Produktivität der Werke in Europa ist kräftig gestiegen
Konsumschwäche trifft auch Sony

Der japanische Elektronik-Multi Sony richtet sich in Europa auf geringere Umsatzzuwächse als im Vorjahr ein. Die allgemein schlechtere Konjunktur brachte von April bis Juni ein Umsatzminus. Mit neuen digitalen Produkten soll das Geschäft wieder angekurbelt werden.

BERLIN. Die allgemeine Konsumschwäche hat jetzt auch Sony-Europa erreicht. "Der Konsum bricht drastisch ein", sagt Otto Zich, Vorsitzender der Geschäftsführung der Sony Europe GmbH im Gespräch mit dem Handelsblatt. Im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2001/02 (April bis Juni) verbuchte Sony in Europa einen Umsatz von 2,9 Mrd. Euro, das ist ein Rückgang von 7,7 Prozent gegenüber dem allerdings sehr guten ersten Quartal des Vorjahres. Sony spürt die Schwäche vor allem bei den Zulieferungen für den Telekom-Bereich und auch beim Absatz seines Computers Vaio. Dagegen laufe das Geschäft der Bereiche Audio und Video gut und hier besonders die digitalen Camcorder.

Wegen der schwachen Konjunktur wagt Zich keine Prognose für das Gesamtjahr. "Es ist alles reine Psychologie", betont der Österreicher Zich, der seit Juli 1999 das Elektronik-Geschäft von Sony in Europa leitet. Der Verbraucher werde durch schlechte Nachrichten verunsichert und halte sich bei Konsumausgaben zurück.

Der Umsatzrückgang hat sich auch auf den Gewinn des Unternehmens ausgewirkt. Zich nennt jedoch keine genauen Zahlen. Die Höhe des Vorjahres werde aber nicht erreicht. Damals sei der Gewinn noch stärker als der Umsatz gestiegen. Und der Umsatz kletterte im Geschäftsjahr 2000/01 um beachtliche 15,4 Prozent auf 14,9 Mrd. Euro. Besonders stolz ist Zich auf das Plus von 22 Prozent auf 10,4 Mrd. Euro im Bereich der Unterhaltungselektronik, den er selbst verantwortet.

700 000 defekte Handys mussten zurück gerufen werden

Von Katastrophen wie der teuren Rückrufaktion von defekten Handys ist Zich nicht betroffen worden. In Japan hat Sony im Frühjahr rund 700 000 Handys wegen eines Softwarefehlers und defekter Batterien zurückgerufen, was 106 Mill. $ kostete und einer der Hauptgründe für das schlechte Abschneiden des Konzerns im ersten Quartal war. Dies betraf zum Glück für den Europa-Chef aber nur Japan.

Zich begründet den Gewinnanstieg des vergangenen Jahres in Europa vor allem mit der verbesserten Produktivität. Sie stieg in zwei Jahren um 56 Prozent. "Alle sieben Produktionsstandorte in Europa arbeiten mit Gewinn", betont Zich. Die Zahl der Beschäftigten hat Sony seit 1998 in Europa um 9,3 Prozent auf 15 000 Personen gesenkt.

Die beiden Werke für die Montage von Audiobändern im französischen Bayonne und in Rovereto in Italien wurden an ein holländisches Konsortium verkauft, liefern aber weiter an Sony. Den durch den hohen Pfundkurs teuren britischen Standort in Wales hat Zich so umgerüstet, dass er weitgehend für den britischen Markt arbeitet, um Währungsverluste zu vermeiden. Dafür wurde die Produktion von Fernsehern im Werk Barcelona und in Trnava in der Slowakei aufgestockt. Die beiden Werke in Ungarn und der Slowakei liefern in großem Umfang nach Westeuropa.

Mit einem Marktanteil von 20,1 Prozent sieht sich Sony in der Unterhaltungselektronik in Europa als klarer Marktführer vor Philips. Dies gelte auch in Deutschland, wo der Wert mit 16,6 Prozent allerdings am Schluss der europäischen Skala liegt. Zich erklärt die relativ schwache Position mit der starken Konkurrenz heimischer Anbieter wie Grundig und Loewe.

Die besten Werte erzielt Sony bei Camcordern. Hier vereinigt der Konzern mit einem Marktanteil von 45,5 Prozent fast die Hälfte des Marktes auf sich. In allen großen Produktkategorien sieht sich Sony in Europa als Marktführer - mit Ausnahme von Fernsehern und Videokassettenrekordern: Hier dominiert Philips.

Gerade bei den Camcordern kann Sony seine Stärke bei digitalen Produkten ausspielen. Der Konzern konstruiert die neuen Produkte so, dass sie alle miteinander vernetzt werden können. So präsentiert Sony auf der Internationalen Funkausstellung einen neuen Camcorder mit einer Höhe von lediglich zehn Zentimetern, der bereits mit Bluetooth-Technologie ohne Kabel seine Daten über das Internet an Freunde oder die Familie übermitteln oder an andere digitale Produkte von Sony angeschlossen werden kann.

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