Professor mit politischen Ambitionen
Renten-Retter Bert Rürup gilt als Macher

Bert Rürup ist am Ziel. Er wird nicht nur als einer der fünf Wirtschaftsweisen und Politikberater mehrerer Regierungen in die Geschichte eingehen. Eine Kommission zur Reform der Sozialversicherungssysteme trägt nun auch seinen Namen.

HB/dpa DARMSTADT. Wie Peter Hartz für den Arbeitsmarkt kann der 59-jährige Wirtschaftsprofessor aus Darmstadt nun zum Retter der Rente und des Gesundheitssystems aufsteigen.

Er gilt als Macher

Rürup hat keine Angst vor dieser Aufgabe. Der Professor gilt als Macher. Ihm geht es nicht um wissenschaftliche Brillanz, sondern um die politische Umsetzung seiner Ideen. Dafür lässt er sich notfalls auch von Kollegen anfeinden. Rürup will etwas bewegen. So sind neben der Wissenschaft nur zwei weitere Berufe für ihn denkbar: Unternehmer oder Politiker - weil sie Macht ausüben. Als Kommissionsvorsitzender hat er nun die Möglichkeit, für Bundessozialministerin Ulla Schmidt (SPD) die Weichen zu stellen.

Der Professor kennt sich auf der politischen Bühne aus. Bereits mit 31 Jahren heuerte der frisch Promovierte an der Universität Köln als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Planungsabteilung des Bundeskanzleramtes an. Dort blieb er aber nur wenige Monate, dann folgte Rürup dem Ruf der Universität seiner Heimatstadt Essen, die ihm einen Lehrstuhl für Volkswirtschaft und Finanzwissenschaft anbot. Wieder ein Jahr später wechselte er an die Technische Universität Darmstadt, der er trotz vieler Angebote bis heute treu blieb.

Kontakt zur Politik brach nie ab

Die Verbindung zur Politik riss jedoch nie ab. Er pflegte Kontakte im In- und Ausland. So gab er dem österreichischen Sozialministerium Tipps in Pensionsfragen und stellte sich der Regierung von Kasachstan als finanzpolitischer Berater zur Verfügung. Besonders stolz ist er auf die Zusammenarbeit mit Norbert Blüm (CDU). Ihn überzeugte er, mit dem umstrittenen "demografischen Faktor" das Niveau der gesetzlichen Rente zu senken: "Das war mal mein Baby."

Dass die SPD dieses "Kind" nach ihrem Sieg 1998 in der Versenkung verschwinden ließ, tat Rürups Ruf keinen Abbruch. Er stieg schnell zum "Superberater" der rot-grünen Koalition auf. Im März 2000 zog er in den illustren Kreis der fünf "Wirtschaftsweisen" ein, ein halbes Jahr später übernahm er den Vorsitz des "Sozialbeirates für die Rentenversicherung" und seit April 2002 führt er die Kommission zur Neuordnung der Besteuerung von Alterseinkommen.

SPD-Parteibuch war kein Hindernis

Sein SPD-Parteibuch war ihm bei dieser Karriere nicht hinderlich, schützte ihn aber auch nicht - wie erst dieser Tage - vor Kritik aus den Reihen der Sozialdemokraten. "Ich bin wegen der Ostpolitik Willy Brandts in die SPD eingetreten." Heute spricht er von "ruhender Mitgliedschaft" und legt Wert auf seine Unabhängigkeit: "Es gibt allerdings keinen Grund, aus der Partei auszutreten", stellt er klar.

Politisch zählt der in zweiter Ehe verheiratete Rürup wohl zu Bundeskanzler Gerhard Schröders "Neuer Mitte": Mehr Eigenverantwortung und Wettbewerb statt staatlicher Fürsorge. Trotz der vielen Hochzeiten, auf denen der Professor tanzt, hat er bislang seinen eigentlichen Beruf nicht vernachlässigt. Noch in der vergangenen Woche, mitten in den Vorbereitungen der Kommission, nahm er in Darmstadt zwei Tage lang Prüfungen ab. Unter den Studenten ist er beliebt, regelmäßig erteilen sie ihm bei Uni-Umfragen gute Noten. Nachdem ihm jetzt das Schicksal der deutschen Sozialkassen in die Hände gelegt wurde, rechnet allerdings niemand mehr damit, ihn in nächster Zeit im Hörsaal anzutreffen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%