Prognose wird nur durch den Verkauf von Beteiligungen erfüllt
Heidelberg Cement steckt in Deutschland fest

Heidelberg Cement spürt weiterhin die Flaute am Baustoffmarkt. Nur durch den Verkauf von Randaktivitäten wird es Vorstandschef Bauer gelingen, die Prognose eines stabilen Ertrags zu erfüllen.

rtr/jkn. FRANKFURT/M. Hans Bauer, der Vorstandsvorsitzende des Baustoff-Spezialisten Heidelberg Cement, will Wort halten. Im laufenden Jahr soll der Jahresüberschuss mit 255 Mill. Euro stabil bleiben. Das bestätigte der Manager gestern in Frankfurt bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Da das operative Geschäft allerdings nicht besonders gut läuft, muss Bauer Sondererträge aus dem Verkauf von Randaktivitäten zur Hilfe nehmen.

Die jüngste Folge dieser Strategie: Heidelberg will das 27-prozentige Paket am Versorger ZEAG Zementwerk Lauffen an den Energiekonzern Energie Baden-Württemberg verkaufen. Den Sondererlös bezifferte Bauer auf voraussichtlich mehr als 80 Mill. Euro.

Weniger erfolgreich gestalten sich dagegen die Gespräche über den Verkauf der europäischen Baustoff-Sparte mit mehr als 500 Mill. Euro Umsatz. Die unter dem Namen HBE firmierende Sparte hatte ihren Gewinn im ersten Halbjahr auf 18 Mill. Euro verdoppelt. Mit einer kurzfristigen Einigung sei dennoch nicht zu rechnen, erklärte Bauer. Die potenziellen Käufer seien nicht bereit, die Preisvorstellungen von Heidelberg Cement zu erfüllen.

Allerdings sollen die außerordentlichen Erlöse aus den Verkäufen nicht allein dazu dienen, die Ergebnisprognose zu erfüllen. Gleichzeitig will Bauer auch die von Analysten und Rating-Agenturen kritisch betrachtete Verschuldung zurückführen. Bauer bekräftigte gestern sein Ziel, die Verschuldung des Konzerns im laufenden Jahr um 500 Mill. Euro auf 4,3 Mrd. Euro reduzieren zu wollen.

Im eigentlichen Geschäft mit Baustoffen bleibt Deutschland weiterhin das Sorgenkind. Zwar könne die rückläufige Nachfrage nach Zement in Deutschland durch eine bessere Entwicklung in anderen Märkten teilweise wettgemacht werden, sagte Vorstandschef Bauer. Operativ werde das Ergebnis aber um mehr als zehn Prozent schlechter ausfallen als im Jahr zuvor. "Deutschland ist weiter unsere Wachstumsbremse", sagte Bauer.

In den ersten sechs Monaten sank das operative Konzernergebnis um 17 % auf 172 Mill. Euro. Der Umsatz blieb mit 3,21Mrd. Euro (Vorjahr: 3,23) stabil. Dennoch legte die Heidelberg-Aktie bis gestern Abend mit 6 % deutlich zu.

Der weltweite Umsatz mit Zement, Beton und Zuschlagstoffe werde in etwa stabil bleiben, sagte Bauer, dessen Hoffnungen sich vor allem nach Amerika richten. "Die USA werden auch am Jahresende unser stärkstes Pferd im Stall sein", prognostizierte Bauer. Der Margendruck halte sich bei der lebhaften Baukonjunktur dort in Grenzen. In Deutschland setzt der Konzern auf die Bundestagswahlen: Eine neue Regierung müsse bessere Voraussetzungen für die Bauwirtschaft schaffen. "Ohne eine laufende Baukonjunktur läuft auch keine Konjunktur", mahnte der Vorstandschef.

Zwar hat Heidelberg Cement die von Analysten geforderte Expansion in Zukunftsmärkte wie Asien später gestartet als Wettbewerber wie Holcim (Schweiz) oder Lafarge (Frankreich). Dennoch hilft die Internationalisierung dem Konzern heute. So fällt das Inlandsgeschäft weit weniger ins Gewicht als beim größten deutschen Konkurrenten, der Wiesbadener Dyckerhoff, die im ersten Halbjahr in die Verlustzone gerutscht war. Nur acht Prozent des Cash-flow kämen noch aus dem Inland, erklärte Bauer. Zudem sei der Preisdruck in Süddeutschland, wo Heidelberg sechs Werke betreibt, geringer als in Westfalen und in Ostdeutschland, wo Dyckerhoff die meisten Zementwerke hat.

Angesichts der schwierigen Situation bleibt Heidelberg bei der zum Verkauf stehenden Deutschland-Tochter der britischen RMC, der Ratinger Readymix, zurückhaltend. "Wir planen derzeit nicht, ein Angebot für Readymix abzugeben", sagte er. Zukaufen will Heidelberg Cement dagegen weiter in Osteuropa.

Quelle: Handelsblatt

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