Prognose: 4,5 Millionen Arbeitslose im Jahr 2004: Agenda 2010 geht Experten nicht weit genug

Prognose: 4,5 Millionen Arbeitslose im Jahr 2004
Agenda 2010 geht Experten nicht weit genug

Die von Bundeskanzler Gerhard Schröder angekündigten Reformen reichen Medienberichten zufolge nach Einschätzung der sechs führenden Wirtschaftsforschungsinstitute nicht aus, um Deutschland wieder auf einen soliden Wachstumspfad zu bringen.

Reuters BERLIN. "Wenn diese Agenda alles enthält, was bis zum Jahr 2010 auf den Weg gebracht werden soll, werden sich die Wachstumsbedingungen nur unwesentlich verbessern", zitieren mehrere Zeitungen aus dem Frühjahresgutachten der Ökonomen, das am Dienstag in Berlin veröffentlicht werden soll. Die von Schröder in seiner Agenda 2010 vorgestellten Maßnahmen zielten mikro- und makroökonomisch in die richtige Richtung. Sie könnten jedoch nur der Anfang sein.

Die mit den Vorschlägen der Hartz-Kommission angegangenen Reformen des Arbeitsmarktes verbesserten vor allem die Arbeitsvermittlung, berichten die Blätter unter Berufung auf das Gutachten weiter. Dies wirke sich jedoch erst bei einem Anziehen der Konjunktur aus. Insgesamt bewerten die Institute den Versuch skeptisch, Reformen über Kommissionen und damit über einen gesellschaftlichen Konsens auf den Weg zu bringen: "Die Initiative muss von der Bundesregierung ausgehen, denn sie, und nicht Kommissionen, ist letztlich für die Wirtschaftspolitik in Deutschland verantwortlich."

Institute rechnen 2004 mit 4,5 Millionen Arbeitslosen

Den Zeitungsberichten zufolge rechnen die Institute 2003 mit einem Anstieg der Arbeitslosenzahl auf durchschnittlich 4,45 Millionen. 2004 erwarteten sie angesichts des schwachen Wirtschaftswachstums mit einem weiteren Anstieg auf 4,5 Millionen. Die Hartz-Reformen würden 2003 die Zahl der Arbeitslosen um höchstens 50 000 senken und damit deutlich weniger als von der Regierung erwartet, hieß es. Die Bundesanstalt für Arbeit benötige auf Grund der schlechten Arbeitsmarktsituation einen Zuschuss von 5,6 Mrd. Euro. Eigentlich sollte in diesem Jahr kein Zuschuss mehr an die Bundesanstalt gezahlt werden.

Die Institute schrauben zudem ihre Wachstumserwartungen deutlich zurück. Sie gingen im laufenden Jahr nur noch von einer Zunahme des Bruttoinlandproduktes (BIP) von 0,5 Prozent aus, hieß es in Kreisen der Institute. Im Herbstgutachten hatten sie noch mit 1,4 Prozent gerechnet. Auch im kommenden Jahr werde sich die Wirtschaft nicht deutlich erholen. Zwar rechneten die Wirtschaftsforscher mit 1,8 Prozent Wachstum. Ein wesentlicher Anteil sei jedoch durch die rechnerisch 3,3 Arbeitstage netto mehr zu erklären, die es 2004 im Vergleich zu 2003 gebe

. Defizitkriterium wird auch 2003 verletzt

Angesichts des schlechten Wirtschaftswachstums gehen die Institute den Zeitungsberichten zufolge davon aus, dass Deutschland auch im laufenden Jahr das europäisch festgelegte Defizitkriterium verletzen werde. Mit einer Defizitquote von 3,4 Prozent liege man erneut deutlich über der Obergrenze von 3 Prozent. Erst im Jahr 2004 werde die Marke mit einer Defizitquote von 2,9 Prozent wieder unterschritten.

Die Inflation werde nach Einschätzung der Institute weiterhin niedrig bleiben, heißt es in den Berichten. So stiegen die Verbraucherpreise nach dem Gutachten 2003 lediglich um 1,3 Prozent und 2004 um 1,2 Prozent. Die Institute erwarteten noch in diesem Frühjahr eine leichte Zinssenkung der Europäischen Zentralbank (EZB). Es sei mit einer Senkung der Leitzinsen um 25 Basispunkte auf dann 2,25 Prozent zu rechnen. Für den späteren Verlauf 2004 erwarten die Institute dem Bericht zufolge dann wieder eine Anhebung der Zinsen um 25 Basispunkte. In der Euro-Zone erwarten die Forscher den Zeitungsberichten zufolge 2003 ein Wachstum von 0,9 Prozent, in den USA 2,4 Prozent. Für 2004 prognostizierten die Forscher dann in der Euro-Zone ein Wachstum von 2,3 und in den USA 3,5 Prozent.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%