Prognosen für das laufende Jahr bleiben gedämpft
Vivendi belastet Philips-Bilanz

Der niederländische Konzern Philips legt gute Quartalszahlen vor. Ob am Jahresende aber ein schwarzes Ergebnis steht, bleibt fraglich. Das Management hat zwar einen guten Ruf, doch das Marktumfeld bleibt schwach.

tom BRÜSSEL. Schon Anfang Juni hat Philips-Chef Gerard Kleisterlee seinem Management angekündigt, was sie von diesem Jahr zu erwarten hätten: 2002 werde ein "verlorenes Jahr". Seine Top-Mitarbeiter sollten ja nicht auf die Idee, kommen ihre Investitionspläne auf Wachstumsszenarien aufzubauen.

Die gestern in Amsterdam präsentierten Zahlen für das zweite Quartal bestätigen, dass der Philips-Chef mit seiner Vorsicht richtig liegt. Zwar konnte der niederländische Elektronikkonzern im Vergleich zum Vorquartal seinen Umsatz um 5 % auf 8 Mrd. Euro steigern, und auch der Gewinn vor den "außerordentlichen Posten" lag mit 171 Mill. Euro über den Erwartungen der Analysten. Doch die herausgerechneten Posten drücken das Netto-Ergebnis deutlich: Vor allem die Beteiligung am angeschlagenen französischen Medienkonzern Vivendi Universal SA - mit 3,5 % ist Philips der zweitgrößte Einzelaktionär - bescherte den Niederländern einen Nettoverlust von 1,36 Mrd. Euro. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum betrug das Minus in der Bilanz 770 Mill. Euro. Die Abschreibung auf die in den Keller gegangene Vivendi-Aktien beläuft sich auf immerhin 1,5 Mrd. Euro.

Ob und wie lange Philips sein Engagement beim zweitgrößten Medienkonzern der Welt aufrecht erhalten will, ließ Finanzvorstand Jan Hommen offen. "Ich werde nicht sagen, ob der Anteil strategisch ist oder nicht. Wir verfolgen unsere eigenen Interessen, das lässt uns einige Flexibilität," sagte Hommen. Analysten gehen davon aus, dass Philips bei Vivendi am Ball bleiben wird: Der Preis für die Aktien sei im Augenblick zu niedrig, und außerdem wurde Kleisterlee gerade in den Vivendi-Aufsichtsrat berufen. "Wenn jemand allerdings gutes Geld für das Paket bietet, wird sich Philips von Vivendi trennen", erwartet Frits de Vries von Rabo Securities.

Finanzchef Hommen rechnet zwar damit, dass die zweite Jahreshälfte besser als die erste und der Konzern Ende 2002 wieder schwarze Zahlen schreiben wird - allerdings dürften Abschreibungen und Wertminderungen dabei nicht beachtet werden. Nach Ansicht von Marktbeobachtern versteckt sich in dieser Aussage eine Senkung der Prognosen.

Analysten wie Didier Scemana von ABN-Amro bleiben daher vorsichtig. "Das Management macht im Prinzip alles richtig", sagt Scemana, "aber das Marktumfeld ist schwach." Der Blick fällt vor allem auf das Halbleitergeschäft, dessen Umsatz bei Philips im vergangenen Jahr um 45 % zurückgegangen war. Im Vergleich zum 1. Quartal zog der Verkauf um 10 % an, die Niederländer rechnen im letzten Jahresviertel mit einem Nettogewinn in der Sparte.

Doch Philips hängt als Zulieferer für den PC-, Telefon- und Halbleitermarkt auch am Wohl und Wehe seiner Abnehmer - und denen geht es im Augenblick nicht gut: Umsatzwarnungen beim Chipproduzent AMD, schlechte Zahlen bei Nokia und Motorola. Dazu tritt der starke Euro: "Der Effekt wird vor allem im nächsten Jahr sichtbar werden", sagt Analyst de Fries. Notiert der Dollar 10 % unter dem Euro, werde dies 175 Mill. Euro Gewinne auffressen, rechnet de Fries.

Lichtblick im Philips-Portfolio ist das Geschäft mit Medizintechnik. Die Akquisitionen von Firmen wie Marconi zahlen sich aus: Der Gewinn stieg im Vorjahresvergleich von 42 Mill. Euro auf 54 Mill. Euro, der Umsatz um 85 % auf 1,76 Mrd. Auch das kränkelnde US-Geschäft mit Unterhaltungselektronik erholt sich langsam. "Für Philips ist es wichtig weiter Kosten zu reduzieren", sagt Analyst Scemana. Insgesamt würden die "Schmerzen" nachlassen. Der Konzern liegt mit seinen Einsparungen im Plan.

Für gute Stimmung bei den Kunden soll nun ein niederländischer Weltstar sorgen: Guus Hiddink, Ex-Trainer der südkoreanischen Nationalmanschaft, will für Philips die Werbetrommel rühren und das traditionell schwache Marketing aufpeppen.

Quelle: Handelsblatt

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