Professionelle Bewerbungen
Alpenländer Favoriten im EM-Rennen

Berti Vogts wirbt für Schottland und Irland, Franz Beckenbauer und Michael Schumacher plädieren für Österreich und die Schweiz - und Gerhard Mayer-Vorfelder hat die Qual der Wahl. Gleich 14 Mitgliedsverbände der Europäischen Fußball-Union (Uefa) bewerben sich in sieben Kandidaturen um die Ausrichtung der Europameisterschaft 2008. Die Entscheidung darüber fällt das 14- köpfige Uefa-Exekutivkomitee, darunter DFB-Präsident Mayer-Vorfelder, am Donnerstag in Genf.

HB/dpa NYON/HAMBURG. Zuvor haben die Bewerber am Mittwoch in der Uefa-Zentrale in Nyon ein letztes Mal die Gelegenheit, sich vor der Verbandsspitze zu präsentieren.

Nie zuvor war die Konkurrenz um die Ausrichtung der - gemessen an Etat, Zuschauerzahlen und TV-Resonanz - drittgrößten Sportveranstaltung nach Olympischen Spielen und Fußball-Weltmeisterschaften derart groß. Neben dem Favoriten Österreich/Schweiz und Schottland/Irland gibt es weitere Gemeinschaftsbewerbungen von Kroatien und Bosnien-Herzegowina, Griechenland und der Türkei sowie dem skandinavischen Konsortium mit Dänemark, Finnland, Norwegen und Schweden. Als Einzelkandidaten wollen Russland und Ungarn die EM erstmals nach Osteuropa holen.

"Die Verbände haben ihre Bewerbungen sehr professionell präsentiert, und die Regierungen haben die Bedeutung von großen Sportereignissen für das Image eines Landes und die Wirtschaft erkannt. Das ergibt heute einen viel engeren Bewerbungskampf als noch vor 15 oder 20 Jahren", urteilt Gerhard Aigner. Der Uefa - Generaldirektor, der den Gewinner am Donnerstag um 12.45 Uhr verkünden wird, weiß allerdings auch um die Schattenseiten des Kandidaten-Booms: "Die Bewerber stehen unter größerem Siegesdruck, es wird deshalb ein paar enttäuschte Parteien geben."

Das würde im Falle eines Scheiterns vor allem für die schweiz-österreichische Fraktion gelten, die ein erstklassiges Dossier vorgelegt und mit rund 3,4 Mill. ? mehr Geld als jeder Konkurrent in die Bewerbung gesteckt hat. "Ich drücke der Schweiz und Österreich die Daumen", betätigte sich der Wahl-Schweizer Michael Schumacher als prominenter Fürsprecher. Das Alpen-Duo wähnt gleich ein Dutzend Trümpfe in seiner Hand: In beiden Ländern je vier moderne Stadien, wirtschaftliche und finanzielle Stabilität, kurze Wege bei hervorragender Infrastruktur, großer Rückhalt in der Bevölkerung sowie ausreichend Erfahrung bei der Organisation von Großereignissen. Kurzum, so der in Kitzbühel wohnende Beckenbauer: "Die Kombination hat sehr gute Chancen, besser kann man es nicht machen."

Dass der vermeintlich beste Kandidat nicht immer belohnt wird, machte vor vier Jahren die Vergabe der EM 2004 in Aachen deutlich. Favorit Spanien blieb ebenso auf der Strecke wie die ebenfalls hoch gehandelte Kombination Österreich-Ungarn. Stattdessen erhielt mit Portugal der krasseste Außenseiter den Zuschlag - mit der Begründung, man wolle der dortigen Infrastruktur auf die Sprünge helfen.

Auf derlei Sentimentalitäten der obersten Uefa-Funktionäre hoffen auch diesmal die Außenseiter. Sie hoffen, dass ihre politischen Argumente stärker zählen als die technischen Mängel ihrer Bewerbungen. Der Osten Europas sei endlich an der Reihe, befand Russlands Präsident Wladimir Putin. Mit diesem Slogan wirbt auch Ungarn. Griechenland und die Türkei indes sehen in ihrer gemeinsamen EM-Kandidatur einen wichtigen Beitrag zur Annäherung der einst verfeindeten Länder. Kroatien und Bosnien-Herzegowina führen an, eine EM in ihren Ländern würde den Aufbau nach dem Bürgerkrieg beschleunigen.

Die besten Außenseiterchancen werden jedoch indes dem skandinavischen Quartett eingeräumt, das nicht nur eine Bewerbung auf hohem Niveau eingereicht hat, sondern auch nicht zuletzt durch den schwedischen UEFA-Präsidenten Lennart Johansson großen Einfluss in der Verbandsspitze besitzt. Allerdings waren die Schweden bereits vor zehn Jahren EM-Gastgeber. Schottland und Irland bieten zwar mit 1,6 Mill. die größte Zuschauer-Kapazität aller Kandidaten (442 000 mehr als Österreich/Ungarn), haben aber nicht einmal die eigene Bevölkerung auf ihrer Seite. 68 % der Schotten sprachen sich in einer Meinungsumfrage gegen die EM aus - obwohl ihr Nationaltrainer Vogts die Werbetrommel rührte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%