Produktivität der Branche soll 2001 weiter steigen
Weitere Ost-West-Angleichung in der Textilindustrie gefordert

Die ostdeutschen Textilarbeiter erwarten eine "deutliche Angleichung" ihrer Löhne und Gehälter an das Westniveau. Das unterstrichen Betriebsräte und die Gewerkschaft IG-Metall am Samstag in Leipzig zum Auftakt der Tarifrunde für die ostdeutsche Textilindustrie.

ddp LEIPZIG. "Es kann nicht sein, dass es zehn Jahre nach der Wende noch immer eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Arbeitswelt dieser Republik gibt", betonte der Vorsitzende der Gewerkschaft, Klaus Zwickel, auf der Auftaktveranstaltung. Derzeit bekomme jeder der 18 500 Beschäftigten in der ostdeutschen Textilindustrie brutto 16 000 DM weniger Lohn pro Jahr als ihre Kollegen im Westen, obwohl sie pro Woche drei Stunden länger arbeiteten. Die IG Metall hat daher die Lohn- und Gehaltstarifverträge für die Beschäftigten der ostdeutschen Branche zum 31. Oktober gekündigt. Am 27. September sollen in Chemnitz die Verhandlungen über neue Verträge beginnen.

"Boomregion der Textilindustrie"

Die neuen Bundesländer sind "die Boomregion der Textilindustrie in Europa", sagte Zwickel. Die Textilproduktion in Ostdeutschland habe sich seit 1995 um rund 55 % erhöht, die Investitionsquote sei doppelt so hoch wie in den alten Bundesländern, der Exportzuwachs dreimal so stark und die Umsatzsteigerung viermal so hoch. Die Bezahlung habe aber diesen Aufschwung nicht mitgemacht, kritisierte der IG-Metall-Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen, Hasso Düvel. Die Einkommen lägen derzeit nur bei 58 % des Westniveaus. Eine deutliche Angleichung der Löhne an das Westniveau sei damit angesichts der Wirtschaftslage dieser »Boom-Branche in den neuen Ländern ein "Gebot wirtschaftlicher Vernunft", hob Düvel hervor.

Die Voraussetzungen für eine Angleichung der Arbeits- und Einkommensbedingungen bewertet Zwickel als günstig. Die IG Metall verweist auf Untersuchungen von Wirtschaftsexperten, wonach die Produktivität der Textilindustrie im Osten im vergangenen Jahr um 400 % gestiegen ist. Für 2001 werde ein Zuwachs von sieben Prozent erwartet, mehr als doppelt so viel wie in den alten Ländern.

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