Produzenten kämpfen um Finanzierung: Banken lassen Filmemacher im Stich

Produzenten kämpfen um Finanzierung
Banken lassen Filmemacher im Stich

Auf der Berlinale gefeiert, bei den Banken verhöhnt: Deutsche Filmproduzenten stecken in der Klemme, wenn es um die Finanzierung neuer Filme geht. Die Filmförderungsanstalt will jetzt bei Banken bürgen.

BERLIN. Der deutsche Kinofilm steckt in der Krise. Während auf der Berlinale deutsche Produktionen wie "Good bye, Lenin" von den Kritikern gelobt werden, ist die Finanzierung neuer Projekte für die meisten Filmproduzenten mittlerweile ein Alptraum. Der Branche steht ein Einschnitt bevor: Angesichts der gesunkenen Finanzierungsmöglichkeiten ist für Martin Moskovicz, Vorstand der Constantin Film AG ("Der Schuh des Manitu"), ein "massiver Umbruch in der deutschen Filmlandschaft" programmiert. Dem Handelsblatt sagte Moskovicz, er rechne damit, dass sich die Zahl der Filmproduktionsgesellschaften von heute etwa 1 500 in den nächsten Jahren auf 300 bis 400 größere Firmen reduzieren werde. Er erwartet, dass immer mehr Produktionsfirmen sich zu größeren Unternehmen zusammenschließen oder von größeren geschluckt werden, um besser private Gelder beschaffen zu können.

Denn die Banken vergeben wegen der neuen Eigenkapitalrichtlinien nur noch selten Geld an Filmproduzenten, die in der Regel über eine zu dünne Kapitaldecke verfügen. Auch Fernsehsender wie Pro Sieben, Sat 1 und RTL müssen sparen und fallen deshalb für die Filmfinanzierung zunehmend aus. Mittel aus privaten Medienfonds fließen überwiegend in Filmproduktionen aus Hollywood.

Obendrein erschwert die steuerliche Regelung, der "Medienerlass" der Bundesregierung, internationale Koproduktionen: Die im Filmgeschäft üblichen Anfangsverluste können Medienfonds bei ausländischen Koproduktionen häufig nicht geltend machen. Im Bundesfinanzministerium ist keine Bereitschaft zu erkennen, der Filmbranche in diesem Jahr steuerlich zu entlasten. Die einzige zuverlässige Quelle sind somit die Fördermittel aus öffentlichen Kassen, aus denen nach Angaben der Filmförderungsanstalt im vergangenen Jahr rund 212 Mill. Euro in den Film flossen. Doch wegen der fehlenden Steuer-Einnahmen in den Bundesländern werden diese Hilfen in diesem Jahr voraussichtlich gekürzt.

Angesichts der besonders schwierigen Finanzlage will die Filmwirtschaft nun dafür sorgen, dass öffentliche Gelder nicht mehr wie bisher nach dem Gießkannenprinzip an Produzenten verteilt werden. Für das neue Filmförderungsgesetz, dass die Bundesregierung bis Jahresende verabschieden will, arbeitet unter anderem der Produzentenverband Film 20 und die Filmförderungsanstalt an einem neuen Kriteriensystem: Produzenten, die Fördergeld erhalten, sollen an ihrem Erfolg bei den Zuschauern und bei Filmfestivals gemessen werden. Das war bisher in der Filmförderung nur ein untergeordnetes Kriterium.

Gleichzeitig kämpfen selbst große Produktionsfirmen wie Senator Entertainment hart um Geld auf dem freien Kapitalmarkt. Für gestandene Regisseure wie Wolfgang Becker, der auf der Berlinale mit seinem neuen Streifen "Good bye, Lenin" Furore macht, war es äußerst schwierig, Geld aufzutreiben. Denn den Kreditinstituten steht der Sinn nicht nach Filmproduktionen. Während Filmfinanzierungen bei der Deutschen Bank nach Angaben eines Sprechers "bei uns nie ein Thema gewesen sind", hat auch die Hypovereinsbank nach den Rückschlägen im vergangenen Jahr ihre Vergabe-Kriterien im Filmgeschäft deutlich verschärft. Aus Bankenkreisen war zu hören, dass kein deutsches Kreditinstitut mehr bei der Produktion von Filmen mit ins Risiko geht.

Dagegen tummeln sich jetzt viele Berater in der Szene, etwa Thierry Baujard, Geschäftsführer der Berliner Firma Peaceful Fish. Dem Handelsblatt sagte er: "Ich rate meinen deutschen Firmen heute, ihr Kapital gleich im Ausland zu beschaffen - zum Beispiel in Luxemburg oder in England". Dort sei es weniger schwierig. Gerade den kleinen Filmemachern, die bisher wegen öffentlicher Fördermittel überleben konnten, dürfte es freilich schwer fallen, sich gegenüber ausländischen Banken professionell zu präsentieren.

Immerhin will auch die Filmförderungsanstalt helfen. FFA-Direktor Rolf Bähr, sagte, die Anstalt werde gegenüber Banken als Bürge für Filmproduzenten einspringen. Häufig würden Banken wegen einer Finanzierungslücke mit ihren Krediten zögern. Die Lücke bestünde aber häufig nur auf dem Papier, weil faktisch schon ein Geldgeber gefunden sei.

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