Prognosekorrektur
Techem-Chef legt sein Amt nieder

Der Vorstandsvorsitzende des Energiedienstleisters Techem, Dieter Dannheimer, hat zwei Tage nach der jüngsten Prognosekorrektur des Unternehmens überraschend sein Amt niedergelegt.

Reuters FRANKFURT/M. Dannheimer (57) scheide zum 31. August aus dem Konzern aus, teilte der Aufsichtsrat der im MDax gelisteten Gesellschaft am Mittwoch mit. Die Trennung erfolge "im gegenseitigen Einvernehmen wegen unterschiedlicher Auffassungen über die Ausrichtung der Techem-Gruppe", hieß es.

Dabei habe es sich weniger um die Frage der strategischen Gesamtziele gehandelt, als um die Vorstellung der Umsetzung dieser Ziele, sagte Techem-Aufsichtsratschef Hans-Ludwig Grüschow am Mittwoch vor der Presse in Frankfurt. Die Nachfolgefrage werde in den nächsten Monaten im Rahmen einer Neugestaltung der Führungsstruktur entschieden, hieß es.

Die Techem-Aktie lag gegen Mittag um 0,36 Prozent im Plus bei 8,40 Euro, nachdem sie an den beiden Vortagen rund 30 Prozent ihres Wertes eingebüßt hatte.

"Überzogene Planung"

"Wenn man an die Verwirklichung der Ziele mit einer gewissen Halbherzigkeit herangeht, merkt das das Unternehmen sehr schnell", sagte Grüschow zu dem Ausscheiden Dannheimers weiter. Das Geschäft von Techem sei erklärungsbedürftig, hier sei der Vorstand zu zurückhaltend gewesen. "Es gab grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen darüber, was die Kommunikation der Leistungen und Möglichkeiten von Techem angeht", sagte Grüschow. Zudem liege vor allem das Ergebnis von Techem deutlich hinter den ehrgeizigen Zielen zurück.

"Die überzogene Planung ist ein Problem, mit dem wir uns nun rumzuschlagen haben. Wir müssen sehr schnell andere Meldungen und Vorstellungen auf den Tisch legen," sagte der Aufsichtsratschef. Bis ein Nachfolger für Dannheimer gefunden sei, würden Vertriebsvorstand Rainer Schamoni und Finanzvorstand Walter Schmidt den Konzern gemeinsam leiten. Schamoni sagte, er und Schmidt könnten sich nicht der Verantwortung für die Planungen entziehen. Sonderfaktoren seien in diesen nicht berücksichtigt worden. Wrüschow fügte hinzu, es sei nicht auszuschließen, dass Dannheimers Nachfolger aus dem Unternehmen komme. Dannheimer war seit 1999 Vorstandschef von Techem und seit 1989 in dem Unternehmen tätig.

Deutlicher Gewinnrückgang

In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres 2001/2002 verzeichnete Techem einen Rückgang beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 42,2 Prozent auf 23,6 Millionen Euro. Der Überschuss verringerte sich um mehr als zwölf Prozent auf 5,6 Millionen Euro, der Umsatz stieg indes um sechs Prozent auf 273 Millionen Euro. Techem hatte am Montag zum zweiten Mal in diesem Jahr seine Prognosen für das laufende Geschäftsjahr gesenkt. Das Unternehmen erwartet nun einen Umsatz von rund 380 Millionen Euro und ein Ebit von rund 38 Millionen Euro. Zuvor waren ein Umsatz von 383,5 Millionen Euro und ein Ebit von 59,6 Millionen Euro in Aussicht gestellt worden.

Hauptgründe für diese Entwicklung seien schwächere Umsätze im neuen Geschäftsbereich Home Automation sowie Markeinführungsaufwendungen für das System "assisto B2C", hieß es. Bereits 2003 werde aber ein Durchbruch für dieses Segment erwartet. "Die aktuelle Entwicklung ist eine Delle und keine Trendwende", betonte Schamoni.

Techem kündigte an, sich in den nächsten Monaten auf Effizienzsteigerungen und die Internationalisierung im Kerngeschäft sowie auf den Aufbau der Geschäftsfelder Home Automation sowie IT Services konzentrieren zu wollen. "Die Steigerung der Profitabilität bei einem Abbau der Verschuldung wird das wesentliche Ziel der Techem-Organisation sei", sagte Schamoni. Derzeit betrage die Netto-Verschuldung rund 300 Millionen Euro. Techem rechnet und liest in Wohnungen Heizungsstände und Wasserzähler ab und ist damit Marktführer in Europa.

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