Prognosen der Ökonomen zum Wachstum gehen auseinander
Verbraucher und Staat stützen US-Konjunktur

Wie zur Bestätigung von Notenbankchef Alan Greenspans Ankündigung einer moderaten Erholung sind die amtlichen Wachstumsberechnungen besser ausgefallen. Während der private und der staatliche Konsum höher geschätzt wurden, steht es um die Investitionen noch schlechter als ursprünglich angenommen.

coh/pbs WASHINGTON/DÜSSELDORF. Noch am Mittwoch beglückte US-Notenbank Chef Alan Greenspan Anleger und Unternehmer mit der frohen Botschaft, dass die US-Wirtschaft jetzt die Talsohle der Rezession erreicht habe. Seit gestern ist aber klar: Die Rezession wurde schon Ende 2001 überwunden - offiziell begonnen hatte sie im März.

Denn bereits im vierten Quartal ist das US-Bruttoinlandsprodukt (BIP) um annualisiert 1,4 % bzw. um 0,3 % zum Vorquartal gewachsen, teilte das Handelsministerium seine zweite Schätzung mit. Das ist das beste Quartalsergebnis des vergangenen Jahres. Die erste Schätzung hatte noch bei annualisiert 0,2 % gelegen. Die endgültigen Zahlen werden am 28. März veröffentlicht. Damit wäre das dritte Quartal die einzige Periode mit schrumpfender Wirtschaftsleistung gewesen.

Der von Greenspan vorhergesagte "moderaten Aufschwung" läuft also bereits. Diesen Eindruck bestätigte am Donnerstag auch der deutlich gestiegene US-Einkaufsmanager für den Großraum Chicago. Das Stimmungsbarometer ist im Februar von 45,1 auf 53,1 Punkte geklettert - und damit stärker als von Analysten erwartet. Ein Indexstand oberhalb der Marke von 50 Punkten zeigt ein Wachstum der Wirtschaft an. Auch vom Arbeitsmarkt gab es gestern ein positives Signal: Die Zahl der Anträge auf Sozialhilfe gingen auf ein Sechs-Monats-Tief zurück.

"Eben geht die mildeste Rezession zu Ende geht, die wir jemals hatten", sagt Carl Tannenbaum, nordamerikanischer Chef-Ökonom von ABN Amro. "Aber uns erwartet eine ebenso milde Erholung", erklärte er und unterstrich damit die Prognose von Greenspan. Die Prognosen von US-Volkswirten zum Wachstum in den ersten drei Monaten schwanken zwischen 1,5 % bis 3,0 % in annualisierten Raten.

Verantwortlich für die Korrektur sind eine Reihe von Faktoren: Positiv stimmt Volkswirte, dass das Plus der privaten Konsumausgaben mit 6,0 % statt 5,3 % nochmals höher als in der Erstschätzung ausgefallen ist. Allerdings wurde die Kauflust der Verbraucher durch die Null-Zins-Politik der Autohäuser künstlich angekurbelt. Auch der Staatskonsum wird mit annualisiert 10,1 % statt vorher 9,2 % jetzt höher geschätzt. Noch im dritten Quartal, also vor den Terroranschlägen lag diese Wachstumsrate nur bei 0,3 %.

Doch alle drei Monate kaufen auch die Amerikaner kein neues Auto. In den vergangenen Wochen ging die Nachfrage bei den Autohäusern entsprechend zurück. Der private Konsum ist für rund zwei Drittel des amerikanischen BIP verantwortlich. Auch am Aktienmarkt könnten die Konsumenten in Zukunft kaum mehr Vermögensgewinne, wie in der Vergangenheit üblich, erzielen, mahnt Roland Döhrn, Konjunktur-Experte beim Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung in Essen (RWI).

Weniger optimistisch stimmt der nun nochmals höher geschätzte Einbruch der Investitionen. Für Döhrn beruht die Korrektur der Prognosen deswegen auch nur auf "Sonderfaktoren". Das RWI gab gestern seiner neue Prognose zum Wachstum 2002 mit nur 0,6 % im Jahresdurchschnitt an nach 1,2 % im vergangenen Jahr. 2003 soll es dann aber ein Plus von 2,9 % geben. Optimistischer sind die Volkswirte der DGZ Bank. -Deka Sie rechnen mit einer BIP-Jahresrate von 1,3 % schon in diesem Jahr und mit 3,4 % 2003. Schon jetzt kündigen sie an, diese Vorhersagen in den kommenden Monaten weiter nach oben zu korrigieren.

Für das RWI nehmen die USA auch wegen der Verflechtungen der Volkswirtschaften eine Sonderrolle in der Weltkonjunktur ein. Sollte sich dort der Aufschwung verzögern, gelte das ebenso für den Rest der Welt. Einen Lichtblick lieferten gestern auch die Zahlen zum kanadischen BIP. Dort ist die Wirtschaftsleistung im vierten Quartal mit einer annualisierten Rate von 2 % gewachsen. Ökonomen hatten im Durchschnitt ihrer Prognosen nur mit einer Steigerung um 0,5 % gerechnet. Im gesamten Jahr 2001 ist das kanadische BIP um 1,5 % gestiegen. Im dritten Quartal war es noch um 0,6 % geschrumpft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%