Profiteure des Wiederaufbaus: Den Willigen winkt Belohnung

Profiteure des Wiederaufbaus
Den Willigen winkt Belohnung

Wer früh zur "Koalition der Willigen" zählte, darf jetzt auf die Belohnung hoffen: Aufträge zum Wiederaufbau des Iraks. Neben Italien und Spanien erwartet vor allem das kleine Dänemark große Vorteile.

DÜSSELDORF. "Wer sich in der Koalition der Willigen engagiert hat, wird davon profitieren. Wer sich gesperrt hat, wird die entgegengesetzte Behandlung erfahren." Auf diese Weise definiert John Hulsman vom regierungsnahen Washingtoner Think Tank Heritage Foundation im "Corriere della Sera" die Politik der USA. Es geht nicht nur um humanitäre Hilfe, sondern um handfeste Aufträge zum Wiederaufbau. Für Spanien und Dänemark sind das positive Nachrichten, schließlich war an ihrer Treue zu Amerika nie zu zweifeln. Auch Italien ist sicher, entsprechend bedacht zu werden, obwohl die Regierung Berlusconis aus Rücksicht auf die öffentliche Meinung während des Krieges still war.

In Spanien geht man davon aus, dass das Land eine zentrale Rolle beim Wiederaufbau spielen wird. "Vor allem die Baubranche und der Energiesektor befinden sich in einer privilegierten Situation", vermutet Rafael Pampillón von der Madrider Business-Schule Instituto de Empresa. Bereits vor Kriegsbeginn bescheinigte die Investmentbank Merrill Lynch vor allem den Baukonzernen Dragados, ACS und Ferrovial gute Aussichten auf Aufträge.

Angeblich fürchten spanische Unternehmen aber wegen der vehementen Ablehnung des Kriegs in der Bevölkerung um politischen Rückhalt, berichtet die Wirtschaftszeitung "Expansión". Die Regierung verweist darauf, dass es zu früh sei, über konkrete Aufträge zu reden, so lange die Bedürfnisse des Iraks noch gar nicht im Detail fest stünden. "Expansión" zitierte einen Unternehmer mit den Worten, die Regierungspartei habe sogar "schreckliche Angst davor, vom Wiederaufbau zu reden". Madrid hat sich bislang jedenfalls bemüht, den Eindruck zu vermeiden, es gehe dem Land um wirtschaftliche Interessen. "Spanische Unternehmen machen keine Geschäfte mit Blut", sagte Vizepremier Mariano Rajoy.

Italien hat für die am Dienstag getroffene Entscheidung, 3 000 Soldaten zum Wiederaufbau an den Tigris zu schicken, postwendend Lob aus den USA erhalten. Gute Chancen auf Aufträge rechnet man sich in Rom auch deshalb aus, weil Unternehmen wie Ansaldo, Agip und vor allem der Energiekonzern Eni seit Jahren im Irak aktiv sind. Italien hat traditionell enge wirtschaftliche Kontakte in arabische Länder. "250 italienische Unternehmen sind beim Öl-für-Lebensmittel-Programm im Irak aktiv, ihnen wird nun eine Schlüsselrolle zukommen", erklärt Außenhandelsminister Adolfo Urso. Italien ist der viertgrößte Handelspartner des Iraks.

Für Spanien wie für Italien geht es nicht um Direktaufträge, sondern um Subverträge mit US-Konzernen. Italien kann dabei von eingespielten Geschäftsbeziehungen mit US-Firmen wie der Bechtel- Gruppe profitieren, die vor dem Zuschlag für den Wiederaufbau der zivilen Infrastruktur steht.

Der dänische Beitrag zur "Koalition der Willigen" bestand aus einer Korvette und einem U-Boot mit zusammen rund 180 dänischen Soldaten. Dafür wird das Land nun belohnt: Die USA haben Dänemark gebeten, die Leitung der internationalen Ordnungskräfte in Irak zu übernehmen. Ein dänischer Gesandter soll Mitglied der Übergangsverwaltung werden, und die dänische Industrie kann sich über gut dotierte Aufträge freuen.

Allen voran Dänemarks größter Konzern A.P. Møller. Zum Konglomerat zählt die weltgrößte Containerreederei Maersk Sealand, die, wie schon beim ersten Golfkrieg mit mehr als 50 Schiffen bereits tausende US-Soldaten in die Region transportiert hat. Jetzt rechnet Konzernchef Jess Søderberg damit, dass sein Unternehmen beim Wiederaufbau der irakischen Ölindustrie beteiligt wird. Immerhin ist A.P. Møller seit Jahrzehnten sehr erfolgreich auch im Öl- und Gas-Geschäft tätig und hat enge Kontakte nach Washington. Verträge sind noch nicht unterzeichnet, doch auch beim dänischen Verband der Exportindustrie geht man davon aus, dass vor allem Öl- und Baugesellschaften Aufträge mit einem Volumen über rund 270 Mill. Euro erhalten werden. Dänemarks Industrieverband sieht ein überwältigendes Interesse der Firmen des Landes am Wiederaufbau.

Quelle: Handelsblatt

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