Profis reicht geplantes Regelwerk nicht aus: Die EU will es Unternehmen einfach machen

Profis reicht geplantes Regelwerk nicht aus
Die EU will es Unternehmen einfach machen

In Brüssel wird letzte Hand an eine europaweit geltende Vorschrift gelegt, nach der viele börsennotierte Unternehmen zum ersten Mal Quartalsberichte vorlegen oder ihre Halbjahresauskunft detaillierter gestalten müssen.

In Brüssel wird letzte Hand an eine europaweit geltende Vorschrift gelegt, nach der viele börsennotierte Unternehmen zum ersten Mal Quartalsberichte vorlegen oder ihre Halbjahresauskunft detaillierter gestalten müssen. Die neue Definition der Europäischen Union, wie ein Quartalsbericht künftig auszusehen hat, dürfte die US-Investoren überraschen, die an das dreimonatlich wiederkehrende Durchkämmen unendlicher Zahlenreihen gewöhnt sind.

Statt einer Gewinn- und Verlustrechnung, einer Bilanz und einer Aufstellung über den Cash Flow verlangt das reformierte EU-Regelwerk nur die Offenlegung der Umsatzzahlen und den Gewinn vor Steuern oder den Nettogewinn zusammen mit Vergleichsdaten nach drei und neun Monaten. Dies berichten mit dem Entwurf Vertraute. Im Halbjahresbericht soll zumindest eine verdichtete Version der drei Grundsätze der Rechnungslegung auftauchen, hieß es.

"Wenn dir nur zwei oder drei Zahlen präsentiert werden, kannst du nicht so schrecklich viel damit anfangen", sagt Neil Darke, Leiter des Research im Londoner Brokerhaus Collins Stewart. "Wen interessiert das?" Besonders in Großbritannien haben sich Investoren und Branchenvertreter wie die Londoner Börse am vehementesten gegen die Praxis der Quartalsvorlagen ausgesprochen. Sie setzen sich dafür ein, dass alle sechs Monate ein vollständiger Geschäftsbericht veröffentlicht wird. Unter den Kritikern ist auch die Porsche AG. "Das ist ja nur eine Absichtserklärung und noch kein Gesetz", sagt Unternehmenssprecher Immo Dehnert. "Bis 2005 sind es immer noch fast zwei Jahre."

Dann sollen die neuen Richtlinien in Kraft treten. Porsche hatte sich geweigert, der von der Deutschen Börse AG verlangten vierteljährlichen Auskunft nachzukommen, und war deshalb aus dem MDax geflogen. Die Autobauer hatten ihren Anti-Kurs damit begründet, dass die Unternehmensstrategie Vorrang habe; die Veröffentlichungspflicht von Quartalsergebnissen könnte Entscheidungen erschweren, die keine unmittelbaren Erfolge zeigten. Und: Hat die in den USA übliche Pflichtauskunft alle drei Monate etwa die Skandale um WorldCom, Enron, und jetzt Ahold verhindert? Selbst Befürworter der Quartalsberichte halten den EU-Entwurf für blutleer. "Wenn man wissen will, was bei einem Unternehmen vorgeht, braucht man einen vollständigen Bericht", sagt Rolf Drees, von der Fondsgesellschaft Union Investment.

Dem EU-Kompromiss waren Monate oft verbittert ausgetragener Wortgefechte vorausgegangen. Erhöhen die Quartalsberichte die Kosten für die Unternehmen? Wird das kurzfristige Denken der Investoren nur noch bestärkt? Die Verantwortlichen in der EU argumentieren, die angestrebte Auskunftsform erspare den Firmen finanzielle Belastungen und vermeide zudem die "Kurzsichtigkeit" der Anleger. Bisher herrscht in der EU alles andere als Vergleichbarkeit bei den Unternehmensergebnissen.

Die Profis verlangen von den europäischen Firmen eindeutig mehr Informationen - besonders zum Cash Flow. Einige fragen sich, warum man nicht gleich den ganzen Weg zum US-System der Bilanzierung gegangen ist, wenn man bis 2005 sowieso die International Accounting Standards (IAS) übernehmen will. Der Vorschlag zur Vereinheitlichung soll den Finanzministern bei ihrem Treffen am 7. März vorgelegt werden und muss dann vom Europäischen Parlament verabschiedet werden. "Die Absicht ist gut, denn der ganze Sinn der EU ist es, den Markt zu harmonisieren und zusammenzuführen. Aber es ist sicher noch ein langer Weg", sagt ein wohlmeinender Fondsmanager.

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