Profil: Der neue Chef des US-Mischkonzerns Honeywell
David Cote: Der rabiate Kostenkiller

Er soll den angeschlagenen US-Konzern wieder auf Kurs bringen. Kritiker zweifeln, ob der ausgewiesene Sanierer Cote auch als großer Firmenstratege taugt.

Ist ein Kostenkiller der richtige Mann für Honeywell? Diese Frage stellen sich Analysten und Aktionäre, nachdem David Cote zum neuen Vorstandsvorsitzenden des angeschlagenen US-Mischkonzerns aus Morristown im Bundesstaat New Jersey gekürt worden ist.

Nach nur einem Jahr an der Spitze von TRW hat Cote überraschend seinen Sanierungsjob beim US-Rüstungshersteller und-Automobilzulieferer verlassen und die nicht weniger schwere Aufgabe bei Honeywell übernommen. Seit Mitte Februar lenkt Cote ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr im Mittelpunkt einer prominenten Übernahmeschlacht stand. Der damalige General-Electric-Chef Jack Welch und der Technologiekonzern United Technologies pokerten um Honeywell. Die Übernahme scheiterte jedoch schließlich am Veto der EU-Kommission.

Die Übernahmeschlacht ist zwar vorbei. Aber in der Branche wird bereits gespottet, der Job des 49-jährigen Cote könnte bei Honeywell zu "honey hell"werden. Viele Top-Manager haben den Konzern seit dem Übernahmekampf verlassen. Und die Luftfahrtkrise, ausgelöst durch die Terroranschläge vom 11. September, setzte dem Konzern stark zu. Die Folge: Im letzten Quartal des zurückliegenden Jahres brach der Gewinn des Konzerns, dessen Produktpalette von Flugzeugelektronik über Spezialchemikalien bis zu Alarmsystemen reicht, um 53 Prozent ein.

Kein Wunder, dass man in Industriekreisen bereits witzelte, General Electric sei wohl mittlerweile froh, dass die Übernahme nicht geklappt habe. Und auch der Technologiekonzern United Technologies, der Honeywell ursprünglich übernehmen wollte und dem GE den Deal wegschnappen wollte, hat sich seitdem nicht mehr als möglicher Käufer zu Wort gemeldet.

Bei Honeywell geht die Angst um, dass Cote den Konzern weiter zurechtstutzen will. Denn in seiner Zeit bei TRW hat er sich vor allem als rabiater Sanierer einen Namen gemacht. Und General Electric, wo Cote 25 Jahre arbeitete und sogar als Nachfolger von Vorstandschef Jack Welch im Gespräch war, gilt ebenfalls als eine gute Schule für leistungsorientiertes und durchgreifendes Management.

Das ist ein Führungsstil, wie er auch bei Honeywell vorherrscht. Cote "spricht die gleiche Sprache. Er ist auf einer Wellenlänge mit der Firmenkultur bei Honeywell", bestätigt Farukh Farooqi, Analyst bei Merrill Lynch.

Bei seinem ersten Auftritt vor den versammelten Mitarbeitern versprach Cote, der Konzern werde unter seiner Führung wieder wachsen - acht Prozent aus eigener Kraft und bis zu zwölf Prozent durch geplante Übernahmen. Außerdem sicherte er ihnen zu: "Honeywell bleibt unabhängig."

Der neue Chef kann sich sanfter geben als sein Vorgänger Lawrence Bossidy. Der Interimschef, ebenfalls ein Ex-Manager von General Electric, hat bereits den Großteil der harten Sanierungsarbeit geleistet. Der 66-jährige Bossidy war nach der geplatzten Fusion von GE und Honeywell in den Konzern zurückgekehrt, um seinen eigenen Nachfolger Michael Bonsignore als Vorstandschef abzulösen, bis ein neuer gefunden ist. Bossidy hat 16 000 Stellen gestrichen und die Schließung von 51 Fertigungsstätten in den USA angekündigt. So will Honeywell eine Milliarde Dollar pro Jahr sparen.

Marktbeobachter rechnen nicht damit, dass Cote den eingeschlagenen Kurs drastisch ändern wird. Vielmehr erwarten sie, dass er die Sanierungsarbeit zu Ende führt. Die Meinungen über seine Fähigkeiten als Manager sind allerdings geteilt. Einige Analysten betonen, er könne gleich gut mit Menschen und mit Zahlen umgehen. Kritiker aber zweifeln, ob der ausgewiesene Kostensenker Cote auch in der Lage ist, ein Geschäft aufzubauen. Sie werfen ihm vor, unter seiner Führung seien bei GE nur wenig neue Produkte entwickelt worden. Cote wehrt sich: Viele von ihm initiierte Produkte seien erst nach seiner Zeit bei GE auf den Markt gekommen.

Cote selbst räumt ein, dass er TRW nicht ganz ohne Sorgen verlassen hat. "Aber die Chance, Honeywell zu führen, war einfach zu groß." Vielleicht lockten ihn auch die üppigen Vorstandsbezüge in seinem neuen Job. So soll er in diesem Jahr nicht nur 3,4 Millionen Dollar kassieren, sondern zusätzlich fünf Millionen Dollar als Entschädigung. Diese Summe war ihm von seinem alten Arbeitgeber TRW als Bonus zugesichert worden.

Jetzt kann David Cote zeigen, dass er mehr ist als nur der Kostenkiller.

Katharina Kort
Katharina Kort
Handelsblatt / Korrespondentin
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