Prognose hinfällig
Desaster bei Metabox

Die am Neuen Markt notierte Metabox AG ist wirtschaftlich stärker angeschlagen, als das Unternehmen bislang eingeräumt hatte. In der Nacht zum Samstag korrigierte das Multimediaunternehmen aus Hildesheim seine Ergebnis- und Umsatzzahlen zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate nach unten. Der Verlust fiel mit 26,8 Mill. DM um fast 40 % höher aus, als noch Ende Januar angegeben.

Reuters FRANKFURT/HANNOVER. Ebenso wurde die bislang für 2001 gegebene Prognose mit einem ursprünglich geplanten deutlichen Umsatz- und Gewinnsprung für hinfällig erklärt. Genaue Zielzahlen will Metabox erst nach der bereits eingeleiteten Restrukturierung nennen. Die Bilanz für 2000 ist den Angaben nach zudem nicht testiert. Wie am Samstag weiterhin bekannt wurde, hat das Amtsgericht Hildesheim für die Metabox-Tochter ICS Kassensysteme das Insolvenzverfahren eingeleitet.

Der Hersteller von so genannten Set-Top-Boxen für Internet- und Multimediaanwendungen am Fernsehgerät gab seinen Umsatz für 2000 nun mit 47,2 Mill. DM an, nach lediglich 17,5 Mill. DM im Jahr zuvor. Ursprünglich wollte Metabox allerdings 2000 bereits 70 Mill. DM umsetzen, was Ende Januar zunächst auf 50 Mill. DM zurückgeschraubt wurde. Der Jahresfehlbetrag sollte nach minus 5,5 Mill. DM in 1999 im vorigen Jahr ursprünglich bei 15 Mill. DM liegen. Ende Januar nannte Metabox dann 19 Mill. DM als Fehlbetrag.

Die neuen Zahlen und damit auch die nochmals um fast acht Mill. DM höheren Verluste hätten sich durch Einbeziehung von "Vorgängen nach Abschluss des Geschäftsjahres" sowie einer nahezu vollständigen Abschreibung der Finanzpositionen verbundener Unternehmen ergeben, hieß es in der Plichtveröffentlichung. Details wurden nicht mitgeteilt. Bei Metabox war am Samstag keine Stellungnahme zu erreichen.

Metabox hatte am Freitag die bereits um vier Wochen verschobene Bilanzpressekonferenz wegen der fehlenden Testate platzen lassen. Die von der Deutschen Börse Ende März gewährte Fristverlängerung lief Freitag 24.00 Uhr ab. Die Ad-hoc-Mitteilung von Metabox wurde elektronisch am Samstag um 00.03 Uhr veröffentlicht. Darin hieß es, der Konzernabschluss sei mit den Wirtschaftsprüfern abgestimmt, jedoch noch nicht testiert. Gründe dafür nannte Metabox nicht.

Wegen der finanziellen Probleme hatte Metabox vor einigen Wochen mehrere Unternehmensverkäufe sowie einen Personalabbau von rund ein Drittel der noch 120 Mitarbeiter angekündigt. Bei der zum Verkauf stehenden Metabox-Tochter ICS Kassensysteme sind dem Vorstand vorerst die Hände gebunden. Wie ein Sprecher des Amtsgerichts Hildesheim am Samstag bestätigte, wurde in der vergangenen Woche ein vorläufiger Insolvenzverwalter eingesetzt. Mitarbeiter hätten dies wegen ausbleibender Gehaltszahlungen beantragt. Aussagen der ICS-Geschäftsführung, die Konzernmutter werde finanzielle Mittel zur Verfügung stellen, hätten sich zunächst nicht bestätigt. Der Betriebsrat habe zudem von Unregelmäßigkeiten berichtet.

Den ersten Bilanz-Termin hatte Metabox nicht eingehalten, weil wenige Wochen zuvor die Staatsanwaltschaft Hannover im Zuge ihrer Ermittlungen Unterlagen beschlagnahmt hatte. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt seit Februar gegen Metabox-Chef Stefan Domeyer und zwei inzwischen ausgeschiedene Metabox-Vorstände wegen des Verdachts der Kursmanipulation, des Kapitalanlagebetruges und des Insiderhandels. Hintergrund der Ermittlungen sind Zweifel an mehreren von Metabox im vorigen Jahr veröffentlichten Großaufträgen über die Lieferung von insgesamt 2,9 Mill. Set-Top-Boxen.

Die Metabox-Aktie, die im vorigen Jahr infolge der Angaben über die Großaufträge auf mehr als 45 Euro gestiegen war, notierte am Freitag mit einem Minus von 12,5 % auf 1,61 Euro deutlich schwächer als der Gesamtmarkt.

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