Prognosen bis zum Jahresende gespalten
Wo Fonds-Manager den Dax sehen

Nach den jüngsten Kursturbulenzen an der Börse ist das Lager der Fondsmanager gespalten, was die Entwicklung des Dax bis zum Jahresende angeht. Manch Portfolio-Manager nahm seine Prognosen für das wichtigste deutsche Börsenbarometer auf Sechsmonats-Sicht bereits zurück. Eine Umfrage zeigt, was Deutschlands Fondsgesellschaften vom Dax erwarten.

Reuters - FRANKFURT. Im Durchschnitt sehen die Fondsmanager den Dax zum Jahresende zwischen 5000 und 6000 Punkten. Das vergangene Jahr hatte das deutsche Marktbarometer mit 5160 Punkten abgeschlossen. Seit seinem Höchststand von mehr als 8100 Punkten im März 2000 verzeichnete der Dax derzeit ein Minus von etwa 43 Prozent. Allein seit Anfang Januar 2002 hat das Kursbarometer gut elf Prozent auf etwa 4550 Zähler eingebüßt. Die Kurse am Neuen Markt brachen gar wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Der Aktienindex des Neuen Marktes, Nemax, der sich in seinen besten Zeiten im Börsenboom vor gut zwei Jahren bei rund 8500 Punkten bewegt hatte, ist mittlerweile über 90 Prozent abgestürzt.

Die Fondsgesellschaft Activest senkte jüngst ihre Dax-Prognose auf 5100 Punkte von 5700 Zählern, für den Nemax-Index auf 1000 Zähler von zuvor 1350 Stellen. "Die Entscheidung, die Schätzungen zu verringern, war hauptsächlich marktgetrieben", sagt Activest-Fondsmanager Hans Holzbauer. "An der Börse hat sich eine Aktienblase im TMT-Bereich (Technologie, Medien und Telekom) gebildet. Der Markt muss diese Blase erst verdauen und abarbeiten", fügt er hinzu. Noch sei dieser Prozess nicht beendet. Das Kursniveau werde wohl noch ein bisschen runtergehen. Der Markt pendele sich aber bereits aus. "Die konjunkturelle Entwicklung ist dagegen in Takt", sagt Holzbauer weiter.

Auch Union-Investment reduzierte ihre Dax-Schätzungen für 2002. "Union-Investment hat ihre Prognose für den Dax auf 5800 Zähler von 6000 Punkten und für den Nemax-Index auf 1100 Punkte von 1200 Stellen zurückgenommen. Wir hatten die konjunkturelle Erholung etwas schneller erwartet", begründet ein Sprecher der Gesellschaft die Reduzierung der Prognosen. Zudem verwies er auf die Unsicherheiten durch den Kaschmir-Konflikt zwischen Indien und Pakistan sowie die Gewalt im Nahen Osten. "Trotzdem sind wir weiter optimistisch, dass Dax und Nemax das laufende Jahr höher abschließen als sie derzeit stehen", fügt er hinzu. Mit einer Konjunkturerholung und verbesserten Unternehmensgewinnen rechne seine Fondsgesellschaft für das vierte Quartal.

"Wir haben unsere Dax-Prognose nicht verändert. Ein mittleres einstelliges Plus beim Dax ist trotz der gegenwärtigen Aktienschwäche immer noch möglich, so dass der Index zum Jahresende bei 5300 bis 5400 Zählern stehen könnte", sagt indes Friedrich Diel, Aktienfonds-Manager bei Frankfurt-Trust . Die Stimmung sei zwar derzeit schlecht an der Börse, und die Aktienmärkte würden von der Angst vor hohen Abschreibungen belastet. Es sei aber genügend Liquidität am Markt vorhanden. Ein Schub an den deutschen Börsen auf Grund der konjunkturellen Entwicklung und einer Gewinnerholung bei den Unternehmen sei zum Ende des Jahres hin noch möglich. Deshalb halte er an den Schätzungen fest. Einen Rückschlag könne man aber nicht völlig ausschließen, sollten unerwartete Entwicklungen eintreten.

Die zur Dresdner Bank gehörende Fondsgesellschaft DIT sieht den Dax nach wie vor bei 5700 Zählern zum Jahresultimo. "Die Fundamentaldaten sind immer noch gut, und das Börsenumfeld stimmt", sagt Dirk Ropers, Leiter des europäischen Aktienfondsteams beim DIT. Das niedrige Kursniveau am Aktienmarkt sei außerdem günstig. "Wir sind derzeit recht solide gestimmt", fügt Ropers hinzu.

Adig-Aktienfondsmanager Christoph Berge sagt: "Wir halten weiterhin an unserer Dax-Prognose von 5000 bis 5800 Punkten fest." Die Aktienmärkte seien derzeit verglichen mit den Rentenmärkten günstig bewertet, was sich mittelfristig positiv auswirken dürfte, begründet er seine Einschätzung. Darüber hinaus deute der viel beachtete ifo-Konjunktur-Indikator bereits auf einen Aufschwung hin. "Kurzfristig besteht allerdings noch ein gewisses Risikopotenzial am deutschen Aktienmarkt."

Deka-Fondsmanager Trudbert Merkel erwartet den Dax unverändert bei rund 5500 bis 6000 Punkten am Jahresschluss. "Das Bild der konjunkturellen Erholung ist nach wie vor in Takt", erklärt der Fondsmanager aus dem Sparkassenlager seine Einschätzung.
Die DWS , die prinzipiell keine Dax-Prognosen abgibt, geht davon aus, dass das Börsenbarometer 2002 über seinem Endstand des Vorjahres schließt. "Wir sind zuversichtlich, dass der Dax das Jahr positiv beenden wird", sagt DWS-Fondsmanager Henning Gebhardt.

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