PROFIL: Thomas Weber ist Forschungschef von Daimler-Chrysler
Schrempps Cheftüftler

Daimler-Chrysler leistet sich einenbesonderen Luxus: einen Forschungsvorstand. Thomas Weber ist kein Mann, der vom Schreibtisch aus regiert, sondern er ist viel vor Ort in den Labors.

STUTTGART. Das überwiegend in Grau und Weiß gehaltene Büro wirkt auf den ersten Blick unpersönlich. Nur ein sorgfältig geschichteter Aktenstapel auf dem Schreibtisch zeigt, dass hier gearbeitet wird. Kein Wunder, der neue Forschungschef von Daimler-Chrysler ist selten hier anzutreffen, im achten Stock des Vorstandshochhauses in Stuttgart-Möhringen. Vier Fünftel seiner Zeit ist er unterwegs. Thomas Weber, seit Anfang dieses Jahres im Amt, soll dafür sorgen, dass Daimler seine technologische Spitzenposition behält. Und dafür muss er engen Kontakt halten zu den Werken und Labors rund um den Globus. Kein anderer Autokonzern leistet sich einen obersten Forscher in Vorstandsrang. "Die Frage ist, ob sich dieser Luxus rechnet", merkt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Fachhochschule Gelsenkirchen kritisch an. "Eine Firma, die wie wir den Anspruch erhebt, Technologie- und Innovationsführer zu sein, muss dort investieren", kontert Weber, der fünfte Forschungs- und Technologievorstand bei Daimler.

Aber trotz aller Reisetätigkeit - für ein paar persönliche Noten hat Weber in seinem Büro inzwischen gesorgt. Aus der Daimler-Kunstsammlung hat er sich ein abstraktes Gemälde in starken Rot-, Blau- und Goldtönen ausgesucht. "Das Bild regt zu kreativen Ideen an", schmunzelt der schlaksige 48-Jährige und fügt hinzu: "Der eine sieht darin eine Uhr, der andere eine Kreiselpumpe."

"Ich bin lieber in den Labors", gesteht Weber und lehnt sich locker in seinem Sessel zurück. Das Jackett hat er gleich nach der Begrüßung abgelegt, wie es in der Welt der Ingenieure üblich ist. Und dorthin zieht es ihn, sooft es geht. Er diskutiert mit den Forschern vor Ort, wohin die Reise bei dem Stuttgarter Autokonzern gehen soll. Schon bei seinen früheren Aufgaben hielt es ihn oft nicht hinter dem Schreibtisch. "Der Doc kannte seinen Shop-Floor", bescheinigt ihm ein Betriebsrat aus dem Motorenwerk Bad Cannstatt, das Weber mit aufgebaut hat. Seine Herkunft hat den promovierten Ingenieur mitgeprägt. Mit 15 fing er "beim Daimler" erst einmal eine Lehre als Werkzeugmacher an und lernte "was Rechtes", wie sein Vater, ein Kfz-Meister, empfohlen hatte. Doch nicht nur das verschafft ihm Pluspunkte bei den Arbeitern. Weber gilt als offener, fairer Chef, und er beherrscht ihre Sprache - Schwäbisch.

Wie sind die Aufgaben zwischen ihm und seinen Kollegen bei den einzelnen Marken abgegrenzt? "Während der Entwicklungschef bei Mercedes Benz - die Autos verantwortet, die wir heute bauen, und an der nächsten Generation konkret arbeitet, denkt der Forschungschef schon über die Zeit später nach." Beide Seiten müssten dazu eng zusammenarbeiten, sagt er. Das klingt simpel. Doch seine Vorgänger mussten lernen, dass das nicht ohne Reibungsverluste abgeht.

Weber ist jetzt Herr über 1 600 Mitarbeiter in der Konzernforschung des fünftgrößten Autobauers der Welt. Insgesamt arbeiten 28 000 Mitarbeiter in Forschung und Entwicklung. Jährlich gibt Daimler sechs Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung aus. Da ist viel Koordinationsarbeit nötig. So lautet Webers Credo: Genaue Meilensteine setzen - ganz so, wie er es aus der Produktion und seiner Zeit als Leiter des A-Klasse-Werks in Rastatt gewöhnt ist. Bei einem Autokonzern gehe es "nicht um die Einsteinsche Theorie", merkt er flapsig an, sondern darum, Erkenntnisse zeitnah in Produkte umzusetzen. So will er die Entwicklung der Brennstoffzelle voranbringen.

Weber ist ein Treiber. Bei der Umsetzung von Zielen kann er ungeduldig werden. "Der eine oder andere wird es eher als negativ empfinden", räumt er ein. Als Pluspunkt sieht er seine Teamfähigkeit. Da habe er viel im Sport gelernt. "Als Ruderer im Vierer stellt man schnell fest, dass man nur so gut ist wie das Team."

"Weber mag große Ziele", bescheinigt ihm ein Betriebsrat. Wenn er sich mit seiner Mannschaft einen Marathon vorgenommen habe, müsse das Ziel auch erreicht werden. Aber er verlange keinen Spurt kurz vor dem Ende. Sport spielt für Weber immer noch eine wichtige Rolle. Der Vater einer Tochter und eines Sohnes ist auf das Rennrad umgestiegen und stolz auf die 3000 Kilometer, die er pro Jahr zurücklegt. Seine Führungskräfte vom A-Klasse-Werk in Rastatt haben ihm ein A-Klasse-Modell geschenkt. Darauf haben sie einen Mini-Fahrradträger mit Rennrad montiert. Es steht auf dem Fensterbrett in seinem Büro - und sorgt in dem grau-weiß gestylten Raum für eine persönliche Note.

Quelle: Handelsblatt

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