Produktneuheit
Digitaler Videorekorder schreckt Werbebranche

Filme aufzeichnen ohne Qualitätsverlust. Zeitversetzt Movies anschauen - bei gleichzeitigem Aufzeichnen. Werbung automatisch ausblenden. Diesen und noch weitergehenden Komfort bieten digitale Videorekorder (DVR), die bald für 1200 Euro in Deutschland auf den Markt kommen sollen.

dpa NEW YORK. Die Gefahr für das kommerzielle Fernsehen kommt in Form einer kleinen Kiste, die sich äußerlich kaum von herkömmlichen Videorekordern oder DVD-Spielern unterscheidet. Ihr Inneres, eine 40 Gigabyte große Festplatte, auf der Platz ist für bis zu 40 Stunden aufgezeichneten Fernsehprogramms, ist der Werbeindustrie ein Dorn im Auge. Sie fürchtet um ihre Einnahmen, wenn die digitalen Videorekorder Einzug in deutsche Wohnzimmer halten.

In Amerika haben nach schleppendem Anlauf inzwischen rund eine Million Haushalte, etwa ein Prozent der Bevölkerung, einen DVR im Wohnzimmer. Marktforscher schätzen das Verbreitungspotenzial für die Geräte auf das Fünfzigfache in den nächsten fünf Jahren. 20 Prozent der Nutzer dieser Geräte, die TiVo oder ReplayTV heißen, schauen einer Untersuchung zufolge keine Werbung mehr.

"Bislang ist der Werbeträger Fernsehen aber noch nicht gefährdet", sagt Volker Nickel, Geschäftsführer des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft. DVRs werden zwischen Empfangsvorrichtung und Fernseher geschaltet. Auf das aufgezeichnete Fernsehprogramm kann bereits während der Aufnahme zugegriffen werden. "Während weiter aufgezeichnet wird, kann am Bildschirm schon die Aufzeichnung verfolgt werden", sagt Toby Schuster, der für die europäische Markteinführung von TiVo zuständig ist. Auch kann das laufende Fernsehprogramm unterbrochen werden - etwa, wenn das Telefon klingelt oder das Magenknurren den Programmgenuss stört.

"Außerdem hat die Suche nach leeren Videokassetten ein Ende" - allerdings nur, bis man einen herkömmlichen Videorekorder an den DVR anschließt, um ein aufgezeichnetes Programm zu archivieren. Die Funktion aber, die besonders die Werbetreibenden aufschreckt, ist die Möglichkeit, auf Knopfdruck die Werbepausen zu überspringen.

Chancen für neue Formen der Werbung

Dadurch wird die Logik der Werbeindustrie unterlaufen: Hohe Werbepreise für Programme zur besten Sendezeit sind möglicherweise nicht mehr gerechtfertigt. "Bislang hat sich gezeigt, dass die meisten Zuschauer das Programm aktuell gucken", wiegelt Nickel verständlicherweise ab. "Außerdem kennen wir die Debatte ja schon von der Einführung des Videorekorders."

Wegen ständiger technischer Veränderungen müssen sich die Werbetreibenden nach Nickels Ansicht ohnehin auf Veränderungen einstellen. "Aber das ist auch eine Chance für ganz neue Formen der Werbung."

Ein DVR soll aber mehr sein "als die silberne Kiste im Wohnzimmer", betont Schuster. Die amerikanische Version von TiVo ist mit dem Telefonnetz verbunden und lädt einmal pro Nacht automatisch das aktuelle Fernsehprogramm für die folgenden zwei Wochen herunter. Diese elektronische Fernsehzeitung ermöglicht es dem Gerät auch, dass es sich die Sehgewohnheiten des Nutzers "merkt" und dem Schema entsprechend nicht aufgezeichnete Sendungen vorschlägt.

Diese komfortable Funktion fehlt der europäischen Ausgabe des Geräts gänzlich - sowohl der von TiVo, für die es noch keinen konkreten Termin zum Start in Deutschland gibt, als auch dem Konkurrenzprodukt des niederländischen Elektronikkonzerns Philips. Bislang sei der DVR zu teuer gewesen, und "die Konsumenten waren noch nicht weit genug für diese Technologie", sagt Konzernsprecher Klaus Petri. Nun kostet der Philips-DVR 1200 Euro und kommt im Spätsommer auf den deutschen Markt.

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