Produktionsquoten der Opec und hohe Energiesteuern bremsen Weltkonjunktur
Kommentar: Voraussetzungen für sinkende Ölpreise sind gegeben

D ie lahmende Weltkonjunktur hat das Wachstum der internationalen Energienachfrage stark gebremst. Bei der weltweit mit Abstand am meisten gehandelten Primärenergie Öl sind die prognostizierten Absatzzuwächse im laufenden Jahr immer mehr nach unten korrigiert worden. Mittlerweile wird beim Weltölverbrauch nur noch ein ganz geringfügiges Wachstum unterstellt. Dennoch sind die internationalen Rohölnotierungen bisher noch nicht eingebrochen.

Dabei haben die nach wie vor relativ hohen Erdöl- und Energiepreise dazu geführt, dass die Investitionen zum Aufschluss neuer Energievorräte stark angezogen haben. In diesem und im nächsten Jahr könnte die Steigerungsrate der globalen Öl- und Gasinvestitionen immerhin im Bereich von jeweils 20 Prozent liegen. Die Kapazitätsüberschüsse wachsen beträchtlich. Die ungenutzten Angebotsreserven belaufen sich bei den Mitgliedern der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) bereits auf mehr als ein Fünftel. Im Kartelllager ist es bisher aber gelungen, einen unkoordinierten Wettlauf um mehr Marktanteile zu verhindern. Durch bereits drei Produktionsdrosselungen im laufenden Jahr ist das Ölangebot erfolgreich verknappt worden.

Erstmals seit anderthalb Jahrzehnten ist es dem Ölanbieterkartell gelungen, einen Einbruch der Ölpreise trotz beinahe stagnierender Weltölnachfrage zu verhindern. In den nächsten Monaten drücken jedoch weitere kartellungebundene Kapazitätsreserven in den Markt. Die von der Opec angepeilte Stabilisierung der Erdölpreise im Bereich von 25 Dollar je Barrel (159 Liter) wird nur dann gelingen, wenn die wichtigsten Kartellmitglieder sich mit einer Auslastung ihrer Förderkapazitäten von 70 bis 80 Prozent zufrieden geben. Kurzfristig wird der nur schwach wachsende Weltölkonsum gerade einmal ausreichen, um die stark steigenden Non-Opec-Produktionsmengen aufzusaugen.

Bislang hoffen die elf Opec-Staaten darauf, dass es nur zu einer kurzfristigen Verschnaufpause beim globalen Ölwachstum kommen wird. Diese Hoffnung könnte sich jedoch als trügerisch erweisen; denn Erdölpreise im Bereich der 25-Dollar-Marke sind für die besonders ölhungrigen Entwicklungsländer viel zu hoch.

Sollte darüber hinaus Asien als Ölwachstumsregion Nummer eins weiterhin an konjunkturellem Schwung verlieren, könnte die Weltölnachfrage vorübergehend sogar stagnieren. Leichten Zuwächsen in den USA stünden dann Verbrauchsrückgänge in Europa gegenüber. Gleichzeitig ist aber sicher, dass die Ölförderbeiträge aus kartellungebundenen Regionen wie dem Kaspischen Meer in den nächsten Jahren eher überdurchschnittlich steigen werden.

Selbst für die Nordsee, wo eigentlich bereits kurz- bis mittelfristig Einbußen programmiert schienen, besteht wieder größerer Optimismus, weil neue Funde getätigt wurden. Darüber hinaus zeichnen sich in den nächsten Jahren erhebliche Zuwächse im Offshore-Bereich Afrikas und Amerikas ab. Vor allem im Golf von Mexiko sehen die Produktionsaussichten nachhaltig günstig aus.

Die Schlagkraft des Ölanbieterkartells birgt Risiken

Schließlich müssen die Opec-Staaten auch berücksichtigen, dass das Erdgas weiter kräftig an Bedeutung gewinnt. In den Planungen der führenden Weltenergiegesellschaften kommt diesem Energieträger eine immer größere Bedeutung zu. Erdgas wird schon bald den Energieträger Kohle überholen und auf Rang zwei in der Primärenergiebilanz der Welt vorrücken. Der Abstand zur Nummer eins, dem Öl, wird sich schon in dieser Dekade deutlich verringern. Gerade auch in Asien planen führende Energiekonzerne wie Gazprom, Exxon, Shell und BP eine beschleunigte Expansion des kohlendioxid- (CO2)-armen Erdgases. Außerdem setzen wichtige Opec-Staaten wie Saudi-Arabien auf den dynamischen Ausbau von Erdgasförderkapazitäten.

Die zuletzt wieder wesentlich verbesserte Schlagkraft des Ölanbieterkartells birgt somit erhebliche Risiken, und zwar sowohl für die Weltkonjunktur als auch für die Absatzpositionen des Öls. Wenn die Opec ihr Preisziel von 25 Dollar weiter verteidigt, sorgt sie für relativ hohe Energiepreise und gefährdet damit eine Erholung der Weltkonjunktur.

Allerdings tragen die Regierungen der Industrieländer Mitschuld. Statt die Öl- und Energiesteuern immer weiter zu erhöhen, sollte gerade die Bundesregierung die Möglichkeiten steuerlicher Entlastungen prüfen. Die Schwefelsteuer und die nächste Stufe der Ökosteuer werden aber bis Anfang des nächsten Jahres für eine weitere Verteuerung des Benzins von zehn Pfennig je Liter sorgen. Schon heute macht die staatliche Abschöpfung mehr als 70 Prozent aus.

Damit wird jedoch auch die Autokonjunktur negativ betroffen. Erst wenn die im Überfluss vorhandenen Energiekapazitäten nicht mehr durch kartellierte Produktionsquoten oder Steueraufschläge als weltwirtschafticher Entlastungsfaktor gebremst werden, sondern zu einer breit angelegten Energieverbilligung führen, wird sich das gesamtwirtschaftliche Klima nachhaltig verbessern.

Preistreibende Angebotsüberschüsse werden bald in den Markt drängen.

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