PROFIL
Loewe-Chef Rainer Hecker ist Star der deutschen Fernseher-Macher

Rainer Hecker hat den seit 1999 börsennotierten TV-Hersteller Loewe mit Erfolg auf Luxus getrimmt. Die Franken sind der Konkurrenz im eigenen Land meilenweit voraus.

Rainer Hecker ist erfolgreich. Verglichen mit den meisten deutschen Fernseher-Machern, sogar sehr erfolgreich. Während die lokalen bayerischen Konkurrenten Schneider und Grundig nur knapp der Pleite entgangen sind, steuert der Chef der Kronacher Loewe AG den fränkischen Unterhaltungsgeräte-Hersteller von einem Rekord zum nächsten.

Heckers Erfolgsrezept lässt sich auf einen einfachen Nenner bringen: Luxus. Loewe-Fernseher kosten im Schnitt weit über 2 000 Mark und sind damit mehr als 1 000 Mark teurer als der Durchschnitt aller anderen in Deutschland verkauften Geräte. In der Luxusklasse wirken sich konjunkturelle Schwankungen offenbar nicht so stark aus, auch wenn die Absatzdynamik von Loewe im ersten Halbjahr 2001 etwas nachgelassen hat.

Loewe bedient fast ausschließlich die betuchte Kundschaft. Und deshalb fällt es dem studierten Wirtschaftsingenieur Hecker auch in Zeiten der Globalisierung nicht schwer, seine auch optisch ansprechenden TV-Geräte samt und sonders in Kronach bauen zu lassen. "Wir sind der größte Arbeitgeber am Ort", freut sich der vor 57 Jahren im Elsass geborene Hecker. Er setzt sich in zahlreichen Verbänden und Vereinen für seine Wahlheimat ein, weil "wir eine soziale Verantwortung für die Region haben".

19 Jahre steht der ehemalige Philips-Manager in Diensten von Loewe und hat dabei - wie er offen zugibt - auch schlechte Zeiten erlebt. Bis Mitte der Neunziger schrieb die damalige Loewe Opta GmbH rote Zahlen, es gab etliche Eigentümerwechsel. Erst als der Vorstand, dessen Vorsitzender Hecker seit 1990 ist, gemeinsam mit Finanzinvestoren die Firma übernahm, wurde es besser. Der Börsengang im Sommer 1999 war Heckers bislang größter Erfolg. Noch immer hält er 20 Prozent der Loewe-Aktien, weshalb er im Gegensatz zum angestellten Manager "eine verstärkte innere Bindung" an das Unternehmen habe.

Das hat sich auch bei der Wahl des Wohnsitzes ausgewirkt. "Nur fünf Minuten mit dem Auto und zehn Minuten zu Fuß" dauere es von ihm zu Hause ins Büro, betont Hecker. Die geringe Differenz zwischen beiden Fortbewegungsarten mag damit zusammenhängen, dass er jeden zweiten Morgen eine Dreiviertelstunde joggt. Und am Wochenende tritt der "von Jugend an begeisterte Radsportler" oft in die Pedale.

Gleichwohl: Im Interesse seines Unternehmens muss Hecker dafür sorgen, dass die Menschen möglichst viel Zeit vor dem Fernseher verbringen. "Durch die Vernetzung der elektronischen Geräte im Haushalt", glaubt er, "ergeben sich attraktive Möglichkeiten." Mit Fernbedienung und Fernseher sollen die Menschen künftig vom Licht im Hausflur bis zum Schleuderprogramm der Waschmaschine den gesamten Haushalt steuern können.

"Die Konsumelektronik wird ihren Beitrag zur Informationsgesellschaft leisten", ist Hecker überzeugt, der auch Aufsichtsratschef der deutschen Gesellschaft für Unterhaltungselektronik ist - des Veranstalters der Internationalen Funkausstellung, die an diesem Samstag in Berlin die Tore öffnet.

Loewe hat es geschafft, das Internet in den Fernseher zu bringen. Am Markt hat sich der High-Tech-Apparat freilich noch nicht durchgesetzt: Nur ein Prozent aller Loewe-Käufer entscheiden sich für die Neuentwicklung. Schicke Loewe-Läden wie die neue Galerie auf der Berliner Prachtmeile "Unter den Linden" sollen weltweit eine vermögende Klientel für die innovative Technik begeistern.

Für Rainer Hecker gilt in der täglichen Arbeit am Schreibtisch in Kronach nur eine Maxime: "Nichts ist so gut, dass es nicht verbessert werden könnte."

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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