Profil: Paulus Neef ist Vorstand der Pixelpark AG
Einer, der nicht aufgibt

Er ist einer der letzten Ex-Stars der New Economy, die ihren Job behalten haben. Und Paulus Neef setzt weiter auf seine Firma Pixelpark. Doch schwarze Zahlen sind nicht in Sicht.

BERLIN. Andere wären froh, wenn sie es so weit geschafft hätten. Er ist 42 Jahre alt und Gründer sowie Chef einer mittelständischen Berliner Firma mit 230 Mitarbeitern. Aber Paulus Neef, einziger Vorstand der Multimedia-Agentur Pixelpark AG, hat schon viel bessere Zeiten erlebt: Gerade mal zwei Jahre ist es her, da beschäftigte er noch 1 200 Menschen, seine Firma war ein Vordenker im Internet, und seine Aktionäre jonglierten an der Börse mit Millionen.

"Wir sind zu krass expandiert", stellt Neef jetzt lakonisch fest und schickt - wie zur Entschuldigung - sein charmantes Lächeln hinterher. Schmal und zerbrechlich wirkt der diplomierte Medienberater heute, der einst mit Freunden in einem Berliner Hinterhof eine Internetfirma gründete und millionenschwer wurde. Jetzt ist Neefs Firma nur noch eine von vielen, die versuchen, Unternehmen handfeste Lösungen zu verkaufen, um in der IT-Sparte Geld zu sparen.

Handfest und bodenständig sieht der dunkelhaarige Sohn einer Spanierin und eines Deutschen nicht aus. Im offenen weißen Hemd, passend zum dunklen Designeranzug sitzt er da, faltet seine schmalen Hände und spricht mit angenehm leiser Stimme über seine Pläne. Pläne? Trotz der Firmenkrise und des schwierigen Marktes plant der Visionär munter weiter: Er habe jetzt den Mittelstand im Visier. Dem wolle er standardisierte Lösungen für Internet-Auftritte verkaufen, erläutert der Pixelpark-Chef.

Er kämpft also immer noch, der smarte Manager, der sich gern als "Mann mit Durchhaltevermögen" bezeichnet. Immerhin hat er länger ausgehalten als viele ehemalige Gründer von Neue-Markt-Firmen. Einige sitzen heute als Geschäftsführer in den Internet-Abteilungen großer Firmen und andere müssen sich vor Gericht wegen Bilanzfälschung verantworten. Aber erfolgreich ist Neef schon lange nicht mehr. Erst muss er Pixelpark wieder in die Gewinnzone führen.

Dennoch glaubt er weiter an die Firma. "Pixelpark ist sein Baby", sagen viele Mitarbeiter über den Mann, der mit einer Berlinerin verheiratet ist und keine Kinder hat. Für sie ist er offenbar nach wie vor die Schlüsselfigur des Unternehmens - auch für Pixelpark-Mehrheitsaktionär Bertelsmann. Dem talentierten Verkäufer Neef gelang es, den Medienkonzern zu überzeugen, noch einmal 3,2 Millionen Euro fließen zu lassen.

Wohl zum letzten Mal. Bertelsmann will seinen Anteil an Pixelpark von 60,3 auf 20 Prozent herunterfahren. Und den Verkauf der Anteile soll Neef selbst in die Hand nehmen.

Andererseits dürfte der Abschied von Bertelsmann für Neef eher eine Erleichterung sein. Denn die Versuche des Medienriesen, Pixelpark mit eigens aus der Zentrale entsandten Finanzvorständen in die schwarzen Zahlen zu führen, brachten keinen Erfolg und stifteten viel Unruhe. Auch der Plan, den Bertelsmann-Manager Jürgen Richter mit der Sanierung zu beauftragen, schlug fehl. Derweil hatte es Neef immer schwerer, sich in Gütersloh Gehör zu verschaffen, seit sein Fürsprecher, Ex-Vorstandschef Thomas Middelhoff, den Konzern verlassen hatte und Internet-Themen eher ein Reizthema sind.

Künftig muss Neef beweisen, dass Pixelpark ohne Bertelsmann besser funktioniert. "Sie können davon ausgehen, dass ich mich weiter extrem engagiere", sagt Neef. Seine Beteuerungen scheinen bei Analysten nicht anzukommen. Scharenweise haben sie die Pixelpark-Aktie aufgegeben, weil die Zahlen hartnäckig rot bleiben.

Doch der Unternehmensgründer lässt sich davon wenig beeindrucken. Er hat sich anscheinend den Slogan eines betriebsinternen Führungskräfteseminars zueigen gemacht: "Jetzt erst recht. Ich starte noch einmal durch". Der Kapitän bleibt also an Bord. Und wenn das Schiff sinkt? "Nee", sagt Neef, "so viel Realitätssinn habe ich allemal, dass ich nicht stumpfsinnig ein Titanic-Kommando führe". Aber er bleibt fast trotzig bei seinem Credo: "Pixelpark wird es schaffen".

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