Prognose des Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW
Zinserhöhungen der EZB am Horiziont

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird die Zinsschraube nicht noch weiter lockern. Im Gegenteil: Zinserhöhungen stehen bereits am Horizont, aber in den kommenden drei Monaten werden die Leitzinsen wahrscheinlich noch unverändert bleiben. Dies ist das Kernergebnis der EZB-Prognose des Mannheimer Wirtschaftsforschungsinstituts ZEW, die auf der Befragung von 316 Finanzmarktanalysten im Rahmen des ZEW-Finanzmarkttests basiert.

HB FRANKFURT/M. Die EZB hat im letzten Jahr ihren wichtigsten Leitzinssatz viermal auf 3,25 % ermäßigt, zum letzten Mal im November. Die US-Notenbank hat seit 2000 ihre Federal Funds Rate schrittweise von über sechs Prozent auf weniger als 2 % zurückgenommen. Sie hat jetzt offiziell eine neutrale Haltung eingenommen, was im Klartext bedeutet, dass bald wieder mit Zinserhöhungen gerechnet werden muss.

Etwas anders sieht die Lage im Eurogebiet aus. Dort geht eine Minderheit davon aus, dass die Zentralbank auf mittlere Sicht noch Zinsspielraum nach unten hat, wenn sich die Inflation zurückbildet. In der aktuellen Umfrage sind nur noch 7,3 % der Befragten der Ansicht, dass die Zinsen noch einmal sinken werden. Im Januar lag dieser Wert noch bei 60,8 %. Die Mehrheit (64,8 %) ist der Ansicht, das die Zinsen auf mittlere Sicht unverändert bleiben werden.

Morgan Stanley gehört zu den wenigen, die eine Minderheitenposition vertreten. Ihre Analysten sehen Zinssenkungsspielraum bis zu 50 Basispunkte in diesem Jahr. Ihr Argument: Der letzte Anstieg der Inflation auf 2,7 % im Januar ist auf einmalige Sonderfaktoren zurückzuführen. Die Preissteigerungsrate könne sich bald unter die geldpolitische Zielmarke von 2 % ermäßigen und sich möglicherweise bis an 1 % annähern. Damit habe die Europäische Zentralbank, deren Ziel die Preisstabilität ist, einen Anlass für weitere Zinssenkungen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin rät, den expansiven Kurs beizubehalten. Das Institut warnt, die EZB dürfe nicht wieder in den Fehler verfallen und einen gerade erst in Fahrt gekommenen Aufschwung durch eine frühzeitige Straffung des geldpolitischen Kurses wieder abbremsen.

In der ZEW-Umfrage rechnen freillich 27,9 % der Befragten schon in den nächsten drei Monaten mit einer Zinserhöhung (Vormonat 13,6 %). Aus diesen Einschätzungen errechnet das ZEW eine Prognose von 3,5 % für den 3-Monats-Euribor im Juni. Dies entspricht einer Erhöhung um etwa 10 Basispunkte gegenüber dem aktuellen Niveau.

Die Zinserwartungen bewegen sich im Einklang mit den deutlich verbesserten Einschätzungen zur künftigen Wirtschaftsentwicklung: 77 % der Befragten rechnen mit einer Besserung der wirtschaftlichen Lage im Euroraum in den nächsten sechs Monaten. Der Anteil der Optimisten für den Euroraum ist damit gegenüber dem Vormonat um 17 Prozentpunkte gewachsen. Noch optimistischere Erwartungen hegen die Analysten für die Konjunktur in den USA: Hier erwarten 87,2 % eine Belebung der Konjunktur auf mittlere Sicht.

In Übereinstimmung damit läßt die Umfrage auch vermuten, dass die amerikanische Fed wohl den ersten Schritt im kommenden Zinserhöhungszyklus machen wird und die EZB mit Verzögerung nachzieht. Denn mehr als die Hälfte der Befragungsteilnehmer ist der Ansicht, dass die kurzfristigen US-Zinsen bereits in den nächsten drei Monaten steigen werden. Das Zinsgefälle am Geldmarkt zwischen dem Euroraum und den USA wird sich also zumindest vorübergehend verringern.

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