Professionelle Anleger spekulieren verstärkt auf sinkende Kurse
Discountzertifikate sind der Renner in der Baisse

Ein Ende der Talfahrt an der Börse ist noch nicht in Sicht - aber das ist für Anleger kein Grund zu verzweifeln. Schließlich können sie auch an fallenden Kursen verdienen, etwa mit Discountzertifikaten.

FRANKFURT/M. Die Papiere werden bei Investoren immer beliebter, und die Banken emittieren fleißig. Die drei großen Herausgeber mit rund 75 % Marktanteil sind die Deutsche Bank, die Commerzbank und UBS Warburg. "Oft werden große Tickets gekauft - das lässt auf professionelle Anleger wie Vermögensverwalter schließen", sagt Markus Koch von UBS Warburg.

Ein Discountzertifikat funktioniert wie folgt: Das Papier wird im Vergleich zum zu Grunde liegenden Basiswert, etwa einer Aktie, mit einem Abschlag (Discount) zum aktuellen Aktienkurs ausgegeben. Es ist günstiger zu kaufen als die Aktie, weil seine Gewinnchancen durch einen festgelegten Höchstbetrag (Cap) begrenzt sind. Werden die Papiere fällig, erhält der Anleger entweder Geld oder den zu Grunde liegenden Basiswert.

In der Regel bekommt der Investor den Dividendentitel, wenn der Kurs unter der Gewinngrenze liegt, erläutert Christopher Maaß von der Commerzbank. Befindet sich der Aktienkurs darüber, wird der Cap-Betrag bar ausgezahlt.

Ein Kauf von Discountzertifikaten lohnt sich, wenn man mit begrenzten Kursrückgängen oder moderaten steigenden Kursen rechnet - bei extrem steigenden Kursen hat der Zertifikatbesitzer das Nachsehen, weil er ja nur bis zum Cap von dem Anstieg profitiert; dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass er durch den Discount auch über den Höchstbetrag hinaus mit dem Zertifikat besser gestellt ist als bei einem Direktinvestment.

Attraktiv sind Discountzertifikate dann, wenn die impliziten Volatilitäten (die zukünftig erwarteten Schwankungsbreiten) hoch sind, sagt Koch; das ist derzeit der Fall. So notiert der Volatilitätsdax zum Beispiel mit rund 55,5 % bereits recht nahe am Allzeithoch von 57,24 vom Oktober 1998. Für Käufer von Discountzertifikaten ist dies von Vorteil: Denn ein Zertifikat lässt sich durch den Kauf einer Aktie und den Verkauf einer Kaufoption abbilden - der Preis ergibt sich durch Abzug des Optionspreises vom Aktienkurs; da eine hohe Volatilität den Optionspreis nach oben zieht und den Zertifikatepreis damit drückt, sind die Papiere dann günstig zu haben. Allerdings muss man beachten, dass der Emittent der Papiere an der Bewertung der Optionskomponente verdienen will. Zudem wirken einige andere Einflussgrößen auf die Höhe des Discounts, etwa die Differenz zwischen Aktienkurs und Cap oder die Laufzeit. Es ist für Investoren oft schwer abzuschätzen, ob der Rabatt hoch genug ist.

Dennoch bieten die Zertifikate gute Chancen, an sinkenden Kursen zu verdienen: Dazu muss man Papiere mit einem Cap unter dem aktuellen Aktienkurs kaufen. Thorsten Michalik von der Deutschen Bank und Maaß bestätigen, dass solche Zertifikate zurzeit Verkaufsschlager sind. Maaß erläutert: Wer Papiere mit einem Cap unterhalb des aktuellen Kurses kauft, erhält die Aktie nur, wenn diese bei Fälligkeit tatsächlich unter dem Cap notiert - entsprechende Kursverluste erwartet der Anleger ja. Selbst wenn die Aktie bis zum Cap fällt, erhält der Anleger noch die maximal mögliche Rendite wegen des Discounts.

Michalik erklärt den Hintergedanken vieler Anleger bei diesen Geschäften: Der Gewinn müsse oft nicht versteuert werden, weil er ja mit in diesem Jahr angefallenen Verlusten aus Spekulationsgeschäften verrechnet werden könne.

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