Prognose
Experten erwarten auch 2002 Euro-Anstieg

Inzwischen ist es fast schon Tradition: Im Dezember prognostiziert fast die gesamte Analysten-Zunft dem Euro Kursgewinne für das neue Jahr. Seit ihrer Einführung vor drei Jahren hat die Gemeinschaftswährung jedoch all diesen Vorhersagen getrotzt und viele Erwartungen enttäuscht.

Reuters FRANKFURT. Der derzeitige Kurs des Euro von etwa 0,90 $ liegt rund ein Viertel unter dem bei der Einführung. Doch auch diesmal setzen viele Experten auf einen Aufschwung der Gemeinschaftswährung. Die Euro-Optimisten setzen darauf, dass die Märkte die US-Wirtschaft überschätzen. Deshalb könnten die entscheidenden Kapitalströme schon bald wieder in Richtung Euro-Zone fließen und dem Euro neuen Schwung verleihen.

"Ich hoffe, dass der Euro diesmal den Vorschusslorbeeren, die er jedes Jahr bekommt, gerecht wird", sagt Patrick Laub, Chefhändler bei der Helaba. Auch Dorothea Huttanus, Devisenanalystin bei der DZ Bank, lässt sich von Fehlprognosen der vergangenen Jahre nicht entmutigen: "Dass der Euro so oft enttäuscht hat, heißt ja nicht, dass er es diesmal wieder tut." Wie das Ifo-Institut erwartet die DZ-Bank, dass ein Euro schon zur Jahresmitte rund einen Dollar wert sein wird. Nur wenige trauen dem Euro jedoch so viel zu. Im Schnitt erwarten die Analysten der jüngsten Reuters-Umfrage zufolge einen Euro-Kurs von 0,92 $ in sechs Monaten und 0,94 $ in einem Jahr - die Jahresprognosen reichen dabei von 0,77 bis 1,03 $.

Grundsätzlich begründen die Experten ihre Vorhersagen mit der Wirtschaftsstärke der verschiedenen Währungsgebiete. Das schnelle Wachstum der USA hat viele internationale Investoren in den vergangenen Jahren dazu bewegt, ihr Geld dort anzulegen. Dabei mussten sie oft Euro gegen $ tauschen und haben so die US-Währung in die Höhe getrieben. "Es gibt einfach noch mehr Vertrauen in die US-Wirtschaft (...). Solange die Leitbörsen der Welt Wall Street und Nasdaq sind, fließt Geld in die USA", sagt Laub.

Experten: US-Optimismus übertrieben

Viele Experten halten den US-Optimismus für übertrieben und wittern deshalb eine Chance für den Euro. "Die Hoffnungen auf eine Erholung sind grenzenlos - es wird aber nicht so schnell und so intensiv gehen, wie der Markt erwartet", sagt Huttanus. Auch Uwe Janz, Leiter des Devisenhandels bei M.M. Warburg, sieht die Lage in den USA etwas nüchterner: "Es wird dort keinen Senkrechtstart geben - die Anschläge vom 11. September haben das Konsumverhalten der Amerikaner vielleicht doch etwas härter getroffen und der Krieg ist auch noch lange nicht vorbei - das kann die Wirtschaft und damit den Dollar belasten."

Dass die Investoren auf einen Aufschwung in den USA setzen und deshalb bereits in großem Umfang Dollar gekauft haben, könnte der US-Währung jedoch nach Einschätzung von Huttanus zum Verhängnis werden: "Wenn alle schon Dollar haben, weil sie denken, er wird steigen, braucht danach keiner mehr Dollar zu kaufen." Sollte die US-Wirtschaft trotz Zinssenkungen und Konjunkturprogrammen nicht richtig anspringen und vielleicht sogar hinter der Wirtschaft in der Euro-Zone zurückbleiben, könnte dies zu einem großen Umdenken führen. "Dann kommen alle unter Zugzwang und müssen plötzlich Euro kaufen."

Bei der Euro-Einführung im Januar 1999 war genau das Gegenteil passiert: Die Anleger hatten sich mit Euro eingedeckt, weil sie ein lebhaftes Wirtschaftswachstum in Europa und damit Kursgewinne der Gemeinschaftswährung erwartet hatten. Als die Konjunkturlokomotive USA dann jedoch ungeahnte Geschwindigkeiten erreichte, führte dies zu gewaltigen Umschichtungen. "Am Devisenmarkt kommt es oft genau anders, als man denkt", resümiert Huttanus. Viele Analysten hatten zudem unterschätzt, dass Fonds ihr Risiko durch Anlagen in verschiedenen Währungen reduzieren wollen. Nach der Einführung der Gemeinschaftswährung reduzierten sie dann ihre Euro-Investitionen. Analysten sind sich uneins, ob diese Diversifizierung der Portfolios bereits abgeschlossen ist.

Euro profitierte nicht von EZB-Leitzinsen

Lange hatten die Währungsexperten den starken Dollar mit den höheren Zinsen in den USA erklärt. Inzwischen sind die EZB-Leitzinsen jedoch höher als die der US-Notenbank Fed, ohne dass der Euro davon profitieren konnte. "Der Zinszusammenhang ist aufgebrochen, nachdem er bis 1998/99 klar entscheidend war", sagt Huttanus. Viele Analysten hatten den zinsempfindlichen Rentenmarkt über- und den Aktienmarkt sowie Firmenübernahmen unterschätzt. "Der Devisenmarkt ist inzwischen eher ein Anhängsel von Aktienmarkt und Übernahmeaktivitäten", sagt Janz.

Von der Einführung von Euro-Münzen und Geldscheinen versprechen sich nur Wenige Euro-Kursgewinne - von den Finanzmärkten verschwanden die nationalen Währungen der Euro-Länder ja schon vor drei Jahren. Die entscheidenden internationalen Finanzströme wird das neue Bargeld nach Ansicht Laubs daher nicht beeinflussen: "Viele Leute, die noch nie einen Dollar-Schein in der Hand hatten, kaufen trotzdem Aktien in den USA.

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