Prognosen bleiben weiter schwierig
Experten: Ifo-Index deutet auf anhaltende Stagnation hin

Der etwas überraschende Rückgang des Ifo-Index im März deutet nach Einschätzung von Volkswirten auf eine anhaltende Stagnation der deutschen Wirtschaft hin. Dennoch sollte die Konjunktur in der zweiten Jahreshälfte anziehen, sofern eine Reihe von belastenden Faktoren - vor allem die Unsicherheit über die weitere Entwicklung im Nahen Osten - an Einfluss verlieren.

vwd FRANKFURT. Zuvor hatte das Münchener Ifo-Insitut für Wirtschaftsforschung einen Rückgang seines Geschäftsklimaindikators auf 88,1 von 88,9 im Februar ausgewiesen. Von vwd befragte Volkswirte hatten dagegen mit einem leichten Index-Anstieg gerechnet.

Bernd Weidensteiner, Konjunkturexperte bei der DZ Bank, sieht als Hauptgrund für die neuerliche Stimmungseintrübung vor allem die schleppende wirtschaftliche Entwicklung auf beiden Seiten des Atlantiks. Zudem dürfte auch die Ungewissheit wegen der Entwicklung im Irak eine Rolle für den Ifo-Rückgang gespielt haben. Insgesamt deutet der Ifo-Index nach Einschätzung von Weidensteiner auf eine weiterhin blutleere Konjunkturentwicklung in Deutschland hin, zudem seien Prognosen angesichts der Situation in Irak sehr schwierig.

Ralph Solveen von der Commerzbank nennt als weitere Faktoren, die ursächlich für den Rückgang des Ifo-Index sind, die lange Zeit hohen Ölpreise sowie den zwischenzeitlich sehr starken Euro. Der Beginn des Irak-Kriegs dürfte seiner Einschätzung nach wohl nur in einem Viertel der Antworten der befragten Unternehmen an das Ifo-Institut Berücksichtigung gefunden haben. Solveen zufolge wird sich die Phase der wirtschaftlichen Stagnation in Deutschland bis in das zweite Quartal 2003 fortsetzen. Erst danach rechne er mit einem Anziehen der Konjunktur.

Jörg Krämer von Invesco weist darauf hin, dass der Ifo-Index wie die anderen Frühindikatoren in der Eurozone weiterhin auf einem niedrigen Niveau notierten. Dies deute auf hohe Risiken für den weiteren Konjunkturverlauf im gemeinsamen Währungsraum hin. Vor diesem Hintergrund erwartet Krämer für Deutschland nur noch ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von 0,5 %, für die Eurozone ein Wachstum von 1,0 %. Angesichts der trüben Aussichten geht der Invesco-Experte davon aus, dass die Europäische Zentralbank (EZB) die Leitzinsen vermutlich im Mai noch einmal um 25 Basispunkte senken wird.

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