Profil: Domenico De Sole
Gucci-Chef kämpft um die Florentiner Schönheit

Domenico De Sole trägt die Verantwortung für eine der wertvollsten Marken der Welt. Probleme ist der studierte Jurist gewohnt, doch die aktuelle Situation stimmt ihn nachdenklich.

MAILAND. Das sind keine leichten Wochen für die Luxusgüterindustrie - und es sind keine leichten Wochen für Domenico De Sole, den Boss der Florentiner Edelschönheit Gucci. Zwar bemüht sich der Erfolgsmanager, wie der Rest des noch bis morgen in Mailand gastierenden Mode-Zirkusses, Optimismus auszustrahlen. Nachdenklich gibt er aber zu: "Die Kriegsgefahr und die Instabilität der Börse gefährden den Aufschwung."

Trotz eines halbierten Gewinns im ersten Halbjahr strahlt der schlanke Mann mit dem kurz geschorenen Vollbart Ruhe aus. Schließlich handelt es sich nicht um das erste Mal, dass der 58-Jährige mit Schwierigkeiten kämpfen muss. Eigentlich tut er dies, seit er 1994 die Verantwortung für Gucci und damit für eine der wertvollsten Marken der Welt übernommen hat. Darin ist er erfahren.

Es grenzt an ein Wunder, was der studierte Jurist De Sole gemeinsam mit dem texanischen Designer Tom Ford im letzten Jahrzehnt geleistet hat. Durch mörderische Familienstreitereien, wie sie nur hinter den dicken Mauern Florentiner Palazzi möglich sind, stand das 1925 von Guccio Gucci gegründete Unternehmen Anfang der 90er-Jahre kurz vor dem Ruin. Dann kaufte sich eine arabische Investmentgesellschaft in die Firma ein und setzte De Sole an deren Spitze.

Geprägt von Kalabrien und Harvard

"Als wir von der Familie befreit waren, ging alles sehr schnell. Wir setzten unsere Strategie um, zwei Jahre darauf waren wir die Stars der Branche." De Sole spricht schnell, akzentuiert und mit einer seltsamen Mischung aus Englisch und Italienisch. Der sprachliche Ausdruck ist Spiegel seiner Persönlichkeit, die ständig zwischen Amerika und Europa pendelt.

Einerseits ist der Manager geprägt durch sein Studium in Harvard und die Karriere bei einer renommierten Washingtoner Anwaltskanzlei. Auf der anderen Seite kommt der in Rom geborene De Sole aus einer kalabresischen Familie, in der alte Traditionen noch hochgehalten werden. So wäre es für den bekennenden Workaholic undenkbar, die gewachsene Lederproduktion aus der Gegend um Florenz an irgendeinen billigeren Standort zu verlegen.

Auf der anderen Seite nennt er seinen Führungsstil uneingeschränkt amerikanisch: "Erstens sind wir absolut nicht hierarchisch organisiert. Zweitens erwarte ich von meinen Kollegen absolute Offenheit. Wenn jemand mit meinen Entscheidungen nicht einverstanden ist, muss er mir das mitteilen."

Seine Freundlichkeit sollte nicht für Schwäche gehalten werden

Mit diesen Prinzipien hat es Gucci geschafft, neben Tom Ford einige der heißesten Stylisten unter dem Konzerndach zu vereinen-wie Stella McCartney, die Tochter des Beatles-Gitarristen, oder Alexander McQueen (vorher bei Givenchy). Doch De Soles Mitarbeiter wissen genau, dass sie dessen stets freundliche Art nicht mit Schwäche verwechseln dürfen. In der Sache sei er stahlhart, was er indirekt auch bestätigt: "Dort, wo ich herkomme, gibt es ein Sprichwort, dass Kalabresen zum Frühstück Nägel essen."

Niemand hat De Soles Kampfkraft und Unnachgiebigkeit stärker zu spüren bekommen als sein größter Konkurrent, Bernard Arnault. Der Chef des weltgrößten Luxusgüterkonzerns LVMH versuchte 1999 Gucci feindlich zu übernehmen. Doch er hatte die Rechnung ohne den Wirt gemacht.

De Sole wehrte sich wie ein Löwe, fand in Arnaulds Erzrivalen Francois Pinault vom Handelsimperium Pinault Printemps Redoute einen weißen Ritter und schmetterte alle Angriffe erfolgreich ab. "Arnault wollte uns doch nur kaufen, um Gucci als Wettbewerber auszuschalten", meint er sarkastisch, wobei ihm ein triumphierendes Lächeln über die schmalen Lippen huscht.

"Wir sind ja nicht verrückt"

Doch mit dem Ende der Mutter aller Schlachten in der Luxusgüterindustrie ist bei Gucci noch lange kein Friede eingekehrt. "Wir wollen auch in Zukunft unser Business selbstständig managen", gibt sich De Sole offensiv. "Daher werden wir alles tun, was den Wert des Unternehmens steigert - wir sind ja nicht verrückt." So wird der "Presidente" wohl auch weiterhin viel zu wenig Zeit für seine Hobbys-Lesen und Segeln-haben. Auch seine beiden Töchter im Teenager-Alter werden wie bisher ihren Vater nicht oft zu Gesicht bekommen. Zum Shoppen teurer Weine bleibt weiterhin keine Zeit.

Dafür wird sich der unruhige Geist nicht davon abhalten lassen, weiterhin von London nach Florenz, New York oder Tokio zu jetten, "um Wert für meine Aktionäre zu schaffen". Domenico De Sole dürfte dabei zu den wenigen Managern zählen, die auch bei diesem Satz noch glaubwürdig wirken.

V I T A

Domenico De Sole Er wird am 1. Januar 1944 in Rom geboren und studiert dort Jura. 1969 gewinnt er ein Stipendium an der Harvard Law School, wo er einen Master macht. Seine berufliche Karriere startet er als Steueranwalt in der renommierten Kanzlei Patton, Boggs & Blow in Washington. 1984 kommt er als Amerika-Chef zu Gucci und wird dort 1994 CEO. Seit 1995 ist er auch Präsident des Unternehmens. De Sole ist verheiratet mit einer Amerikanerin und hat zwei Töchter.

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