Profil: Karl-Gerhard Eick ist Finanzvorstand der Deutschen Telekom
Karl-Gerhard Eick: Der Handlungsreisende in Sachen T-Aktie

Finanzvorstand bei der Deutschen Telekom zu sein, ist ein bisweilen undankbares Geschäft. Hohe Schulden und Aktien-Verkäufe erschweren das Leben.

Autos, Bestecke, Pillen - und jetzt eben Telefonate. Für Karl-Gerhard Eick ist der Wechsel in eine fremde Branche eine ziemlich leichte Übung. "Die Betriebswirtschaft ist doch überall gleich", sagt der Finanzvorstand der Deutschen Telekom, wenn sich wieder einmal jemand über die bunte Karriere des 47-Jährigen wundert: die Lehrjahre bei BMW im Controlling, 1989 der Wechsel aus der Großstadt München nach Geislingen zum mittelständischen Besteckhersteller WMF. Weiter geht?s 1991 zu Carl Zeiss nach Oberkochen und 1993 nach Stuttgart zum Arzneimittelgroßhändler Gehe AG. Dort ist er Finanzvorstand in der Zeit, als Gehe sich internationalisiert. Die Finanzmarkterfahrung ist dann auch der Grund für Telekom-Chef Ron Sommer, Eick anzuwerben.

Eigentlich sei für ihn die Telekom erstmals ein Unternehmen, bei dem es deutlich anders zugehe als anderswo, findet Eick. Das liege nicht nur daran, dass sie bis vor sechs Jahren Teil der Behörde Bundespost gewesen sei. Das gelte auch für den Börsenauftritt. Mit der von Eick geschätzten, "normalen Betriebswirtschaft" lassen sich weder der Boom der T-Aktie bis März 2000 noch der tiefe Absturz der Volksaktie ausreichend erklären.

Als Eick im Januar vergangenen Jahres den langjährigen, erfolgreichen Finanzvorstand Joachim Kröske ablöste, wunderte er sich: zunächst über die Börsen-Euphorie für Technologiewerte und dann über den Kurs der T-Aktie, der durch die Übernahmeschlacht um Mannesmann auf 104 Euro hochschoss.

Diese Euphorie war aber schnell wieder vorbei. Seither arbeitet der Ulmer Schwabe mit den stets akkurat nach hinten gekämmmten, dunklen Haaren als Krisenmanager des Kursverfalls. Auf Roadshows, den Weltreisen zu internationalen Investmentbanken und Fondsgesellschaften, muss Eick immer wieder erklären, wie er die fast 70 Milliarden Konzernschulden wieder abtragen will und welche Chancen er im UMTS, dem Mobilfunk der Zukunft, sieht.

Je kritischer die Fragen seiner Gesprächspartner sind, desto mehr redet sich Eick in Begeisterung für die Telekom. Der konservative, deutsche Finanzvorstand im schwarzen Anzug und blütenweißen Hemd, der sich stundenlang über Firmenwertabschreibung auslassen kann, verwandelt sich in solchen Momenten in einen engagierten Mobilfunk-Visionär. Ein banales Produkt, Klingeltöne zum Herunterladen aufs Handy, habe in Japan einen Milliardenmarkt geschaffen, argumentiert er dann, und mit seiner Begeisterung klingt der schwäbische Akzent auch im Englischen stärker durch.

Doch immer, wenn Eick nach tagelangen Roadshows gerade glaubt, das Schlimmste sei überstanden für den T-Aktienkurs, erlebt er die nächste böse Überraschung. Der Sommerurlaub mit Frau und Sohn an Sardiniens Stränden hatte gerade begonnen. Da erreichte ihn die Nachricht, dass die Deutsche Bank durch ihren Verkauf von 44 Millionen T-Aktien den Kurs zum Absturz gebracht hatte. Die Erkenntnis: Der Rückfluss jener Aktien, mit denen die Telekom die Aktionäre ihrer englischen Tochter Voicestream bezahlt hatte, lässt sich nicht steuern. Es strömten sehr viel mehr Aktien auf den Markt, als Eick angedeutet hatte. Seit vergangenem Wochenende führt er Sonera als Beispiel dafür an, dass T-Aktien noch gefragt sind. Der finnische Konzern sorgte mit dem vorzeitigen Verkauf der Telekom-Papiere für Schlagzeilen.

Ron Sommer habe getobt, als der Kurs vor drei Wochen einbrach. Der Finanzchef jedoch sei gerade mal "verärgert" gewesen über die Deutsche Bank, erzählen Mitarbeiter: "So richtig wütend wird der nicht." Vielleicht weil Eick für Ausgleich sorgt zum Berufsstress. Morgens geht der Frühaufsteher joggen. In seinem weiß gehaltenen Penthouse in Köln spielt er abends gerne auf seinem Steinway-Flügel.

Auf Ärger reagiert Eick im Kontrast zum impulsiven Sommer eher unterkühlt. Auf Roadshows lässt er sich gerne von Mitarbeitern befreundeter Banken vorab über die Interessen seiner Gesprächspartner informieren. Als sich kürzlich einer dieser Banker nur in Allgemeinplätzen erging und keine Antworten auf Nachfragen wusste, klang Eicks Stimme plötzlich eisig, und die ganze Körperhaltung drückte aus: Sie verschwenden hier nur meine Zeit. Mitarbeiter seines Investor-Relations - Teams halten Eicks Kritik zumeist für fair.

Nach den jüngsten Kursturbulenzen setzt Eick wieder auf Zahlen. Bei der Vorlage der Halbjahres-Bilanz heute in Berlin ist er in seinem Element: der ganz normalen Betriebswirtschaft.

Donata Riedel ist Handelsblatt-Korrespondentin in Berlin.
Donata Riedel
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