PROFIL
Britta Steilmann: Tochter Trotzkopfs Heimkehr

Es klingt wie die alte Geschichte vom verlorenen Sohn, der vom Vater in die Arme geschlossen wird. Doch es ist die moderne Story einer - zeitweise - verloren geglaubten Tochter, Britta Steilmann. Die wird jetzt wenig Zeit für Umarmungen haben im Familiengeschäft mit der Mode.

Wenn der Weg das Ziel ist, so war es bei Britta Steilmann das Weggehen, der Entschluss, einen eigenen Weg zu gehen. Das ist in einem verwurzelten Familienbetrieb nicht leicht - und besonders schwer, wenn es um die Frage der Nachfolge geht. Die stand bereits 1999 im Raum, nachdem Vater Klaus Steilmann, der Macher von "Mode für Millionen", seinen Abschied aus der Geschäftsführung der Bochumer Klaus Steilmann GmbH & Co. KG verkündet hatte.

Die damals 32-jährige Mitgeschäftsführerin und Kronprinzessin Britta war offensichtlich bereit, das Zepter eines der größten europäischen Textilunternehmen zu übernehmen. Sie hatte auch schon Beachtliches geleistet und dafür das Bundesverdienstkreuz bekommen. Dies eher für ihre Umweltaktivitäten als für die vereinssportliche Sensation, als erste weibliche Managerin eines Profi-Fussballvereins, dem SG-Wattenscheid-09-Trainer Hannes Bongartz das niederschmetternde Gefühl verschafft zu haben, "von einer Frau gefeuert zu werden".

Die Kicker hatte sie, wie ihren Vater, bereits Anfang der Neunziger in ihre blassfarbene Öko-Modekollektion gesteckt und in einem Düsseldorfer Lockschuppen vorgeführt. Sie selbst kam dann zur Pressekonferenz frechweg im umweltunfreundlichen, knackigen kleinen Schwarzen. Egal, Umweltminister Klaus Töpfer schwärmte vom "blauen Umweltengel" für Textilien. Personifiziert war er wenig später für viele, als Britta Steilmann 1993 zur "Öko-Managerin des Jahres" gekürt wurde.

Solchermaßen attraktive junge Frauen in Führungsposition gelangen nur zu oft in eine eigentlich ungewollte Vorführposition. So tingelte auch Britta Steilmann von Talk-Show zu Talk-Show und dozierte im Stakkato ihre ernst- und gutgemeinten Visionen von der einen Welt, die eine andere sein sollte. Klar, dass es Britta war, die jedem auf- und einfiel beim Thema Umwelt, das inzwischen so gar nicht mehr Trend ist.

Wer wäre schon beim Mode-Quiz auf die Namen der beiden - ebenfalls im Familienbetrieb emsigen - jüngeren Schwestern Cornelia und Ute gekommen? Selbst der Vater sinnierte, als es um seine Nachfolge ging: "Man braucht eine Person, die die Richtung angibt."

Doch genau das konnte er seiner Britta scheinbar nicht gestatten. Die nämlich wollte nicht einfach weiter machen, sie wollte es anders machen, wollte einen Marken- statt eines Massenmodebetriebs Steilmann. Aber so weit war Klaus Steilmann - damals - offensichtlich noch nicht. "Sie konnten mir nicht folgen", seufzte Tochter Trotzkopf, die nach der Auseinandersetzung wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die Führung der Unternehmensgruppe" - so die lapidare Pressemitteilung im Januar 1999 - den Firmen- und Familiensitz Knall auf Fall verließ.

Einen Job kann man kündigen, doch Tochter bleibt man nun mal, selbst wenn frau im fernen Süd-Dakota eine neue Wahlverwandschaft bei den Lakota-Indianern findet. Statt "Old Economy" quasi "New Shatterhand". Das tat Britta Steilmann offensichtlich gut: "Für die bin ich Tante, große Schwester und Mutter in einem", schwärmte sie.

Es erschien fast schon wieder trotzig, als die verlorene Tochter - die zwischendurch immer wieder brav beteuerte "Wenn mein Vater es will, komme ich zurück" - als selbstständige Unternehmerin andere beriet, zum Beispiel Rudolf Scharping im Bundestagswahlkampf. Sie zog mit ihrer Britta & Co KG in eine alte Schule mit Wind- und Blockheizkraft unweit von Düsseldorf. Von dort beriet sie auch Firmen der "New Economy", eine Branche, die zur Zeit ebenso mit existenziellen Problemen kämpft wie viele Modemacher. "Als Berater schlägt man vor, aber man verwirklicht nicht", beschrieb sie ihre Arbeit. Jetzt darf und muss Britta Steilmann - wenn sie gewinnen will - beides wagen.

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