PROFIL: Jan Berentzen ist Vorstandssprecher der Berentzen-Gruppe AG
Einer, der hoch hinauswollte

Jan Berentzen will Berentzen fit für den internationalen Wettbewerb machen. Aber nach den geplatzten Verhandlungen mit Eckes scheint dieses Ziel für Jan Berentzen in weite Ferne zu rücken.

HAMBURG. Vergangene Woche war die Welt für ihn noch in Ordnung. Mit zufriedener Miene nickte Jan Berentzen seinen Vorstandskollegen auf der Hauptversammlung der AG zu, als die Aktionäre der Dividendenkürzung zustimmten. Das Unternehmen müsse ein wenig "Speck" ansetzen, hatte er den Anteilseignern zuvor verkündet.

Die Gerüchte, Berentzen wolle diesen Speck nutzen, um die Alkoholsparte des größten deutschen Spirituosenherstellers Eckes zu übernehmen, wollte der 49-Jährige mit dem schütteren Lockenkopf nicht kommentieren. Mit ruhiger und unaufgeregter Stimme lehnte er jegliche Stellungnahme ab. "Ich bitte um Ihr Verständnis", sagte er den Aktionären in einem Ton, als würde er Fragen nach seinem Kontostand zurückweisen. Im kleineren Kreis ließ er jedoch durchblicken, dass Berentzen sich durch Akquisitionen weiter stärken will.

Doch dieser Traum ist für den Mann geplatzt, der nur Mitarbeiter einstellt, die wie er vollen Einsatz zeigen. An diesem Montag gab Eckes bekannt: Die Verhandlungen seien wegen unterschiedlicher Preisvorstellungen gescheitert. Das Unternehmen aus Nieder-Olm galt - nach Jahren der Branchenkonsolidierung - als letzter großer Übernahmekandidat in Deutschland. Jan Berentzen hätte so von heute auf morgen den Umsatz seines Unternehmens mehr als verdoppelt.

Noch immer lehnt der sonst gesprächsbereite Chef von rund 760 Mitarbeitern jeden Kommentar dazu ab und ist für Journalisten nicht zu erreichen. Auch wenn er noch im vergangenen Herbst zu Protokoll gegeben hat, dass sich Berentzen nicht unter Zugzwang befindet: Kein anderer hat die Expansion derart vorangetrieben wie er. Unter seiner Federführung hat das Unternehmen aus dem Emsland-Städtchen Haselünne die Strothmann Brennereien in Minden und die Dethleffsen Spirituosen KG in Flensburg übernommen sowie sich an der staatlichen, norwegischen Arcus A.S. beteiligt. Und jetzt hätte der Coup mit dem deutlich größeren Konkurrenten Eckes das größte Geschenk zu seinem 50. Geburtstag im Juni werden können.

Auf den ersten Blick wirkt der Vorstandschef kaum wie der große Eroberer, sondern eher blass und zurückhaltend. Geschäftspartner unterschätzen den Norddeutschen leicht, sagt ein Branchenkenner. Hört Berentzen zu, blickt er mit heruntergezogenen Mundwinkeln und lauernden Augen auf sein Gegenüber. Sobald er aber das Wort ergreift, gewinnt er an Ausstrahlung und an Charisma.

Der Vater von vier Kindern ist fest in seiner Heimatstadt Haselünne verwurzelt, wo seine Vorfahren das Unternehmen als Kornbrennerei im Jahre 1758 gründeten. In seiner Freizeit setzt sich der etwa 1,80 Meter große, schlanke Mann schon mal an die Orgel in einem örtlichen Altersheim. Außerdem ist er Landesvorsitzender und stellvertretender Bundesvorsitzender des Wirtschaftsrats der CDU. Wenn er sich erholen will, fährt er am liebsten an die Nordsee.

Auch gegenüber seinen Mitarbeitern und Aktionären zeigt er Bodenhaftung. Auf der Hauptversammlung entschuldigt er sich mehrmals für die englischen Begriffe in seiner Rede. Er übersetzt gängige Fachtermini und fügt schmunzelnd hinzu: "Es gibt ja nichts Neues, wofür es nicht einen markigen englischen Spruch geben würde." Das mag "Dienst am Kunden" sein - oder Taktik.

"Trotz aller Bodenhaftung verfügt Herr Dr. Berentzen über den notwendigen Weitblick", sagt ein Mitarbeiter. Berentzen beschreibt seinen Arbeitsstil als "pragmatisch in der Entscheidungsfindung und nah am Mitarbeiter und Kunden". Er kritisiere gerne, heißt es unter Kollegen. Er könne aber auch Kritik annehmen.

Trotz der Eckes-Schlappe ist sein Kampfgeist ungebrochen. "Unsere mittelständisch geprägte Branche hat viel zu lange nur um den eigenen Schornstein herum verkauft und nie die Mittel besessen, ihren Marken ein internationales Profil zu geben und gegen die großen Multis zu bestehen", sagte er kürzlich mit Blick auf internationale Marktführer wie Diageo oder Bacardi-Martini. So, als wolle er als einziger börsennotierter Schnapsbrenner in Deutschland mit gutem Beispiel vorangehen.

Insider meinen, dass sich Berentzen nun mit Nachdruck um das Weingeschäft kümmern wird. Der Konzernchef hatte vor kurzem wissen lassen, dass er in diesem Segment Potenzial sehe und mit internationalen Partnern verhandle. Damit kommt Berentzen seinem Konkurrenten Eckes in die Quere. Der hatte am Montag ähnliche Pläne verlauten lassen. Der nächste Wettkampf kann also beginnen.

Quelle: Handelsblatt

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