PROFIL Michael Kölmel, Gründer und Chef der Kinowelt Medien AG
Letzter Vorhang für den Herausforderer Kölmel

Michael Kölmel war angetreten, um es den ganz Großen im deutschen Filmgeschäft zu zeigen. Doch dem steilen Aufstieg des einstigen Börsenstars folgt nun der tiefe Fall.

Michael Kölmel ist abgetaucht. Das grelle Licht der Öffentlichkeit, in dem die meisten Medienmacher angeblich so gern stehen, meidet der 47-jährige Lockenkopf schon lange.

Seit Monaten versucht der Gründer und Vorstandschef der schwer angeschlagenen Münchner Kinowelt Medien AG hinter den Kulissen zu retten, was noch zu retten ist. Anfangs sogar mit Erfolg. Mal um Mal gelingt es ihm, seine größten Gläubiger, die Banken, hinzuhalten.

Doch nun hat sich der diplomierte Mathematiker offenbar verrechnet. Gestern musste Kölmel mitteilen, dass die niederländische Großbank ABN Amro ihre Kredite gekündigt hat. Auch die anderen Banken sind mit ihrer Geduld endgültig am Ende. Wenn nicht schnell ein Retter auftaucht - was höchst unwahrscheinlich ist -, muss Kölmel bald den bitteren Gang zum Konkursrichter antreten und der Neue Markt hätte eine weitere spektakuläre Pleite.

Sein Lebenswerk ist ohnehin zerstört. Michael Kölmels Karriere im Kinogeschäft beginnt 1984 in Göttingen. Er verkauft seinen VW Polo, leiht sich Geld von der Bank und kauft zusammen mit seinem Bruder Rainer die Rechte an dem Streifen "Gregory?s Girl".

Das Geschäft kommt allmählich auf Touren. 1987 zieht Kölmel in die Medienmetropole München um und baut im Schatten des unumstrittenen Marktführers Leo Kirch einen Handel für Filmrechte auf. Seinen Durchbruch schafft er 1996 mit dem Kinohit "Der englische Patient" - ein Millionengeschäft für Kölmel. Im Mai 1998 geht er mit seiner Kinowelt Medien AG an den Neuen Markt. Die Aktie schießt, dank des Medien-Booms, nach oben. Das Unternehmen mit einem Jahresumsatz von damals nur gut 200 Millionen Mark ist an der Börse bald Milliarden Euro wert.

Kölmel, in Karlsruhe geboren, hat plötzlich einen Namen in der Branche. Zwar strafen die etablierten Filmhändler wie Leo Kirch oder Herbert Kloiber den Emporkömmling weiterhin mit Geringschätzung. Doch Kölmel sonnt sich im Erfolg. Einmal mietet er für eine Filmpremiere das Hauptgebäude der Münchener Ludwigs-Maximilians-Universität in München und feiert mit viel Pomp und vielen Filmgrößen ein rauschendes Fest. Dass der vorgestellte Streifen "Sunshine" schnell zum Flop wird, kümmert kaum jemanden.

Das Rad, das Kölmel dreht, wird immer größer. Der Mann, der oft durch seine Sprunghaftigkeit auffällt, engagiert sich bei Kinoketten und im Merchandising. Er steigt in den Sportrechtehandel ein und gründet ein weiteres Unternehmen: Sportwelt, das sich an zweit- und drittklassigen Fußballclubs beteiligt. Auch an den Rechten für die Fußball-Bundesliga zeigt Kölmel kurzzeitig Interesse. Schließlich will er sogar ins Fernseh-Geschäft einsteigen und einen eigenen TV-Sender gründen.

Im August 1999 schließlich kauft er für deutlich über 500 Millionen Mark vom US-Hollywood-Studio Warner ein riesiges Filmpaket. Dabei überbietet der Kinowelt-Chef sogar den mächtigen Leo Kirch - ein verhängnisvoller Fehler, wie sich bald herausstellt. Denn von da an boykottiert ihn sowohl die Kirch-Gruppe (Pro 7, Sat 1, Kabel 1, Premiere) als auch der RTL-Konzern. Die Folge: Kölmel verkauft kaum Filme aus dem teuren Warner-Paket und bleibt auf den hohen Kosten, größtenteils kreditfinanziert, sitzen.

Dazu kommt, dass Kölmel kein Verkaufstalent wie etwa sein damaliger Kollege Thomas Haffa von EM.TV ist. Bei seinen Auftritten vor Analysten spricht der Kinowelt-Chef meist mit leiser und betont sanfter Stimme. Er wirkt zurückhaltend und unsicher, hat kein Charisma wie Haffa, der Anleger und Analysten mühelos in seinen Bann zieht. Auf der Hauptversammlung im Juni, als Kinowelt kaum noch zu retten ist, sitzt Kölmel deprimiert und in sich zusammen gesunken auf dem Podium. Kein Aufbäumen mehr, keine Hoffnung auf die Wende.

Denn auf seinem Unternehmen lasten inzwischen Schulden von mehreren hundert Millionen Mark. Anfang August verlässt Finanzvorstand Eduard Unzeitig das sinkende Boot.

Bald wird im Hauptquartier von Kinowelt wohl endgültig der letzte Vorhang fallen.

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