Profil: Hasso Nauck ist Mehrheitseigner und Chef der Hanseatischen Chocolade GmbH
Der etwas andere Hanseat

Kurz vor Ostern hat er Hochkonjunktur. Aber auch sonst ist die Schokoladenfabrik von Hasso Nauck gut ausgelastet. Mit seinem hohen Qualitätsanspruch hat es der Bremer geschafft, den Absatz seiner Premiummarken "Hachez" und "Feodora" stetig zu steigern.

Der Mann liebt es, sich von der Menge abzuheben. Ganz dezent. Seine braunen Lederschuhe hat er mit poppig-roten Schnürsenkeln zugebunden. Ansonsten unterscheidet sich das Äußere von Hasso Nauck nicht von dem anderer, gestandener Geschäftsleute: blaues Hemd, Manschettenknöpfe, Sakko, schwarze Stoffhose. Was der Geschäftsführer der Hanseatischen Chocolade GmbH in Bremen mit seinen Marken "Hachez" und "Feodora" schaffen will, gilt auch für seine Person: den Spagat zwischen Tradition und Moderne - mit hohem Qualitätsanspruch.

"Hasso Nauck ist ein hanseatischer Kaufmann mit all den typischen Tugenden: Zuverlässigkeit, Zurückhaltung, Ehrlichkeit, Offenheit", sagt eine Geschäftspartnerin. Hinzu komme eine gewisse Eitelkeit, die jedoch nie übertrieben sei. Er leistet sich etwa eine Sammlung von Oldtimern, an denen er mit Freude selbst herumschraubt. Er schmückt sich damit, das er die Schokoladen-Verpackungen von Peter Schmidt, einem der angesehensten deutschen Designer, entwerfen lässt.

Und er leistet sich eine Schokoladenfertigung, die nur noch selten hier zu Lande zu finden ist. Passend zu seinem Qualitätsanspruch verarbeitet er den Rohstoff der Schokolade, die Kakaobohne, noch im eigenen Bremer Werk. Eine Woche vor Ostern läuft die Produktion auf Hochtouren. "Ostern ist ein Geschäft der letzten Minute. Viele Händler ordern noch kurz vor dem Fest", berichtet er aus der Praxis. Und zufrieden lehnt er sich in seinem Stuhl zurück. Nur selten versteckt sich Nauck im Gespräch hinter einer Fassade: Er ist offen und strahlt Lebensfreude aus. Bislang habe sein Unternehmen schon vier Prozent mehr als im vergangenen Ostergeschäft umgesetzt, sagt Nauck.

Auch damit grenzt er sich von vielen seiner Mitbewerber ab: Insbesondere die Großen der Schokoladenindustrie kämpfen mit sinkenden Umsätzen und Marktanteilen. Die Discounter machen Milka, Mars & Co. mit ihren Niedrigpreisen zu schaffen. "Qualität und eine hochwertige Anmutung sind unser Erfolgsrezept", sagt er. Damit habe er den Umsatz von Hachez und Feodora in den vergangenen zehn Jahren um die Hälfte gesteigert.

Seit 1990 sitzt er in der Geschäftsführung der 1890 gegründeten Firma, die sein Großvater mit Joseph Hachez aufgebaut hat. Seit mehr als drei Jahren ist er auch Eigentümer. Sein Partner in der Geschäftsführung, Wolf Kropp-Büttner, hält 40 Prozent der Anteile, er den Rest. Zur Höhe des Umsatzes schweigt er. Branchenkenner schätzen ihn auf etwa 120 Millionen Euro.

Der 51-jährige Nauck bezeichnet sich als Außenminister des Unternehmens, Kropp-Büttner kümmert sich um die Finanzen und Internes. Die Rollenverteilung entspricht seinem Naturell: Nauck ist herzlich, erzählt gerne und sagt seine Meinung geradeheraus. "Er ist zwar manchmal sehr direkt", sagt eine Mitarbeiterin. "Aber man weiß immer, woran man ist."

Der gebürtige Bremer liebt es, plastisch zu formulieren. "Dies hier war früher ein verschlafener Haufen", sagt er, wenn er an seinen Einstieg im Unternehmen zurückdenkt. "Ich habe das schlafende Dornröschen erst in eine wunderbare Prinzessin verwandelt." Geschäftspartner bezeichnen ihn als "den Chef im Hause, einen Macher." Eine ehemalige Mitarbeiterin des Designers Schmidt findet: "Er treibt das Unternehmen mit seinen Ideen voran." Auch wenn er von einem patriarchalischen Führungsstil nichts wissen will, bestätigt er: "Es passiert nichts gegen meinen Willen. Schließlich muss ich es ja auch bezahlen." Aber, fügt er hinzu, vor jeder Entscheidung gebe es einen offenen Austausch mit seinem Team und Partner. "Bei uns hat der Erfolg viele Väter."

Der etwa 1,85 m große Mann hat vor seiner Zeit bei Hachez und Feodora als Marketingchef bei Milka gearbeitet, und neben den Vorteilen eines Konzerns auch die Unannehmlichkeiten kennen gelernt. "In großen Unternehmen kommen die Ideen häufig von oben. Bei uns gibt es dieses Higher-Pay-Judgement nicht", sagt er grinsend. Damit meint er das Prinzip, nach dem derjenige mit dem höchsten Gehalt immer Recht hat.

Der sympathische Bremer hat nicht nur Freunde in der Branche. Beim Pralinenmacher Leysieffer in Osnabrück heißt es etwa, Hachez habe die Idee, Schokolade in eine schwarze Verpackung zu stecken, von ihm geklaut. Er wolle keine Wettbewerber schlecht machen, entgegnet Nauck. Aber er lässt durchblicken, dass er den deutlich kleineren Konkurrenten nicht so ernst nimmt. Viel lieber versucht er, sich durch eigene Erfolge von anderen abzugrenzen, etwa mit der neuen Hachez-Erdbeerschokolade mit Pfefferkörnern. In der Marktforschung wäre das Produkt in jedem Fall durchgefallen, sagt Nauck. Für das eigene Unternehmen habe sich die Neuheit aber ausgesprochen positiv entwickelt.

Auch dazu fällt Nauck ein eigenwilliger Vergleich ein. Der Spagat zwischen Tradition und Moderne sei eine heikle Sache. Innovationen müsse man sehr behutsam angehen. "Schließlich darf man eine alte Oma auch nicht in einen Minirock stecken, ihr die Nägel rot lackieren und sie in eine Disco schicken. Dann läuft ihr der Mann weg. Ob sie einen Neuen in der Disco findet, ist sehr fraglich . . ."

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