei es gelungen, massiven Stellenabbau zu vermeiden.

Für die kommenden Monate rechnet Gottschalk mit konstanter Beschäftigung in der deutschen Automobilindustrie. Allerdings appellierte er an die Tarifparteien, in der laufenden Lohnrunde verstärkt über zusätzliche Schritte zur Flexibilisierung der Arbeitszeiten nachzudenken.

Bekämen die Unternehmen dabei erweiterten Spielraum, ließen sich Entlassungen vermeiden, wenn es doch zu anhaltend größeren Nachfrageeinbrüchen kommen sollte und die Absatzbelebung ausbliebe.

Von der schwachen Nachfrage auf dem deutschen Markt sind inzwischen praktisch alle Konzerne betroffen. So melden auch die bislang von der Absatzkrise verschonten Hersteller von Premiummarken für März schrumpfenden Fahrzeugabsatz. Für Autos der Marke BMW steht auf dem deutschen Markt für März ein Minus von 1,6 % in den Büchern.

BMW-Entwicklungsvorstand Burkhard Göschel sieht allerdings keinen Grund zur Sorge, da der Münchener Hersteller von der Absatzdelle im Ausland verschont blieb. "Die Kapazitäten sind bis ans Ende ausgelastet", sagte er gestern auf der Handelsblatt-Tagung in München. BMW könnte schon jetzt gut das neue Werk in Leipzig gebrauchen, das erst in zwei Jahren produzieren wird. Skeptisch betrachtet der Ingolstädter Automobilhersteller Audi die Lage in Deutschland: "Wir können noch froh sein, wenn wir in diesem Jahr genauso viele Autos wie im Vorjahr verkaufen werden", sagte ein Aufsichtsratsmitglied des Konzerns.

Trotz der schlechten März-Zahlen rechnet sich VDA-Präsident Gottschalk immer noch gute Chancen auf eine Belebung während der nächsten Monate aus. Der Frühsommer werde zur Bewährungsprobe für die deutsche Automobilbranche. Gottschalk hält unverändert an seiner Prognose fest, dass in diesem Jahr zwischen 3,2 und 3,3 Mill. neuer Pkw auf Deutschlands Straßen zugelassen werden. Das würde dann immerhin dem Ergebnis von 2001 entsprechen und keinen Rückgang mehr bedeuten.

Während der vorangegangenen zwei Jahre war der Pkw-Absatz in Deutschland geschrumpft. Absatzschwankungen ließen sich allerdings nicht völlig vermeiden. "Wir bleiben eine zyklische Industrie", sagte Gottschalk.

Quelle: Handelsblatt

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