Prognosen der Versicherer werden als unrealistisch angesehen: Experten zweifeln an hohen Riester-Renditen

Prognosen der Versicherer werden als unrealistisch angesehen
Experten zweifeln an hohen Riester-Renditen

Die Versicherer liegen im Rennen um Riesterkunden weit vor den Fondsanbietern. Experten warnen jedoch, die Renditeprognose mancher Assekuranz sei unrealistisch hoch. Fondsanbieter dagegen werden kritisiert, weil sie angeblich die Risiken nicht verständlich genug darstellen.

DÜSSELDORF/FRANKFURT. "Abwarten", rät deshalb Thomas Bieler, Finanzexperte der Verbraucherzentrale NRW. Doch die Verbraucher handeln: Tausende haben bereits Riester-Verträge abgeschlossen, vor allem bei großen Versicherern. "Allianz, AMB Generali und Ergo gewinnen das Rennen um Riester-Kunden", glaubt Versicherungsanalyst Marc Thiele von Commerzbank Securities in London, "die Drei werden auch in zehn Jahren den Markt dominieren".

Als Turbo im Riester-Geschäft erwies sich die klassische Rentenversicherung. Experten warnen indes gerade hier vor bösen Überraschungen. "Die Überschussbeteiligungen, die einige Versicherer in Aussicht stellen, sind überhöht", sagt Manfred Poweleit vom Branchenreport map. Viele Versicherer hätten voreilig Riester-Policen mit einer Verzinsung von 6,6 bis 6,8 Prozent offeriert. "Das wird böses Blut geben, wenn die Zinsdeklarationen Ende des Jahres deutlich gesenkt werden."

Hintergrund: Ob Riesterpolice oder herkömmliche Lebensversicherung, Versicherer können langfristig nur auszahlen, was sie mit der Anlage der Versichertengelder verdienen. Doch die Renditen liegen heute oft unter den Zinsversprechen. Bei Immobilien betrage die Durchschnittsverzinsung 4,35 Prozent, bei festverzinslichen Wertpapieren im zehnjährigen Mittelwert 5,7 Prozent - Tendenz fallend. Dies könnten Versicherer nicht mehr durch Aktiengewinne wettmachen: "Das Platzen der Technologieblase hat diese Einkommensquelle verstopft", sagt Poweleit.

So senkten Ende 2001 fast alle Versicherer ihre Renditeversprechen. Auch der Garantiezins, den sie zahlen müssen, fiel von vier auf 3,25 Prozent. Einige Versicherer können noch hohe Renditeversprechen erfüllen, indem sie ihre Stillen Reserven anzapfen. "Ich glaube, dass bei einigen die Stillen Reserven extrem stark nach unten gegangen sind", sagt aber Analyst Thiele.

Der Verdacht: Einige Versicherer zögern die Senkung ihrer Überschussprognose hinaus, um mit guten Renditeaussichten das Geschäft zu machen. Ist der Riester-Kuchen erst verteilt, dürfte eine Welle von Herabsenkungen folgen. "Viele, die voreilig einen ungünstigen Riestervertrag abgeschlossen haben, werden dann große Augen machen", sagt Verbraucherschützer Bieler.

"Ich bin für eine Vielzahl Kunden hinsichtlich Riester-Police skeptisch", sagt Peter Köhler, Geschäftsführer bei Thomae & Partner Versicherungsmakler in Freiburg. Dagegen sprächen etwa Probleme bei der Vererbung, dem Wegzug ins Ausland und hohe Verwaltungskosten. "Bislang habe ich noch keine Riesterpolice verkauft", sagt Köhler.

Dagegen haben die drei Marktführer, Allianz, AMB Generali und Victoria allein 2001 rund 300 000 Riester- Kunden gewonnen, schätzt Analyst Thiele. Die Fondsanbieter starten indes verspätet und werden es schwer haben, den Rückstand aufzuholen. Dabei seien Fonds oft die bessere Alternative, meint Verbraucherschützer Bieler. Häufig seien die Kosten geringer und transparenter. Viele Fonds investieren zudem stärker in Aktien, was die Risiken, aber auch die Ertragschance erhöht. "Wer ein wenig mehr Risiko eingehen will, erhält bei Fonds die entsprechende Produkauswahl", sagt Gunter Löffler, Altersvorsorgeexperte von der Universität Frankfurt.

Grob lassen sich Riester-Produkte in vier Gruppen unterteilen - kapitalgebundene und fondsgebundene Lebensversicherung sowie Fonds- und Banksparpläne, die mit einer Rentenzahlung verbunden sind. Alle Anbieter müssen mindestens die Rückzahlung der eingezahlten Beiträge garantieren. Die Riesterförderung ist ein Staatszuschuss.

Allerdings leiden die Angebote der Fonds und der betrieblichen Altersvorsorge unter den gleichen Problemen wie Versicherer. Auch ihre Rendite sinkt durch die Börsenflaute und niedrige Anleihezinsen. So warnt Löffler davor, bei der Altersvorsorge ähnlich hohe Aktienkursgewinne einzuplanen, wie sie in den vergangenen zwanzig Jahren üblich waren: "Der Boom war vermutlich ein einmaliges Ereignis, das sich nicht wiederholt". Schätzungen im zweistelligen Prozentbereich hält er für gewagt. Viele Fondsanbieter stellten das Schwankungsrisiko der Aktienanlage nicht deutlich genug dar, kritisiert Löffler.

Besonders kostengünstig dürften Riester-Produkte bei der betrieblichen Altersvorsorge werden, sagt Bieler. Die IG Metall strebe bei ihrer Metallrente einen Kostensatz von fünf Prozent der Beiträge an. Private Versicherungsprodukte lägen bei 15 bis 20 Prozent.

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