Profil: Lothar Mark ist Chef der Gontard & Metallbank
Lothar Mark: Der völlig untypische Bankier

Lothar Mark ist gegenwärtig wahrlich nicht um seinen Job zu beneiden: Die Krise am Neuen Markt sowie Gerüchte um Insiderhandel und Prospektbetrug machen dem Chef der kleinen Frankfurter Bank Gontard & Metallbank das Leben schwer.

FRANKFURT.bLothar Mark hat es nicht leicht. Denn der Chef der Frankfurter Gontard & Metallbank (G &M), eigentlich ein Wertpapierexperte, betätigt sich derzeit vor allem als Seelenklempner. Er muss seine Mitarbeiter beruhigen, die um ihren Job bangen. Er muss seine Kunden von der Seriosität seines Hauses überzeugen. Gerüchte behaupten, G &M habe Insiderhandel betreiben und Prospektbetrug begangen. Und er muss seine Aktionäre besänftigen, die mit dem Papier viel Geld verloren haben.

G &M, die 1999 aus der Fusion der beiden Traditionshäuser Heinrich Gontard & Co. AG und der Metallgesellschafts Metallbank GmbH-Tochter entstand, hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Emissionshäuser am Neuen Markt entwickelt.

Dessen Krise trifft die Bank nun voll: Sie schreibt rote Zahlen. Seit März 2000, dem Hochpunkt der New-Economy-Euphorie, hat das Papier erheblich an Wert eingebüßt: um rund 80 Prozent auf aktuell nur noch vier Euro.

Das lässt den Zweimetermann natürlich nicht kalt. Doch wie es so Marks Art ist, beginnt er ohne viel Federlesens mit dem Aufräumen: "Wir sind keine Kopf-in- den-Sand-Stecker." Zum einen verordnete er G &M eine wahre Rosskur. Kosten sollen stark gekürzt werden, damit die Bank im kommenden Jahr wieder schwarze Zahlen schreibt. Typisch für Mark ist, dass er nicht einfach Maßnahmen anordnet, sondern am Wochenende gemeinsam mit den Angestellten Verbesserungsvorschläge und-möglichkeiten diskutiert.

Zum anderen blickt er weit in eine hoffentlich bessere Zukunft. Dann sieht er für die "moderne Privat- und Investmentbank viele, viele Deals auf der Straße" liegen. Er gibt zu, dass man nun, im Nachhinein, darüber streiten könne, ob es richtig war, G &M so stark auf den Neuen Markt auszurichten. "Aber sonst wüsste ich nicht, ob es uns überhaupt noch gebe", sagt Mark.

Einen neuen Schwerpunkt soll die Vermögensverwaltung bilden. Beim Aufbau dieser Sparte hofft er, seine zahlreichen Kontakte zu Unternehmern des Neuen Marktes spielen lassen zu können. Gleichwohl sieht die aktuell schwierige Lage nüchtern: "Wir haben in den vergangenen Jahre sehr gut verdient, nun müssen wir wieder etwas zurückgeben."

Das nötige Ventil für den anstrengenden Bank-Job verschafft sich Mark mit seiner Kabaretttruppe, für die er nicht nur in der Frankfurter Region auf der Bühne steht, sondern nebenbei auch noch die Texte schreibt. Obwohl auch in seinem Hobby sehr erfolgreich - die letzten beiden Auftritte fanden vor rund 1 000 Besuchern statt - bleibt Lothar Mark bodenständig.

Deutschlandweite Veranstaltungen locken ihn ebenso wenig wie die Einnahmen. Diese kommen gemeinnützigen Zwecken in der Region Rodgau, wo Mark seine Wurzeln hat, zu Gute. Aber auch nur, wenn der Begünstigte sich ebenfalls anstrengt und die doppelte Summe des gespendeten Betrags selber aufbringt. Daneben engagiert sich Mark in seiner Freizeit stark für Behinderte. Er organisiert unter anderem den 24-Stunden-Lauf des Vereins "Gemeinsam mit Behinderten Rodgau".

Kabarettist, Wohltäter - Lothar Mark sprengt die Klischees des Bankiers in Nadelstreifen. Seine Karriere begann er als Lehrling bei der Volksbank in Rodgau, bevor er bei der WestLB, den Privatbankiers Delbrück sowie der Metallbank seine Liebe zum Wertpapierhandel entdeckte. Über die Geschäftsführung der Metallbank übernahm er schließlich den Vorstandsvorsitz der Gontard & Metallbank, obwohl sein Haus bei der Fusion vor gut zwei Jahren der kleinere Partner war.

Ganz verhehlen kann der zum Bankier gewandelte Börsianer seine Leidenschaft aber nicht. Stolz führt er den Besucher durch die Handelssäle von G & M, und da beginnen seine Augen zu leuchten. Die vielen Computerterminals sind zwar nicht unbedingt seine Welt, zu Hause fühlt er sich nur auf dem Parkett. Doch auch hier zeigt er sich nur noch selten. Wenn doch, kann es schon mal etwas länger dauern. Denn Mark kennt viele der aktiven Händler, mit denen er dann ein paar Worte wechselt.

Trotz des harten Windes der ihm im Moment ins Gesicht bläst, sein markantes Lachen ist ihm nicht vergangen. "Wer die Krise der Metallgesellschaft überstanden hat", sagt er, "den kann so schnell nichts umwerfen."

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