Prognose gesenkt: RWI sieht Deutschland am Rande der Rezession

Prognose gesenkt
RWI sieht Deutschland am Rande der Rezession

Das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) sieht Deutschland derzeit am Rande der Rezession und hat seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr wie angekündigt deutlich gesenkt. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2003 nur um 0,6 % statt wie bisher erwartet um 1,1 % wachsen, teilten die Essener Forscher am Donnerstag mit.

Reuters BERLIN. Voraussetzung für diese Prognose sei allerdings eine schnelle Beilegung der Irak-Krise. Zur Jahreswende habe das BIP stagniert, und die Aussichten für das erste Quartal 2003 seien kaum günstiger. Für das kommende Jahr rechnet das RWI mit einem Wachstum von etwa 2,0 %.

Falls sich die geopolitische Lage beruhige und sich die Weltwirtschaft belebe, werde sich der Anstieg der deutschen Exporte im weiteren Verlauf dieses Jahres beschleunigen, allerdings gedämpft durch den hohen Euro-Kurs. Dann könnten die Auftriebskräfte auch im Inland wirken und in Folge der Zinssenkungen und einer steigenden Kapazitätsauslastung zu mehr Investitionen führen. "Sollte sich der (Irak-) Konflikt lange hinziehen oder gar ausweiten, würde dies die Weltwirtschaft in eine Rezession stürzen", warnen die Forscher. Auch im Außenhandels- und Staatsdefizit der USA sieht das RWI eine beträchtliche Gefahr für die Weltwirtschaft.

RWI: Deutsche Wirtschaft ist zu empfindlich

Die gegenwärtige Schwäche der deutschen Wirtschaft ist nach Einschätzung des RWI kein klassischer Konjunkturabschwung, sondern Folge einer "außergewöhnlichen Häufung exogener Schocks" wie das Ende des weltweiten IT-Booms, die Anschläge vom 11. September 2001 und der aktuelle Irak-Konflikt. Dabei offenbare sich das seit Mitte der 90er Jahre bestehende Problem der deutschen Wirtschaft: "Weil der Wachstumspfad auf Grund der unzureichenden Binnennachfrage außergewöhnlich flach ist, droht bei jeder größeren Störung die Gefahr einer Rezession", hieß es. Eine Erholung des privaten Konsums erwarten die Forscher vorerst nicht. Zudem rechnen sie mit einem leichten Überschreiten der Europäischen Defizit-Grenze von drei Prozent. Bereits im vergangenen Jahr hatte Deutschland ein Haushaltsdefizit von 3,6 %.

Die Lage am Arbeitsmarkt wird sich nach Einschätzung des RWI zunächst weiter verschlechtern, die Umsetzung der Hartz-Pläne kaum Entlastung bringen. Für 2003 rechnen die Essener Experten mit durchschnittlich 4,32 Mill. Arbeitslosen. Im kommenden Jahr werde die Zahl der Arbeitslosen dann etwas sinken, aber im Jahresschnitt immer noch bei etwa 4,17 Mill. bleiben. Im Februar waren in Deutschland nach Herausrechnung saisonaler Einflüsse 4,36 Mill. Menschen arbeitslos gemeldet.

RWI: Bei Rezession muss die Finanzpolitik handeln

Sollte Deutschland in die Rezession rutschen, dürfte nach RWI-Auffassung eine expansive Geldpolitik alleine nicht zur Stabilisierung ausreichen - auch weil die Banken nur zögerlich Kredite vergeben. Dann sei in Abstimmung mit den europäischen Partnern die Finanzpolitik gefordert. Konjunkturimpulse könnten etwa von einem Vorziehen der Einkommensteuerreform kommen, was kein grundsätzliches Abweichen vom Konsolidierungskurs bedeute.

Die Wirksamkeit der Politik sieht das RWI geschwächt, weil sie durch ihre jüngste Konzeptlosigkeit bei Verbrauchern und Investoren viel Vertrauen verloren habe. "Stattdessen muss sie nun glaubwürdige Wege aufzeigen, wie in der mittleren Frist Wachstum und Beschäftigung gefördert und das strukturelle Haushaltsdefizit abgebaut werden."

In den vergangenen Wochen haben alle führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Wachstumsprognosen auf eine Spannbreite zwischen 0,4 und 0,9 % gesenkt. Sie sind damit allesamt pessimistischer als die Bundesregierung, die offiziell weiter an ihrer Prognose von einem Prozent festhält.

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