Profis legen Wert auf Risiko-Kennziffern – Privatanleger erlitten durch mangelnde Gefahrenanalyse horrende Verluste
Anleger entdecken die Risikokontrolle

Rendite - nicht Risiko - stand lange Zeit im Fokus privater wie professioneller Investoren. Der Kurssturz machte vielen schmerzhaft klar: Vertrauen auf höhere Kurse ist gut, (Risiko-)Kontrolle ist besser.

FRANKFURT/M. Wenn Sal. Oppenheim sich um ein Mandat zur Vermögensverwaltung bewirbt, präsentiert die Kölner Privatbank ihr Angebot neuerdings mit einem Zusatz. Dort erläutert Oppenheim gesondert das Risiko, das mit einer Anlagestrategie verbunden ist. "Die Kunden erhalten sofort einen Eindruck, welche Wertschwankungen und Abweichungen vom Vergleichsindex sie ungefähr erwarten können", sagt Oppenheim-Banker Matthias Fäth. Er leitet die vor einem Jahr gegründete Gruppe Risikokontrolle bei der Anlagetochter von Sal. Oppenheim. Sie liefert mit Hilfe einer aufwendigen Software die nötigen Daten, um alle Risikopositionen der Oppenheim-Fonds zeitnah zu verfolgen.

In den Hochzeiten des Neuen Marktes interessierte sich kaum jemand für so komplexe Analysen. Rendite statt Risiko stand im Fokus. "Doch durch den Kurssturz hat der Begriff ?Risiko? eine ganz neue Bedeutung erhalten", sagt Christian Schlenger, Miteigner des Beratungshauses Alpha Portfolio Advisors in Bad Soden. Mittlerweile sei das Risikomanagement ein wichtiger Baustein zur Beurteilung von Investmentgesellschaften. Schlenger berät institutionelle Anleger wie Versicherer, Pensionskassen und Unternehmen bei der Auswahl ihres Vermögensverwalters.

Manche Großinvestoren und Investmenthäuser mussten teures Lehrgeld zahlen, weil sie Risikoaspekte sträflich vernachlässigten. Ein krasses Beispiel war die gerichtliche Auseinandersetzung zwischen dem US-Anbieter Merrill Lynch Investment Managers und Unilever. Der Lebensmittelriese forderte Schadenersatz, weil die Merrill-Fondsmanager seinen Pensionsfonds offenbar ohne Risikokontrolle vor die Wand gefahren hatte. In einem außergerichtlichen Vergleich zahlte Merrill vermutlich 70 Mill. Pfund. "Es gibt viele solcher Fälle, die aber nur selten öffentlich werden", sagt Portfolioberater Schlenger. Er wird oft von Institutionellen hinzugezogen, wenn ein Portefeuille sich schlecht entwickelt. Häufig sei mangelhaftes Risk-Controlling die Ursache, so Schlenger.

Auch Privatanleger haben im Börsensturz horrende Verluste erlitten. Dennoch können sie im Gegensatz zu den Profis mit Kennziffern wie Tracking Error und Beta wenig anfangen. "Kaum ein Kunde fragt nach solchen quantitativen Daten", sagt Eckhard Bergmann, Sprecher des größten deutschen Publikumsfondsanbieters DWS.

Bislang ist die quantitative Risikoanalyse eine Stärke der Vermögensverwalter, die vor allem Profis bedienen. Nach Einschätzung von Experten zählen hier Sal. Oppenheim und die Schweizer Credit Suisse Group zu den Marktführern. Die französische Gruppe Axa Investment Managers hat bereits vor zwei Jahren eine Risikomanagement-System eingeführt. "Damit erfassen wir mit nur einem Tag Verzögerung zentrale Kennziffern für jedes unserer Portefeuilles", sagt Franz Wenzel, Investmentstratege bei der Axa-Tochter in Paris.

So weit sind viele deutsche Anbieter noch nicht. Schlenger erwartet, dass sie in diesen Bereich massiv investieren werden. Denn: "Manchmal wissen die Fondsmanager selbst nicht genau, welches Risiko sie gerade fahren", sagt Schlenger. DWS-Sprecher Bergmann betont, sein Haus betreibe eine qualitative - im Unterschied zu quantitativen - Risikokontrolle. Statt auf Zahlen setze die DWS auf die laufende Überwachung der Anlage-Entscheidungen durch die Abteilungsleiter und Geschäftsführer des Portfolio-Managements. Dieser Ansatz erfordert indes eine starke Disziplin, sagt Berater Schlenger. "Wir halten es für besser, wenn eine eigenständige Risikoabteilung die Kontrolle ausübt und die Fondsmanager sich nicht selbst überwachen", fügt er hinzu.

Schlengers Rat: "Bei der Anlageentscheidung sollte der Risikoaspekt eine wichtige Rolle spielen. Man sollte sein Geld nur Vermögensverwaltern anvertrauen, die geeignete Kontrollsysteme installiert haben."

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