Profil - Karl-Erivan Haub ist Deutschland- und Europa-Chef der Tengelmann-Gruppe
Karl-Erivan Haub: Der Sohn tritt aus dem Schatten

Mit harten Sanierungsschnitten hat der 41-jährige Sohn von Erivan Haub beim traditionsreichen Familienkonzern Tengelmann einen eindrucksvollen Turn-around geschafft.

DÜSSELDORF. Karl-Erivan Haub, Deutschland- und Europa-Chef der Mülheimer Tengelmann-Gruppe, beschreibt den eindrucksvollen Turn-around des fünftgrößten deutschen Lebensmittelhandelskonzerns am liebsten bildhaft: "Vor zwei Jahren lagen wir noch auf der Intensivstation, im vorigen Jahr kamen wir auf die Wachstation und mittlerweile befinden wir uns nur noch in ambulanter Behandlung."

In nüchternen Zahlen ausgedrückt bedeutet das: Tengelmann wird nach einem Verlust in dreistelliger Millionenhöhe in 1999/2000 im laufenden Geschäftsjahr 2001/2002 (30. Juni) wieder schwarze Zahlen schreiben.

Rückblende: Im September 1999 steckte der Familienkonzern in der schwersten Krise der Nachkriegszeit. Vor allem bei den 1350 Supermärkten der Marke Tengelmann und Kaiser?s Kaffee sowie in den 3 500 Plus-Discountern schrieb das 125 Jahre alte Traditionsunternehmen rote Zahlen.

Zwar hatte die Familie schon Jahre früher erkannt, dass Tengelmann in einen gefährlichen Abwärtssog geraten war. Doch erst 1999 war der Leidensdruck offenbar so groß, dass die Familie Haub, die die Unternehmensgruppe mit sozialem Engagement und Verantwortung für "ihre Mitarbeiter" geführt hatte, an tiefen Einschnitten nicht mehr vorbeikam. Damals musste Firmenpatriarch Erivan Haub Geld aus seinem Privatvermögen zuschießen, so ernst war die Lage.

Aber nicht Vater Haub, der Tengelmann Jahrzehnte dominierte, sondern sein ältester Sohn Karl-Erivan sollte gemeinsam mit dem Ex-Wella-Manager Peter Zühlsdorff den schwierigen Sanie rungsjob in Deutschland und Europa übernehmen. Die Führung der US-Tochter A & P hatte Karl-Erivans jüngerer Bruder Christian Haub bereits ein Jahr zuvor übernommen.

"Wir sind damals durch alle Tiefen gegangen", berichtet Karl-Erivan Haub heute. "Wenn Sie das Schlimmste erlebt haben, dann kommt einem alles andere nicht mehr so schrecklich vor", lautet die Lebenseinstellung des 41-Jährigen.

Mehr als einmal musste Karl-Erivan Haub über seinen Schatten springen und die soziale Einstellung des Familienunternehmers der wirtschaftlichen Vernunft opfern: "Wir haben 1400 Filialen und sieben Milliarden Mark Umsatz abgegeben", listet er die harte Sanierungsarbeit auf. 25 000 Menschen sind aus dem Unternehmen ausgeschieden.

"Die härtesten Einschnitte", sagt Haub, "mussten wir bei den Supermärkten vornehmen." 500 von 1350 Filialen wurden zur Disposition gestellt, weil sie nicht mehr rentabel zu betreiben waren. Auch die gesamte Führungs- und Entscheidungsstruktur des Familienunternehmens wurde verändert.

Die Zufriedenheit darüber, dass es ihm und Zühlsdorff gelungen ist, die nicht mehr zeitgemäßen Strukturen aufzubrechen, ist aus seiner Stimme deutlich herauszuhören. Der in der Öffentlichkeit eher bescheiden auftretende Manager verschweigt aber auch nicht, welch hohen Anteil der familienfremde Manager Zühlsdorff, der in seiner Zeit bei Wella mit den spezifischen Problemen eines Familienunternehmens hautnah in Kontakt kam, an dieser Arbeit hat.

In nur zwei Jahren ist die Wende geschafft. Daran, dass der Turn-around so schnell gelingen werde, hat Haub selbst nicht immer geglaubt. Bei den Supermärkten sieht er in diesem Jahr schwarze Zahlen in greifbarer Nähe, beim Discounter Plus erwartet er 2002 die Rückkehr in die Gewinnzone. Eines bereitet ihm aber besondere Genugtuung: Dass er alle Kritiker, die Tengelmann schon in der Pleite gesehen hatten, eines Besseren belehrt hat.

Karl-Erivan Haub ist ein Mann der Praxis. Er sieht seine Aufgabe als Handelsmanager nicht nur am Schreibtisch, sondern auch in den Geschäften. Immer wieder durchstreift er die Filialen, eine Kappe zur Tarnung tief ins Gesicht gezogen, weil er nicht von den Mitarbeitern erkannt werden will.

Für ihn ist es wichtig, die Geschäfte mit den Augen des Kunden zu sehen. "Ich spreche gerne mit Menschen", sagt er und findet es einfach faszinierend, dass sich "jeden Tag weltweit fünf Millionen Verbraucher entscheiden, bei uns einzukaufen".

Und wenn Kunden sagen, beim Discounter Plus kann man wieder gut einkaufen oder wenn sie den neuen Auftritt der Drogeriekette KD und die Preiswürdigkeit loben, dann sieht er darin die Bestätigung, dass Tengelmann sein verstaubtes Image abgelegt hat.

Eines ist gewiss: Vater Erivan wird stolz sein auf seinen Sohn.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%