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Lakhdar Brahimi: Bürgerkriege sind sein Metier

Der Uno-Diplomat Lakhdar Brahimi liebt die vertrackten politischen Konstellationen. Je komplizierter die Lage, desto besser. Bürgerkriege sind sein Metier. Jetzt soll der 67-jährige Algerier wieder einmal die Kastanien aus dem Feuer holen. Bei der Afghanistan-Konferenz auf dem Petersberg bei Bonn spielt der Uno-Beauftragte eine Schlüsselrolle. Er muss die divergierenden und ethnisch bunt zusammengewürfelten afghanischen Parteien unter einen Hut bekommen. "Brahimi ist der wichtigste Mann in diesem Prozess", heißt es in Berliner Regierungskreisen.

WASHINGTON. Das Erfolgsrezept Brahimis lautet: reden, reden, reden. So reiste der Chef-Krisenmanager der Uno Ende Oktober für zwei Wochen nach Afghanistan, Pakistan und in den Iran. Er sprach mit den verschiedenen politischen Gruppierungen in Kabul, hörte aber auch die Meinungen der Regierungen in Islamabad und Teheran. "Entscheidend ist, dass alle Fraktionen eingebunden werden", erklärt er. "Auch die Nachbarstaaten haben legitime Interessen."

Brahimis wichtigster Rohstoff ist die Zeit. "Wir sind für alle Optionen offen und haben es überhaupt nicht eilig", umschreibt er sein Verhandlungsmotto. Die Uno will Brahimi bei der Suche nach einer politischen Lösung möglichst heraushalten. "Die Vereinten Nationen werden humanitäre Hilfe leisten und den Wiederaufbau koordinieren", meint der gelernte Jurist und Politologe. "Aber die Entwicklung der staatlichen Organe ist Sache der Afghanen."

Brahimi gilt als diplomatische Allzweckwaffe. Von 1994 bis 1996 diente er als Uno-Repräsentant auf der von Unruhen gebeutelten Karibik-Insel Haiti. Zuvor war er in Südafrika tätig. Brahimi leitete die Uno-Beobachtungskommission bis zu den Wahlen 1994, aus denen Nelson Mandela als Sieger hervorging. Weitere Missionen führten ihn nach Zaire, Jemen und Liberia.

Von 1991 bis 1993 war Brahimi algerischer Außenminister. Zuvor hatte er sieben Jahre als stellvertretender Generalsekretär der Arabischen Liga gearbeitet. Von 1989 bis 1991 vermittelte er im Libanon. Mit seiner beharrlichen Moderation trug er zum Ende des Bürgerkrieges bei. Brahimi hat in Algerien und Frankreich studiert. In Paris unterstützte er heimlich die Algerische Nationale Befreiungsfront, die 1962 die Unabhängigkeit des Landes erkämpfte.

Brahimi gilt als moderner Muslim

Brahimi, für den ein 16-Stunden-Tag die Regel ist, gilt als moderner Muslim. Ihm wird zugetraut, selbst eine so heikle Aufgabe wie die Lösung der Afghanistan-Krise zu bewältigen. Seine Geduld und sein emsiges Wirken im Hintergrund bauten Brücken zwischen den verschiedenen Parteien, heißt es.

Gelegentlich stößt jedoch selbst der unermüdliche Algerier an seine Grenzen. Von 1997 bis 1999 versuchte er schon einmal im Auftrag der Uno, die zerstrittenen Parteien in Afghanistan an einen Tisch zu bekommen. Das Unternehmen scheiterte. Auf die Frage, warum er den Job überhaupt angenommen habe, antwortete er seinerzeit: "Weil ich so verrückt genug bin, das zu machen. Sonst hätte sich doch niemand dazu bereit erklärt."

Michael Backfisch
Michael Backfisch
Handelsblatt / Korrespondent
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