Prognose für 2000 liegt höher als erwartet
Deutsche Inflationsrate im August offenbar gesunken

Reuters FRANKFURT. Die Lebenshaltungskosten in Deutschland sind im August offenbar nicht mehr so stark gestiegen wie in den Vormonaten. Wie die Statistikämter in Hessen, Bayern und Baden-Württemberg am Mittwoch bekannt gaben, verringerten sich die Inflationsraten vor allem wegen gesunkener Kraftstoffpreise. Volkswirte sagten, für eine Entwarnung an der Preisfront sei es jedoch zu früh. In der zweiten Augusthälfte, die in den jetzt vorgelegten Daten noch nicht berücksichtigt ist, seien die Ölpreise wieder gestiegen. Volkswirte erwarten deshalb weiterhin eine baldige Zinserhöhung in der Euro-Zone, halten jetzt aber einen kleineren Zinsschritt von 25 Basispunkten für wahrscheinlicher. Im Berichtsmonat ermäßigte sich das Preisniveau in den drei Bundesländern gegenüber dem Vormonat um jeweils 0,1 %. Im Juli waren die Preise den Statistikämtern zufolge noch um 0,3 bis 0,5 % gegenüber Juni gestiegen. Nicht nur Benzin, auch Nahrungsmittel und Pauschalreisen verbilligten sich im August.

Wegen des monatlichen Preisrückgangs bildeten sich auch die Jahresteuerungsraten zurück. Bayern hat demnach mit 1,6 % die niedrigste Inflationsrate. In Hessen lagen die Preise mit einer Jahresrate von 1,7 % etwas höher. In Baden-Württemberg betrug sie im August 2,0 %. In den kommenden Tagen werden noch die Preisdaten von Nordrhein-Westfalen, Brandenburg und Sachsen veröffentlicht, die das Statistische Bundesamt als Basis für die landesweite Kalkulation nimmt.

Sollten auch in den anderen drei berücksichtigten Bundesländern die Preise rückläufig sein, könnte die Jahresteurungsrate für Gesamtdeutschland nach Einschätzung der Analysten unter dem Juli-Wert von 1,9 % liegen.

Sinkende Ölpreise bescheren kurzfristigen Inflationsrückgang

Bankenvolkswirte hatten wegen der Ölpreisentwicklung der vergangenen Wochen schon einen etwas schwächeren Preisanstieg erwartet. "Das ist keine Trendwende zu einem plötzlichen Inflationsrückgang, sondern eine vorübergehende Erscheinung", sagte Nikolaus Keis von der HypoVereinsbank in München. Der Preisrückgang rühre vom Ölpreise her, der von Ende Juli bis Anfang August vorübergehend gefallen sei. Mit Blick auf den neuerlichen Anstieg der Rohölpreise sei im September jedoch wieder mit einer höheren Inflationsrate zu rechnen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent ist seit Mitte August wieder deutlich über 30 $ gestiegen, nachdem er zuvor einige Zeit um 28 $ gelegen hatte.

Auch Hans-Jürgen Meltzer von Deutsche Bank Research (DBR) erwartet einen erneuten Inflationsanstieg im September. Sollte der Ölpreis außerdem bei 30 $ pro Barrel bis zum Ende des Jahres verharren, müsse DBR die Inflationsprognose für das Gesamtjahr auf 1,9 % von 1,8 % anheben.

Die Inflationsentwicklung in der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone wird auch die Europäische Zentralbank (EZB) genau analysieren. Angesichts der Inflationsrate in der Euro-Zone, die im Juli 2,4 % betragen hatte, und der anhaltenden Euro-Schwäche erwarten die meisten Analysten eine Zinserhöhung in der Euro-Zone. Die Frage war bisher, ob die EZB bereits am 31. August oder erst am 14. September handeln wird, und ob sie die Zinsen um 25 oder 50 Basispunkte anhebt. Petra Köhler, Volkswirtin von der Dresdner Bank, erwartet angesichts der deutschen Inflationsdaten eine Zinserhöhung in der Euro-Zone um 25 Basispunkte. "Mit der Zinserhöhung wird die EZB meiner Einschätzung nach noch bis September warten", sagte Köhler. Auch Nikolaus Keis hält jetzt denn kleineren Zinsschritt für möglich, wenn die noch ausstehenden Länderdaten ebenfalls schwächer ausfallen sollten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%