Profil: Günther Fielmann ist auch als Öko-Landwirt ein scharfer Rechner
Der sich um das Brillenschaf schert

Deutschlands Brillenkönig Günther Fielmann wollte immer einen eigenen Bauernhof. Rachel Carsons Buch "Der stumme Frühling" löste bei ihm die Entscheidung zur ökologischen Landwirtschaft aus. Heute besitzt er 2000 Hektar Ackerland - auch die müssen sich rechnen.

GUT SCHIERENSEE. "Janvier" genießt die Prozedur. Der rostrote Limousin-Zuchtstier steht entspannt, den massigen Kopf gesenkt. Ein schlanker, mittelgroßer Mann im grünen Loden-Goretex-Parka striegelt Rücken und Flanke des 1,2 Tonnen schweren Tiers mit kräftigen Zügen: Günther Fielmann, Mehrheitseigentümer des Hamburger Optikkonzerns und engagierter Öko-Landwirt.

Der Ort des Geschehens: Der Kuhstall auf Gut Schierensee in Schleswig-Holstein, 30 Kilometer südlich von Kiel.

"Ich wollte immer einen Hof," bekennt der 1939 im schleswig-holsteinischen Dorf Stafstedt zwischen Rendsburg und Eckernförde als Sohn eines Gewerbelehrers geborene Unternehmer. Seine Jugend in der schleswig-holsteinischen Knicklandschaft, das Spielen am Bach und Botanisieren mit der Mutter haben ihn geprägt. "Ich habe," sagt er nachdenklich, "zur Landschaft und zu Tieren eine tiefe Beziehung."

Schlüsselerlebnis für ihn war die Lektüre von Rachel Carsons Buch "Der stumme Frühling", das die vernichtenden Wirkungen von DDT auf die Natur beschreibt. Danach war klar, dass für ihn nur eine ökologische Landwirtschaft ohne Pestizide mit einer artgerechten Tierhaltung in Frage kam. Dabei ist Fielmann kein idealistischer "Turnschuh-Grüner". Unter dem grünen Parka steckt immer der Unternehmer mit Jackett und Krawatte. Die Dinge müssen sich rechnen.

Die Zahlen jederzeit im Griff

Die Landwirtschaft hat sich Günther Fielmann seither aufgebaut. Vier Höfe mit insgesamt 2 000 Hektar Acker und Grünland in Schleswig-Holstein und Mecklenburg hat er gekauft. Zuletzt eine 250 Hektar-Domäne von der Stadt Lübeck. Hier will er, gestützt auf eine von ihm gegründete Stiftung, zusammen mit der Universität Kiel ein Monitoring-Programm einrichten, das die Umstellung von konventioneller zu ökologischer Landwirtschaft dokumentiert und den biologischen Landbau über Jahrzehnte beobachtet. Denn wirtschaftliche Vergleichsdaten liegen bisher in dieser Form in Deutschland nicht vor. Und dann blitzt der Unternehmer Fielmann durch: "In ihrer Gesamtheit schreiben die Höfe, die mit insgesamt neun Beschäftigten und zwei Lehrlingen bewirtschaftet werden, eine schwarze Null."

Der Optikermeister hat die Zahlen jederzeit im Griff. Die Mitarbeiter müssen hellwach sein. Entscheidungen fällt Fielmann schnell und auch noch spätabends. Seine Fragen sind kurz und knapp. Unpräzise Antworten kontert der ungeduldige Unternehmer mit scharfer Ironie.

Scharf reagiert der 61-Jährige auch bei Fragen zur Massentierhaltung oder der Massentötung. Wenn Tiere zur "Marktstützung" entsorgt werden wie "abgelaufene Konservendosen", ist das für ihn ein nicht nachvollziehbarer Frevel. Fielmann: "Die uns anvertrauten Tiere haben einen Anspruch darauf, anständig gehalten zu werden."Da Fielmann die Massentierhaltung strikt ablehnt, züchtet er neben der Fleischrasse Limousin alte Haustierrassen als Genreserve, wie die vom Aussterben bedrohten Kärntner Brillenschafe. Ihm gehört die zweitgrößte Herde auf der Welt.

Ökologisch hat sich der Vorstandsvorsitzende der mit 1,5 Mrd. Mark Umsatz größtem europäischen Optik-Filialkette schon lange engagiert. Seit Jahren lässt Fielmann jedes Jahr für jeden Mitarbeiter einen Baum pflanzen, bisher schon mehr als 300 000 Bäume und Sträucher. Bäume sind für ihn mit ihrer Langlebigkeit Symbole des Lebens "Wenn ich einen Baum pflanze, pflanze ich Zuversicht für die nächste Generation".

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