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Angreifer, Anleger, Aufklärer

Der Deutsche Klaus Wellershoff gehört zu den Stars der Schweizer Investmentbank UBS.

Damals, beim Bund, ließen sie ihn seine Herkunft spüren. Entweder behandelten die Offiziere den Rekruten Klaus Wellershoff zu "heiß". Oder zu "kalt". Er wurde also geschurigelt oder mit äußerster Vorsicht angefasst. Der Grund: Sein Vater war der höchste deutsche Soldat. Admiral Dieter Wellershoff bekleidete das Amt des Generalinspekteurs.

"Viele Vorgesetzte wussten nicht so genau, wie sie mich anfassen sollten", erinnert sich Klaus Wellershoff mit einem Schmunzeln in seinem großzügigen Büro in der Züricher City. "Am einfachsten wäre es gewesen, mich ganz normal zu behandeln." Stattdessen wählten einige Vorgesetzte Extremvarianten.

Heute wissen die wenigen Chefs ganz genau, wie sie Klaus Wellershoff behandeln müssen: sehr gut. Denn der Deutsche ist ein Star bei der UBS, der größten Schweizer Bank und dem größten Vermögensverwalter der Welt. Als Leiter des Investment-Researchs von UBS Wealth and Business-Banking sucht der 39-Jährige die beste Anlagestrategie. Er schiebt mit seinen Mitarbeitern rund 200 Milliarden Schweizer Franken hin und her: "Da muss man sich seiner Verantwortung schon bewusst sein", sagt Wellershoff. "Doch man darf sich auch nicht zu viele Gedanken über die Dimensionen seiner Arbeit machen. Sonst blockiert man sich selbst."

Wellershoff blockiert? Nein. Dieser Mann, so scheint es, kennt keine Sperre. Er ist angriffslustig und schreibt griffige Kolumnen für die Wirtschaftspresse, er kreuzt die Klingen mit den Topshots der Schweizer Konzerne wie Nestlé - Boss Peter Brabeck, und er schafft es immer wieder, dem kleinen Sparer das Geheimnis der globalen Finanzströme zu verraten. "Wellershoff verstand es . . . ausgezeichnet, die Zuhörer zu fesseln", schrieb etwa die "Rheintalische Volkszeitung" über einen Wellershoff-Event im Provinznest Altstätten.

"Es ist wahnsinnig motivierend, mit vielen Leuten zu diskutieren und Gedankenanstöße zu geben", findet Wellershoff. "Die Freude am intelligenten Dialog ist eines der Hauptmotive für meinen verrückten Beruf."

Dass es in die Wirtschaft gehen würde, war bei ihm früh klar: Lehre bei den Kölner Edelbankiers Sal. Oppenheim jr. & Cie, BWL- und VWL-Studium im schweizerischen St. Gallen und Promotion an der US-Eliteuniversität Harvard.

Die Schweiz aber hatte es ihm angetan. Er kam zurück und stieg beim damaligen Bankverein ein, wurde in kurzer Zeit der Chefvolkswirt des Hauses, das heute UBS heißt.

"Die Schweizer haben mich schnell eingebunden", lobt Wellershoff. Und das nicht nur im Job. Im vergangenen Jahr sollte der eloquente Bankier in seiner Heimatgemeinde sogar die Rede zum Nationalfeiertag halten. "Dass ich kein Schwyzerdütsch spreche, war kein Hindernis." Letztlich mussten die Schweizer aber auf seine Rede verzichten - die Termine.

Besonders aber hat es Wellershoff der eidgenössische Pragmatismus angetan. In der Diskussion suchten die Schweizer schon in den kleinen Gemeinden nach Lösungen, hat Wellershoff festgestellt, der im Studium politisch-ökonomische Prozesse durchleuchtete. "Von der Schweizer Mentalität könnte sich Deutschland etwas abschneiden. Bei uns geht es leider zu sehr um die Macht, nicht um gute Lösungen."

Die kleine Eidgenossenschaft das große Vorbild?

"Nun ja", räumt Wellershoff ein und lächelt. "Nicht immer." Sein ältester Sohn kam nach dem Finale der Fußballweltmeisterschaft ganz geknickt aus der Schule, erzählt der Vater. Er hatte als Einziger zu den Bundeskickern gehalten, die Klassenkameraden zu Brasilien. "Beim Fußball wollen sie mit den Deutschen nichts mehr zu tun haben."

Dabei müsse sich die kleinere Schweiz überhaupt nicht verstecken, sagt Wellershoff. Neben ihrer wirtschaftlichen Stärke ist der Deutsche vor allem von der Natur fasziniert. Die Seen. Die Berge. Das gute Wetter. Wandern. Skifahren. "Ja, es lebt sich schon sehr gut hier."

Kann er sich denn vorstellen, das Land der Banken und Berge wieder zu verlassen? "Oh ja", kommt es prompt. "Aber natürlich nicht ohne meine Frau." Die stammt aus Holland und fühlt sich im Schatten der Alpen so richtig wohl. Eine Niederländerin, ein Deutscher, vier Söhne, die wie Schweizer aufwachsen. Dazu: Schweizerdeutsch, Deutsch, Holländisch.

Endet das nicht in einem sprachlichen Ausnahmezustand? Keineswegs, sagt Wellershoff. Meist bediene sich die Familie des Holländischen. Sollen aber den Jungs die Leviten gelesen werden, dann in Deutsch. "Das ist schon die autoritärste Sprache." Und der Sohn des Ex-Generalinspekteurs der Bundeswehr lächelt.

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