Profis unter Dopingverdacht
Fifa führt bei Fußball-WM EPO-Kontrollen ein

Der Fußball-Weltverband Fifa steht in der Dopingbekämpfung vor einem richtungweisenden Schritt. Michel d'Hooghe, belgischer Vorsitzender der Medizinischen Kommission, hat vor und bei der Weltmeisterschaft in Japan und Südkorea (31. Mai bis 30. Juni) Tests auf Erythropoietin (EPO) angekündigt.

sid MÜNCHEN. Das Blutdopingmittel, das im Radsport Karriere machte, erhöht durch die Vermehrung roter Blutkörperchen die Sauerstoffaufnahmekapazität des Blutes und damit die Ausdauerleistungsfähigkeit. Experten gehen davon aus, dass EPO auch im Profifußball angewendet wird.

Bisher ist zwar noch kein EPO-Fall bekannt geworden, aber die Fifa will - traumatisiert durch den Doping-Fall Diego Maradona bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 in den USA - auf Nummer sicher gehen. Bei der WM werden bei jedem Spiel jeweils zwei Spieler einer Mannschaft kontrolliert, die in der Halbzeit ausgelost werden. In der Vorbereitungszeit sollen zusätzlich unangemeldete Trainingskontrollen durchgeführt werden.

Möglich wurde die Erweiterung der Dopingkontrollen durch die Entwicklung in einem französischen Labor, das den Nachweis von EPO nur durch Urin-Proben und nicht, wie bisher, durch eine kombinierte Blut- und Urin-Probe erlaubt. Blutproben lehnt die Fifa weiter ab, das Internationale Olympische Komitee (IOC) dagegen die in Frankreich entwickelten Urintests.

Ein logistisches Problem hat auch die Fifa bisher noch nicht gelöst: EPO-Proben zu analysieren ist zeitaufwendig, und es gibt auf der Welt bisher nur sieben Labors, die die Analysen durchführen können. Sie befinden sich in Lausanne, Barcelona, Paris, Oslo, Los Angeles, Montreal und Sydney - alle weit weg von Japan und Südkorea.

Dies kann dazu führen, dass ein positiv getesteter Spieler beim nächsten Match noch gar nicht als Dopingsünder feststeht und erst zur übernächsten Begegnung aus dem Verkehr gezogen werden kann. Da sind juristische Konsequenzen nicht auszuschließen. Michel d'Hooghe: "Das ist sicher einer der Schwachpunkte der Kontrollen. Wir versuchen, die Ergebnisse bis zum nächsten Spiel zu bekommen, doch selbst, wenn das nicht gelingen sollte, ist das für mich kein Argument, auf die Tests zu verzichten."

Auch medizinisch sind die Grenzwerte bei EPO-Missbrauch weiter umstritten - wie bei dem Anabolikum Nandrolon. Es mehren sich seriöse Stimmen, welche die Möglichkeit der körpereigenen EPO-Produktion höher ansetzen als es die Schulmedizin bisher für möglich hält. Das würde dann auch die bisherigen Grenzwerte, bei denen von Doping ausgegangen wird, in Frage stellen. Michel d'Hooghe: "In Italien gibt es viele Spitzenspieler, die unter dem Verdacht stehen, Nandrolon-Missbrauch betrieben zu haben. Sie beteuern aber ihre Unschuld. Wir stehen da vor einem juristischen Problem." Nicht auszudenken, Maradona wäre unschuldig gewesen und hätte die Fifa auf Rufmord und entgangene Prämien verklagt.

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