PROFIL: Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell
Ein umweltbewusster Optimist

Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell ist ein Auserwählter. 1975 bestimmt ihn der Vater zu seinem Nachfolger an der Spitze des Bleistift-Konzerns. Und das, obwohl "Toni", wie der Graf von Vertrauten genannt wird, nicht das älteste der zehn Kinder ist.

STEIN BEI NÜRNBERG. Aber er hat Talent, und es ist klar, dass er seinen Job als Investmentbanker bei Credit Suisse dafür aufgeben wird. Das alles ist fast 25 Jahre her. Seit dem Tod seines Vaters im Jahr 1978 führt der Graf den Konzern in achter Generation - mit einer Jahresproduktion von 1,8 Milliarden Stück ist er der größte Bleistiftproduzent der Welt. Graf von Faber-Castell - über 1,90 Meter groß, schlank, sportlich, sympathisch - ist zu einem Unternehmer aus Leidenschaft geworden.

Unermüdlich reist er durch die Welt und besucht die 15 eigenen Fertigungsstätten. Im November wird wieder ein neues Werk in Malaysia eröffnet. Der Chef ist sich aber nicht zu schade, auch mal selbst die Produkte seines Hauses in einem Fachgeschäft zu verkaufen. So erfährt er, was die Kunden wirklich wollen. Und er legt Wert auf Naturschutz. Auf dem Umweltgipfel in Johannesburg ließ er Bleistifte verteilen, die aus Holz von kontrollierten Plantagen gefertigt waren. In Brasilien betreibt er ein viel beachtetes Wiederaufforstungsprojekt.

Jährlich werden im Südosten Brasiliens etwa eine Million Bäume neu gepflanzt. Hier arbeiten auch mehr als die Hälfte der weltweit rund 5 500 Faber-Castell-Mitarbeiter in einer der größten Blei- und Farbstiftfabriken der Welt. Doch in Zeiten von Internet und High Tech gehören Bleistifte nicht gerade zu den aufregensten aller Produkte. Für manchen wirken die einfachen Holzstifte wie ein Relikt aus längst vergangenen Tagen. Die Zeiten sind schwer: Auch Faber-Castell bekommt die weltwirtschaftlichen Probleme zu spüren.

In Europa stagnieren die Märkte. Zudem setzt vor allem die Krise in Südamerika den Franken zu - in Argentinien hat der Konzern Millionen verloren. Und auch die Turbulenzen in Brasilien belasten die Gewinnrechnung. So gingen im Geschäftsjahr 2001/02 Umsatz und Gewinn zurück. Aber Graf von Faber-Castell bleibt optimistisch.

"Wir werden auch in Zukunft auf die Kraft der Marke setzen", meint der Firmenchef selbstbewusst. Der 61-Jährige verfolgt seit Jahren eine klare Markenpolitik. Heute kennen mehr als 90% der Deutschen den Namen "Faber-Castell"; weltweit erfreuen sich die Stifte hoher Beliebtheit. Kein Wunder, dass manche Erzeugnisse schon fast Kultstatus erlangt haben - insbesondere die in den vergangenen Jahren eingeführte Edellinie unter dem Namen "Graf von Faber-Castell" - exklusive Stifte mit silberner Kappe und silbernem Anspitzer, ergänzt durch teure Kugelschreiber in edlen Schachteln.

Der Graf selbst steht für die Strategie des Exklusiven. Auch er selbst ist stets elegant gekleidet - dunkle Maßanzüge, feine Schuhe, das lange silbergraue Haar nach hinten frisiert. Viel Zeit für seine Hobbys hat der Vater von vier Kindern freilich nicht. Aber in seiner Freizeit spielt er Tennis und fährt Ski, am liebsten im Oberengadin in der Schweiz. Dort hat er am Lyceum in Zuoz auch das Abitur gemacht. Der Sammler zeitgenössischer Kunst empfängt Besucher im Familienschloss am Firmensitz in Stein bei Nürnberg. Hier lebten seine Vorfahren, er selbst wohnt in einem Jagdhaus in der Nähe von Nürnberg. Ein kleines Museum zeigt die Unternehmensgeschichte.

Die Familienfirma ist eines der ältesten Industrieunternehmen der Welt, deren Anfänge bis ins Jahr 1761 zurückreichen, als Vorfahr Kaspar Faber, ein Schreiner, die Herstellung von Bleistiften aufnahm. 1839, drei Generationen später, übernahm Lothar Faber die Firma und führte erstmals Stifte mit verschiedenen Härtegraden ein - die Faber-Produkte wurden weltweit bekannt. Seine Enkelin Ottilie heiratete dann 1898 den Grafen zu Castell-Rüdenhausen. Es entstand der heutige Firmen- und Familienname.

Jetzt träumt der Graf vom Gang an die Börse. Zwar ist ihm angesichts der Krise an den Kapitalmärkten erst einmal die Lust vergangen. Aber er betont: "Es gibt aktuell keine Pläne. Wir schließen das aber auch nicht aus." Im vergangenen Jahr hat er die Firma schon in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Dem Chef, der zu den 100 reichsten Deutschen zählt, gehören 85% der Firma, die restlichen Anteile sind in Händen anderer Familienmitglieder. Seit einigen Jahren legt er Rechenschaft über den Geschäftsverlauf ab. Selbst die Höhe der Gewinne, bei Familienunternehmen in der Regel das größte Geheimnis, gibt der Graf preis - auch wenn die Rendite zuletzt nur bei mageren 2,9% lag.

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